Anlagen-Kolumne

Agrarrohstoffe gehören in die Hand von Profi-Spekulanten

Vertreter der Finanzindustrie umgarnen aktienverdrossene Anleger derzeit mit Produkten, die auf das Wachstum bei Agrarrohstoffen setzen. Hier ist Vorsicht geboten.

Von Gottfried Urban Veröffentlicht:

Die Weltbevölkerung wächst, die Schwellenländer werden immer wohlhabender: Grund genug, dass die Preise von Agrarrohstoffen auf Dauer steigen werden. Das meint zumindest die Finanzindustrie und verkauft mit diesem "todsicher" erscheinenden Argument munter Produkte an Anleger, die von Aktien die Nase voll haben.

Aktuell bietet die Finanzindustrie eine Reihe von Anlageideen, mit denen in Soft Commodities, wie Agrarrohstoffe auch heißen, investiert werden kann. Tenor: Zur Depotbeimischung sind sie wunderbar geeignet. Die Argumentationskette sieht in etwa so aus: Die Weltbevölkerung nimmt zu; die Mittelschicht der Schwellenländer wird anspruchsvoller in ihren Essgewohnheiten und konsumiert mehr Fleisch. Das führt dazu, dass mehr Getreide für die Ernährung der Tiere benötigt wird. Zudem schrumpft die Pro-Kopf-Anbaufläche, die Verstädterung vernichtet Landwirtschaftsflächen, und Naturkatastrophen bedrohen zunehmend die Ernten. Fazit: Steigende Preise sind unvermeidbar. Tatsächlich sind die Preise in den letzten 50 Jahren inflationsbereinigt deutlich gefallen. In dieser Zeit hat sich die Weltbevölkerung auch mehr als verdoppelt.

Bevor Anleger diese Story "kaufen", sollten sie die Tatsachen bedenken: Ein Hektar Fläche produziert im weltweiten Schnitt heute drei Mal so viel Weizen wie noch vor 50 Jahren - nämlich drei statt einer Tonne. Die Anbaufläche indes ist in etwa gleich geblieben. Diese Produktivitätssteigerung dürfte sich fortsetzen, vor allem in den Schwellenländern. Dort wird das Potenzial für Steigerungen des Ertrags in den kommenden 20 Jahren auf 35 Prozent geschätzt.

Dazu kommt, dass die Weltbevölkerung in den nächsten 20 Jahren nur mehr um etwa 1 % pro Jahr steigen wird, der Verbrauch von Getreide um 2 %. Angesichts jährlicher Produktivitätssteigerungen von 2 bis 3 % im Anbau dürfte daraus kaum kontinuierlicher Preisdruck entstehen. Hinzu kommt die Tatsache, dass auch ungenutzte Flächen in den Anbau einbezogen werden können, die im übrigen noch reichlich vorhanden sind. Dennoch trieben schlechte Ernteergebnisse und Spekulation die Preise zwischendurch extrem in beide Richtungen.

Fazit: Von Zertifikaten auf Agrarrohstoffe sollten Anleger lieber die Finger lassen. Solche Papiere sind etwas für Profis. Zudem entstehen durch die Investition an den Terminmärkten nicht selten Rollverluste als Kompensation etwa für die Lagerkosten. Besser ist es, auf Agrarflächen zu setzen, auf denen die Soft Commodities wachsen, oder die Aktien entsprechender Unternehmen. So partizipieren Anleger auch von einer Steigerung der Produktivität.

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