Direkt zum Inhaltsbereich

Patientengespräche

Ärzte nutzen neue Chancen zu selten

Der neue EBM birgt Überraschungen. Bei der Abrechnung von Patientengesprächen halten sich die Hausärzte zurück - noch. Budgetlücken gibt es dabei in der Geriatrie und Palliativmedizin.

Angela MisslbeckVon Angela Misslbeck Veröffentlicht:
Eine Ärztin beseitigt Unklarheiten bei einer Patientin. Wird sie das Gespräch auch abrechnen?

Eine Ärztin beseitigt Unklarheiten bei einer Patientin. Wird sie das Gespräch auch abrechnen?

© Alexander Raths / fotolia.com

BERLIN. Die Hausärzte in Deutschland rechnen weniger Patientengespräche, aber mehr geriatrische und palliativmedizinische Behandlungen ab als erwartet. Das hat die Auswertung der Zahlen des ersten Quartals nach Einführung des neuen Einheitlichen Bewertungsmaßstabs (EBM) durch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) ergeben.

Dass der Leistungsbedarf insgesamt um 2,3 Prozent gestiegen ist, geht nicht zuletzt auf die neuen Leistungen in der Geriatrie und Palliativmedizin zurück. Jedoch bestätigen die Abrechnungsergebnisse die Befürchtung, dass diese Leistungen nach Ansicht der KBV-Spitze deutlich unterfinanziert sind.

Fast in allen KVen haben Ärzte mehr als doppelt soviele Leistungen aus diesen Bereichen erbracht, als mit dem zur Verfügung stehenden Geld - rund 50 Millionen Euro pro Quartal - bezahlt werden konnten.

Dabei gibt es regional große Unterschiede. In Baden-Württemberg wurden 64 Prozent der abgerechneten Leistungen nicht finanziert, in Mecklenburg-Vorpommern waren es 206 Prozent.

"Es müsste die doppelte Menge an Geld zur Verfügung gestellt werden, um zu einer annähernd hundertprozentigen Auszahlung zu kommen", sagte KBV-Vorstand Regina Feldmann. Sie verwies darauf, dass im ausgewerteten Quartal das geriatrische Basis-Assessment sehr häufig abgerechnet worden sei.

Weil diese Leistung nicht jedes Quartal abgerechnet werden kann, erwartet der KBV-Vorstand, dass sich die geriatrischen Leistungen nicht dauerhaft so stark unterfinanziert darstellen, wie im ersten Quartal mit dem neuen EBM. Die aktuelle Unterdeckung will die KBV bei den Verhandlungen zur Gesamtvergütung mit den Krankenkassen zum Thema machen.

Die Möglichkeiten, Patientengespräche leichter als früher abrechnen zu können, schöpften dagegen nur die wenigsten Hausärzte vollständig aus.

Bei drei Ausnahmen blieb in allen KV-Bezirken bei mehr als 60 Prozent der Hausärzte Luft im Gesprächsbudget. In Nordrhein und Westfalen-Lippe galt das sogar für rund drei Viertel der Allgemeinärzte.

Dieses Ergebnis führt Feldmann weitgehend auf Umstellungseffekte zurück. Ein Hindernis für die Abrechnung war aus ihrer Sicht, dass die Verknüpfung der Gesprächsziffer mit dem Zeitprofil für die Plausibilitätsprüfung erst im Dezember aufgehoben wurde.

"Hausärzte reden nicht zu wenig mit ihren Patienten. Sie sollten die Scheu vor der Plausiprüfung ablegen und abrechnen was sie tatsächlich machen", sagte Feldmann.

Sie erwartet, dass die Gesprächsbudgets ab dem ersten Quartal dieses Jahres deutlich öfter ausgeschöpft werden.

Lesen Sie dazu auch: Chronikerpauschale: KBV und Kassen verhandeln neu

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: AIO-KRK-0424/ass-Registerstudie: Leitlinienadhärenz

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

BRAFV600E-mutiertes mCRC nach systemischer Vortherapie

Registerstudie weist auf Defizite in der Umsetzung der Leitlinienempfehlungen hin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pierre Fabre Pharma GmbH, Freiburg
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Eine Roboterhand zeigt auf ein Stethoskop

© Slowlifetrader / stock.adobe.com / mit KI generiert

Künstliche Intelligenz

ChatGPT im Praxisalltag nutzen: Wieso diese Verlockung gefährlich ist

Ein Mann tippt etwas auf einem Laptop.

© tippapatt / stock.adobe.com

Erfahrungen eines Hausarztes

40 Prozent Home-Office für Ärzte: Wie das funktionieren kann

Eine Frau mit Rhinitis putzt sich ihre laufende Nase.

© onephoto / stock.adobe.com

Ob allergisch oder nicht

Rhinitis ist signifikant mit Migräne verbunden