Betrug

AOK Bayern holt Millionen zurück

Seit 2004 geht die Fehlverhaltenstelle der AOK Bayern gegen Abrechnungsbetrug und Co vor. Seither hat sie sich 41 Millionen Euro zurückgeholt. Allein in den vergangenen zwei Jahren wurden über 5000 Verdachtsfälle bearbeitet.

Von Jürgen Stoschek Veröffentlicht:
Gefälschtes Rezept? Diese Masche ist nur eine von vielen Varianten, wie Betrüger versuchen, sich an den Krankenkassen zu bereichern.

Gefälschtes Rezept? Diese Masche ist nur eine von vielen Varianten, wie Betrüger versuchen, sich an den Krankenkassen zu bereichern.

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MÜNCHEN. Wenn es um die Verfolgung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen geht, ist die AOK Bayern nach eigenen Angaben "sehr erfolgreich": In den Jahren 2012 und 2013 haben alle gesetzlichen Krankenkassen bundesweit rund 42,8 Millionen Euro zurückgeholt.

"Fast ein Viertel davon, nämlich 10,3 Millionen Euro entfallen allein auf die AOK Bayern", erklärte Verwaltungsratsvorsitzender Matthias Jena vor der Presse in München. Zum Vergleich: Gemessen an der Zahl der Versicherten hat die AOK Bayern bundesweit einen Marktanteil von sieben Prozent.

Bereits 2004 hat der Gesetzgeber den Krankenkassen die Einrichtung von eigenen Stellen zur Bekämpfung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen ermöglicht. Seitdem hat die Fehlverhaltensstelle der AOK Bayern einen Schaden durch Betrug in allen Bereichen des Gesundheitswesens von über 60 Millionen Euro festgestellt.

41 Millionen Euro konnten wieder zurückgeholt werden. Das Spektrum reicht vom Missbrauch der elektronischen Krankenversichertenkarte über Doppelabrechnungen oder die Abrechnung von Leistungen, die gar nicht erbracht wurden, bis hin zur Fälschung von Rezepten und Verordnungen.

Mehr als 5000 Verdachtsfälle

In den Jahren 2014 und 2015 hat die Fehlverhaltensstelle mehr als 5000 Verdachtsfälle bearbeitet, in knapp 400 Fällen wurde die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Über 1320 der abgeschlossenen Fälle waren nach Angaben der AOK als Fehlverhalten einzustufen, in rund 270 Fällen handelte es sich um Abrechnungsfehler.

Mit Blick auf die jüngst bekannt gewordenen Fälle von Abrechnungsbetrug von Pflegediensten sagte Dominik Schirmer, Beauftragter zur Bekämpfung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen bei der AOK Bayern: "Die Betrüger gehen nicht nur dreist und unanständig vor. Sie werden auch immer professioneller."

Gezielt würden betrügerische Pflegedienste elektronische Abrechnungsprogramme für ihre Betrugsmaschen einsetzen, so Schirmer. "Uns gegenüber rechnen sie dann aber - und das ist in der Pflege leider Standard - auf Papier ab." Schirmer fordert daher digitale und manipulationssichere Abrechnungssysteme in der Pflege.

Ruf nach Zentralregister

Um gegen betrügerische Pflegedienste besser vorgehen zu können, fordert die AOK Bayern ein bundesweites Zentralregister, das Betrugsfälle personenbezogen speichert.

Bisher könnten Betrüger einfach ein Bundesland weiterziehen und dort eine neue Zulassung beantragen, ohne dass die Kranken- und Pflegekassen über die kriminelle Karriere informiert würden, begründete Jena die Forderung.

Zugleich verlangte Jena, dass die Landesverbände der Pflegekassen sich polizeiliche Führungszeugnisse vorlegen lassen dürfen vom Inhaber eines Pflegedienstes, der leitenden Pflegekraft und ihrer Stellvertretung.

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