Kommentar zu Corona-Impf-Versprechen

Willkommen in der Wahlkampfarena 2021

Finanzminister Olaf Scholz verspricht bis zu zehn Millionen Corona-Impfungen pro Woche. Das ist im besten Fall ambitioniert, im schlechtesten gefährlich für den SPD-Wahlkämpfer.

Thomas HommelVon Thomas Hommel Veröffentlicht:

In gut sechs Monaten ist Bundestagswahl. Schon kommenden Sonntag treten die Bürger von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz an die Urnen. Die Corona-Pandemie spielt längst in die Wahlkämpfe hinein. Aktuelles Beispiel: Äußerungen von Bundesfinanzminister Olaf Scholz in der ZDF-Sendung „Berlin direkt“ vom Sonntagabend.

Bis zu zehn Millionen Impfungen pro Woche werde es demnächst geben, zeigt sich der Vizekanzler und SPD-Spitzenkandidat für die Bundestagswahl überzeugt. Dass das jetzt gut vorbereitet sei, dafür habe – ja wer wohl – er gesorgt. Freilich: Zuvor schon hatte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ähnliche Hausnummern in die Welt gesetzt.

Ambitionierte Prognosen

Dass Scholz den Lockdown-geprüften Bundesbürgern viel verspricht, ist verständlich. Alle hoffen auf einen schnellen Weg raus aus der Pandemie und zurück in die Normalität. Das geht nur über massenhaftes Impfen. Und steigen im April Haus- und Fachärzte flächendeckend ein, könnte die Impfkampagne deutlich an Geschwindigkeit gewinnen.

Doch Vorsicht! Die Prognose, dass dann bis zu zehn Millionen Impfungen wöchentlich stattfinden, ist im besten Fall ambitioniert, im schlechtesten gefährlich für den SPD-Spitzenwahlkämpfer Scholz. Zur Erinnerung: In der ersten Märzwoche wurden knapp 1,5 Millionen Impfungen verabreicht. Mehr als zuvor – aber von zehn Millionen noch weit entfernt.

Heilsversprechen können nach hinten losgehen

Und selbst wenn die Ärzte, wie von ihren Standesvertretern erklärt, 20 Impfungen am Tag in rund 50.000 Praxen verabreichen, bleibt die Aussage gewagt. Denn sie hängt von Faktoren ab, die Politiker – auch Wahlkämpfer – nur bedingt beeinflussen können. Vakzine-Liefermengen, Verfügbarkeit von Impfzubehör, Ausprägung der Impfbereitschaft – all diese Dinge sind mit Unsicherheiten behaftet.
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Wenn Corona eines lehrt, dann, dass Ankündigungen seitens der Politik schnell Hohn und Spott ernten, sobald sie sich als Luftballons erweisen. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kann ein Lied davon singen – die Ankündigung von Schnelltests für jedermann ab 1. März hängt ihm noch immer in den Knien.

Olaf Scholz und alle anderen wahlkämpfenden Politiker sollten daher schleunigst ihr Erwartungsmanagement in Sachen Corona korrigieren. Voreilige Heilsversprechen können in diesen schnelllebigen pandemischen Zeiten leicht nach hinten losgehen.

Schreiben Sie dem Autor: thomas.hommel@springer.com

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