Werbekampagne

Zwei Elfen für den Bereitschaftsdienst

Mit TV-Spots und Anzeigen will die KBV die Rufnummer des Bereitschaftsdienstes bekannter machen. Denn Umfragen zeigen: Viele Bürger wissen gar nicht, wer und was sich hinter der 116117 verbirgt.

Von Thomas HommelThomas Hommel Veröffentlicht:
Als Erkennungsmerkmal der neuen Kampagne dienen zwei Elfen.

Als Erkennungsmerkmal der neuen Kampagne dienen zwei Elfen.

© KBV

BERLIN. Mit einer groß angelegten Medienkampagne wollen die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) die Nummer des Bereitschaftsdienstes bekannter machen. 2020 soll der Service zu einem eigenen „Versorgungsportal“ ausgebaut werden.

Die Kampagne umfasst Fernseh- und Online-Spots, Plakate und Anzeigen. Das Erkennungsmerkmal bilden zwei in türkis- und pinkfarbenen Kostümen gekleidete Elfen. Als Markenbotschafterinnen „Elf6“ und „Elf7“ sollen sie die Rufnummer 116117 ins öffentliche Bewusstsein tragen.

„Zugegeben, unsere Elfen sind von ihrem Erscheinungsbild her eher unkonventionell, doch genau dadurch bleiben sie im Gedächtnis“, sagte KBV-Vorstandschef Dr. Andreas Gassen zum Start der Kampagne am Freitag in Berlin.

Bereits im vergangenen Jahr hätten rund sieben Millionen Anrufer die Telefonnummer des Bereitschaftsdienstes gewählt. „Doch wir wollen mehr erreichen“, sagte Gassen.

Viele können die Nummer nicht richtig benennen

Ein Grund dafür sei, dass viele Menschen auch mit vergleichsweise harmlosen Beschwerden direkt ins Krankenhaus gingen oder sofort den Notruf 112 wählten, erläuterte Gassen.

Der KBV-Chef verwies auf die aktuelle Versichertenbefragung der KBV. Demnach verständigten nur 26 Prozent der mehr als 5600 Befragten den Bereitschaftsdienst, wenn sie nachts oder am Wochenende gesundheitliche Beschwerden hatten. Zwar gaben 37 Prozent an, die Telefonnummer des Dienstes zu kennen. Jedoch konnte hiervon wiederum nur die Hälfte die Nummer korrekt benennen.

„Deshalb machen wir diese Kampagne, wobei die Bewerbung der Nummer nur der erste Schritt ist“, betonte KBV-Vorstand Dr. Stephan Hofmeister.

Ab dem kommenden Jahr wollen die KVen den Service hinter der Nummer weiter ausbauen. Ab Januar 2020 sollen dann unter der 116 117 auch die Terminservicestellen erreichbar sein. Über die Hotline bekommen Patienten heute schon Termine bei Ärzten und Psychotherapeuten vermittelt.

Schnittstelle zum Rettungsdienst

Außerdem soll eine Schnittstelle zum Rettungsdienst unter der Nummer 112 eingerichtet werden. Dadurch könnten Anrufer mit lebensbedrohlichen Beschwerden sofort an den Rettungsdienst weitergeleitet werden.

Um die Dringlichkeit eines Anrufs besser einschätzen zu können, werden die Callcenter der 116117 mit einer Software zur medizinischen Ersteinschätzung (SmED) ausgestattet.

Alle Angebote würden im Laufe des kommenden Jahres auch über die Website 116117.de sowie über eine App für das Smartphone gespielt, kündigte Hofmeister an.

Die App zum Downloaden

Apple iOS

Google Android

Die App stelle aber keine Diagnosen. „Sie gibt lediglich eine Einschätzung der Dringlichkeit und eine Empfehlung“, so Hofmeister. Künstliche Intelligenz könne den Arzt allenfalls unterstützen, aber nicht ersetzen.

Rund um die Uhr an 365 Tagen

Ab Januar 2020 soll die kostenfreie Nummer 116117 rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr erreichbar sein. Neben dem technischen Aufwand, der Entwicklung der App durch die KV Telematik und der Pflege der Webseite sei auch ein hoher personeller Ressourceneinsatz dafür nötig, sagte KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel. „Wir werden das Personal in den Callcentern auf etwa 1500 Mitarbeiter aufstocken.“

Außerdem erhalte das medizinisch qualifizierte Personal dort weitere Schulungen, etwa zum Umgang mit der Software zur Ersteinschätzung.

Mit Blick auf die aktuelle Diskussion um die Reform der Notfallversorgung betonte KBV-Chef Gassen, der Sicherstellungsauftrag für den Bereitschaftsdienst liege bei den Vertragsärzten. Diesen würden die KVen ernst nehmen. „Mehr noch: Wir organisieren eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung aus einer Hand – wenn man uns lässt“, sagte Gassen.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hatte zuletzt erklärt, man könne die ambulante und stationäre Notfallversorgung im Krankenhaus auch ohne KVen organisieren. Die Kassen schlagen dagegen einen Notfalltresen in gemeinsamer Verantwortung von KV- und Klinikpersonal vor. Von diesem Tresen aus sollten Patienten auf die passende Versorgungsebene gesteuert werden.

Die KBV lehnt eine gemischte oder gemeinsame Verantwortung für die Anlaufstellen ab. Notwendig sei stattdessen eine nach klaren Regeln organisierte Kooperation von KV-Bereitschaftsdienst und Krankenhaus-Notaufnahme.

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