Kommentar zur Klinikreform-Kampagne der Privaten

Zu einseitig adressiert

Der Verband der Privatkliniken macht gegen die Krankenhausreform mobil. Das darf er natürlich. Irritierend ist nur, dass ausschließlich ein Urheber des angeblich drohenden Ungemachs ausgemacht wird.

Thomas HommelEin Kommentar von Thomas Hommel Veröffentlicht:

Die geplante Krankenhausreform gehört zu den Sommerpausenfüllern dieses Jahres. Der Eindruck drängt sich auch beim Besuch der Kampagnen-Website „krankenhausretten.de“ des Bundesverbands Deutscher Privatkliniken (BDPK) auf.

„Rette Dein Krankenhaus!“ steht dort in dicken weißen Lettern geschrieben, darunter ein kopfloses Anthrazit-Jackett und ein roter Pullover mit V-Ausschnitt. Es ist klar, wer gemeint ist: Karl Lauterbach, Bundesgesundheitsminister und bekanntlich Träger zahlreicher bunter V-Pullis.

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Es sei die von Lauterbach geplante Reform, die eine „gute medizinische Versorgung“ insbesondere auf dem Land gefährde, erklärt der Klinikverband – und sendet ein Zeichen der Hoffnung: Beim Klick auf den Button „Jetzt retten“ erhält der Nutzer der Website die Möglichkeit, seinen Wahlkreisabgeordneten anzuschreiben – oder den Gesundheitsminister im jeweiligen Bundesland.

Klar, was dabei rauskommt: Vor allem Lauterbach wird als Urheber allen drohenden Übels in deutschen Krankenhauslanden ausgemacht.

Sitzen die Länder denn nicht mit im Boot?

Verwundert reibt sich der Beobachter die Augen: Warum, bitte schön, wird einseitig auf Lauterbachs „Karlschlag“ abgehoben und eingedroschen? Fußen die Reformpläne nicht auf einem Eckpunktepapier, auf das sich Bund und Länder – mit Ausnahme Bayerns und Schleswig-Holsteins – gemeinsam verständigt haben!? Und sind es nicht die Länder, die per Landeskrankenhausplan am Ende entscheiden, welche Klinik am Netz bleibt!?

Die Krankenhausreform ist ein Megaprojekt des Bundesgesundheitsministers – mit der Rede von der „Revolution“ hat Lauterbach den Rahmen selbst groß aufgezogen. Wer ihn jetzt aber allein an den Pranger stellt, verkennt, dass die Länder mit im Boot sitzen – und zwar als Steuerleute.

Oder ist die Kampagne am Ende eine politische, die auf die Landtagswahlkämpfe in Hessen und Bayern einwirken soll? Ein Interessenverband darf so etwas selbstverständlich. Er sollte sich dann aber auch ehrlich machen.

Schreiben Sie dem Autor: thomas.hommel@springer.com

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