Kommentar zur Kampagne

Werbung für die Substitution

Von Ilse SchlingensiepenIlse Schlingensiepen Veröffentlicht:

Der sich abzeichnende Hausärztemangel wirkt sich bei der Versorgung von Substitutionspatienten besonders gravierend aus. Schon heute engagiert sich nur rund ein Drittel der Ärzte mit einer suchttherapeutischen Qualifikation in diesem Bereich der Behandlung von Drogenpatienten.

Ihr Altersdurchschnitt beträgt fast 60 Jahre. Es ist an fünf Fingern abzuzählen, dass ein Versorgungsengpass droht, wenn nichts passiert. So weit wollen es Ärzte, die sich in der und für die Substitutionstherapie engagieren, nicht kommen lassen.

Unter dem Motto "Bitte substituieren Sie" werben die Mediziner in ärztlichen Publikationen gezielt um Mitstreiter. Dabei legen sie den Fokus nicht nur auf den wichtigen Aspekt der Patientenversorgung. Sie wollen auch deutlich machen, dass die Arbeit in der Substitutionstherapie auch den Ärzten selbst etwas bringt.

Es ist ein medizinisch interessantes und erfüllendes Gebiet, das sich zudem wirtschaftlich rechnet, lautet die Botschaft.

Die Zeit wird zeigen, ob die Ärzte mit ihrer Kampagne Erfolg haben. Der Ansatz ist auf jeden Fall richtig. Die Ärzte werden selbst aktiv, statt ins allgemeine Wehklagen einzustimmen. Der Kampf um den ärztlichen Nachwuchs ist hart, von selbst wird er den Weg in dieses Spezialgebiet kaum finden.

Lesen Sie dazu auch: Substitutionstherapie: Ärzte gesucht

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Karlheinz Bayer

es ist nicht das Alter!


Nach wie vor sind es andere Probleme, mit denen sich die substituierenden Ärzte herumzuschlagen haben. Kammer und KV müßten sich viel mehr dafür einsetzen, daß es keine Hausdurchsuchungen in Praxen gibt, weil dort Drogenhändler behandelt werden.
Und zwar grundsätzlich.
Dann müßte dafür Sorge getragen werden, daß es zu keinem Regreß kommt. Und schließlich müßte die KV dafür sorgen, daß auch anonym substituiert werden kann und trotzdem eine Honorargarantie da wäre.
Substituieren mit Regreßrisiko, mit dem Risiko staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen und mit dem Problem, daß ein Teil der Behandlungen nicht bezahlt werden, ist keine Frage, ob die Ärztinnen und Ärzte 60 oder jünger sind.
Vielmehr scheinen hier wieder Trittbrettfahrer unterwegs zu sein, die die Situation der Substitution für Verbandsinteressen ausschlachten wollen. Mal abwarten, wie lange es dauert, bis das Hausarztnodell um einen Substitutionspassus erweitert wird ...

Dr.Karlheinz Bayer


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