Streit in Niedersachsen

Zu viele oder zu wenig Ärzte?

Die Arztzahlprognose der KV Niedersachsen von 2008 erhitzt die Gemüter. Es gab Fehler bei der Berechnung, sagt der vdek. Und zählt mehr Ärzte als die KV. Die ihrerseits kontert.

Von Christian Beneker Veröffentlicht: 29.09.2012, 13:16 Uhr
Zu viele oder zu wenig Ärzte?

Verwaist - weil kein Arzt benötigt wird, der damit arbeitet? Oder weil keiner da ist, der dringend damit arbeiten müsste?

© dondoc-foto / fotolia.com

HANNOVER. Der vdek Landesverband Niedersachsen hat der KV Niedersachsen (KVN) vorgeworfen, bei ihrer Arztzahlprognose 2020 vom Jahr 2008 habe sie "nur altersbedingt ausscheidende Ärzte, nicht aber auch zu erwartende Zugänge" berücksichtigt.

Die Zahl der ambulant tätigen Ärzte sei "nicht etwa gesunken, sondern gestiegen", so der vdek. Abgänge seien mehr als kompensiert worden. "Seit dem 31. Dezember 2007, dem Ausgangspunkt der KVN-Vorhersage, stehen den Versicherten 646 zusätzliche Ärzte zur Verfügung", so der Kassenverband.

Lässt man angestellte Ärzte und Partnerärzte außen vor und betrachtet nur Mediziner mit eigener Kassenzulassung, liegt der Zuwachs noch bei 145. Damit ist klar, dass das Angebot nicht nur "nach Köpfen" größer geworden ist, sondern auch durch vollzeitig zur Verfügung stehende Ärzte", hieß es.

vdek: Zahl der Kassenzulassungen gesunken

Auch bei den Hausärzten habe es "eine deutliche Ausweitung um 213 gegeben, die sich aber aus einer Steigerung bei den angestellten Ärzten und Partnerärzten speist", so der vdek. "Die Zahl der Kassenzulassungen ist demgegenüber um 145 gesunken." Fazit des Kassenverbandes: Niedersachsen sei "meilenweit" von einem Ärztemangel entfernt.

KVN-Sprecher Detlef Haffke bestätigte die Zahlen, sagte aber: "Wir haben ein Verteilungsproblem." Zwar sei numerisch oft noch kein Ärztemangel festzustellen, aber er werde auf dem Land erlebt.

Anders als der vdek argumentiert die KVN also mit der Versorgungsrealität. "In den Städten arbeiten meist genügend Ärzte, auf dem Land fehlen sie", so Haffke, "und die Patienten müssen mancherorts lange Wege in Kauf nehmen, um zu ihrem Hausarzt zu kommen." So habe der Landkreis Peine einen Versorgungsgrad an Hausärzten von 67,5 Prozent, der Heidekreis 78 Prozent oder das Emsland 84 Prozent.

"Der Altersdurchschnitt der niedergelassenen Ärzte im Land liegt bei 52,6 Jahren", erläutert Haffke, "das heißt, in den kommenden zehn bis 15 Jahren müssen wir mit viel weniger Ärzte rechnen." Die 2008 veröffentlichen Zahlen seien "Worst-case-Prognosen" gewesen.

Dass heute mehr Ärzte etwa als angestellte Ärzte arbeiten, sei das von der KVN angestrebte Mittel gegen den drohenden Ärztemangel, so Haffke. 2008 hatte die KV Niedersachsen prognostiziert, dass bis Jahr 2020 rund 4200 Kolleginnen und Kollegen in den Ruhestand gehen, ohne das ausreichend Nachwuchs in Sicht sei. In Niedersachsen würden dann allein 1000 Hausärzte fehlen, hatte es geheißen.

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