„Whitepaper“ zu Resilienz

Wie die Medizin-Fachgesellschaft DGIM die Dauerkrisen im Gesundheitswesen angehen will

Personalmangel, fehlende Steuerung, Klimawandel: Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin sieht das Gesundheitssystem mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert. Den Kopf in den Sand stecken verbiete sich aber. Es gebe Lösungen.

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Mann mit schwarzem Regenschirm in einem Park voller Kirschblüten.

Schutzschirm(e) gesucht für die Dauerkrisen im Gesundheitswesen. (Symbolbild)

© Marcus Brandt/dpa

Berlin. Das Gesundheitssystem in Deutschland steht unter enormen Handlungsdruck: fehlende Ärztinnen und Ärzte, steigende Ausgaben bei teils nur mittelmäßigem „Outcome“, sicherheitspolitische Herausforderungen und eine Klimakrise mit gesundheitlichen Folgen fordern Politik wie Selbstverwaltung heraus.

Mit einem Positionspapier – überschrieben als „Whitepaper“ zur „Resilienz im Gesundheitswesen“ – hat sich nun die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) zu all dem Ungemach zu Wort gemeldet. Die Ausführungen sollten einen „Impuls für die gesundheitspolitischen Entscheidungsprozesse“ geben, betont die DGIM-Spitze.

Das Gesundheitssystem sehe sich vielen Krisen gegenüber, das System habe sich diesen zu stellen – ansonsten drohe es Handlungsfähigkeit einzubüßen, sagt Professor Jan Galle, 1. stellvertretender Vorsitzender der DGIM und Direktor der Klinik für Nephrologie und Dialyseverfahren am Klinikum Lüdenscheid.

Über den Befund zur Therapie

„Resilienz“, betont DGIM-Mitglied Dr. Markus Mundhenke in diesem Zusammenhang, „kann auf vielen Ebenen entstehen, sowohl durch kleine Maßnahmen als auch große strukturelle Reformen.“ Mit dem „Whitepaper“ wolle die Fachgesellschaft einen Anstoß geben, um über die Problembeschreibung zu Lösungen zu kommen.

Als ein Handlungsfeld macht die Fachgesellschaft, der eigenen Angaben zufolge 30.000 Mitglieder angehören, eine „koordinierte Versorgungssteuerung“ aus. Während Bedarfe stiegen – Stichwort Demografie –, sinke die Zahl der Behandler. Gerade im ambulanten Bereich.

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So seien Ende 2023 rund 5.760 Arztsitze unbesetzt gewesen, davon allein 4.860 in der hausärztlichen Versorgung. In 24 Prozent aller Landkreise werde „hausärztliche Unterversorgung“ festgestellt.

Problematisch auch: Die Hälfte der Bevölkerung habe Probleme, gesundheitsrelevante Informationen zu verstehen. Gleichzeitig seien die Ausgaben für Gesundheit auf rund 500 Milliarden Euro pro Jahr gestiegen, „ohne dass Lebenserwartung, Effizienz und Koordination im gleichen Maße verbessert wurden“, schreibt die DGIM.

Tausende Hausarztsitze unbesetzt

„Resilient organisierte Versorgung“ brauche daher eine starke Steuerung, die Patienten koordiniert durch das System führe und die Zusammenarbeit ambulant/stationär sowie zwischen den Gesundheitsberufen klar strukturiere, geht die DGIM auf die Diskussion um ein Primärversorgungssystem ein.

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Die Position der Fachgesellschaft dazu ist eindeutig: „Hausärztliche Versorgung sollte systematisch als erster Ansprechpartner und koordinierende Instanz der medizinischen Versorgung etabliert werden.“ Zugleich seien „Modelle“ wie hausarztzentrierte Versorgung (HZV), Primärversorgungszentren oder Praxisnetze auszubauen.

Dass mehr Steuerung und Koordination nicht ohne Digitalisierung geht, ist der DGIM bewusst. Elektronische Patientenakten, sichere Kommunikationssysteme und digitale Instrumente gehörten sektorenübergreifend eingesetzt, „um Informationsverluste und Versorgungsbrüche zu vermeiden“.

Steuerung braucht funktionierende Digitalisierung

Auch brauche es in der Versorgung mehr Teamspirit: „Ärztinnen und Ärzte, Pflegefachpersonen sowie weitere Gesundheitsberufe müssen stärker als koordinierte Teams zusammenarbeiten“, heißt es im Papier der DGIM.

Von Substitution ärztlicher Aufgaben – wie von Pflegeverbänden und Pflegekammer eingefordert – ist darin nicht die Rede. Stattdessen sei die Delegation auszubauen, schreibt die DGIM und markiert die Grenze der Arbeitsteilung: „Qualifizierte nichtärztliche Fachkräfte können definierte medizinische Aufgaben unter ärztlicher Gesamtaufsicht übernehmen und so ärztliche Ressourcen entlasten.“ (hom)

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