Op-Abbruch

Ärzte müssen neu aufklären

Veröffentlicht:

KÖLN. Wenn Ärzte bei der Nieren-Op eines Kindes feststellen, dass der ursprünglich geplante Eingriff nicht möglich ist, müssen sie die Eltern erneut aufklären und für das weitere Vorgehen die Einwilligung einholen.

Verschweigen die Ärzte dabei, dass eine spätere nierenerhaltende Op möglich ist, ist die Einwilligung in die Entfernung unwirksam und der Eingriff rechtswidrig, so das Oberlandesgericht Hamm in einem rechtskräftigen Urteil (Az.: 3 U 122/15).

Ein 2004 geborener Junge litt an multiplen Nierengewebsdefekten und einem erweiterten Nierenbeckenkelchsystem, die linke Niere hatte nur noch 22 Prozent ihrer Funktion. Im Januar 2013 sollte eine neue Verbindung zwischen dem Nierenbecken und dem Harnleiter geschaffen werden. Intraoperativ stellte sich heraus, dass die Rekonstruktion nicht möglich war.

Der Eingriff wurde unterbrochen, eine behandelte Ärztin informierte die Eltern und empfahl die sofortige Entfernung der linken Niere, was dann erfolgte. Der Junge verklagte die Klinik und die Ärztin wegen mangelhafter Aufklärung der Eltern.

Das OLG sprach ihm ein Schmerzensgeld in Höhe von 12.500 Euro zu. Die Eltern waren nicht ordnungsgemäß aufgeklärt worden, weil die Ärztin die Nierenentfernung als alternativlos dargestellt hatte, so das OLG. Sie hätten laut Sachverständigem darüber informiert werden müssen, dass für eine Übergangszeit auch der Abbruch der Op mit einer äußeren Harnableitung möglich gewesen wäre.

"In der Übergangszeit hätte dann eine ärztliche Aufklärung, Beratung und eine Entscheidung der Eltern in Bezug auf mögliche andere, aber riskante und schwierigere Wege der Nierenerhaltung erfolgen können", so das OLG.

Die Richter berücksichtigten, dass die Eltern sich vor der ursprünglich geplanten Op gegen die Nierenentfernung entschieden hatten.Von einer hypothetischen Einwilligung könne daher nicht die Rede sein.(iss)

Mehr zum Thema

Fraktionsübergreifend

Neuer Gesetzentwurf zur Sterbehilfe präsentiert

Schlagworte
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden »Kostenlos registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Die Bundestagsabgeordneten Lars Castellucci (SPD, v.l.), Kirsten Kappert-Gonther (Grüne), Benjamin Strasser (FDP), Ansgar Heveling (CDU) und Kathrin Vogler (Linke) stellen im Haus der Bundespressekonferenz einen Gesetzentwurf zur Suizidbeihilfe vor.

© Wolfgang Kumm/dpa

Fraktionsübergreifend

Neuer Gesetzentwurf zur Sterbehilfe präsentiert

Die Vakzine ComirnatyTextbaustein: Sonderzeichen/war von den Unternehmen BioNTech und Pfizer.

© SvenSimon / Frank Hoermann / picture alliance

Corona-Studien-Splitter

Dritte Corona-Impfdosis essenziell gegen Omikron