Alarm in der Klinik-Apotheke

NEU-ISENBURG (run). Krankenhausapotheker in Deutschland schlagen Alarm, weil die Lieferengpässe bei wichtigen Medikamenten in den letzten Jahren deutlich zugenommen haben. Das könnte in Zukunft eine adäquate Versorgung - etwa in der Onkologie - gefährden.

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Arbeit in der Klinikapotheke: Droht ein Engpass bei Onkologika?

Arbeit in der Klinikapotheke: Droht ein Engpass bei Onkologika?

© Thomas Frey / imago

"Bisher haben wird die Probleme immer gelöst, ohne dass Ärzte und Patienten in der Klinik das wahrgenommen haben. Aber das wir immer schwieriger", so Dr. Torsten Hoppe-Tichy, Präsident des Verbandes deutscher Krankhausapotheker und Leiter der Krankenhausapotheke der Uniklinik Heidelberg.

Denn die Zahl der Ausfälle bei Arzneimitteln oder Rohstofflieferungen nehme besorgniserregend zu - auch wenn bisher in Deutschland kein Patient nachweislich dadurch geschädigt worden sei. Doch darauf wolle man nicht warten.

"Wenn ich durch die Apotheke gehe, hängen regelmäßig zehn bis 20 Zettel an den Regalen mit Hinweisen auf Nichtlieferfähigkeit oder Kontingentierung", berichtet Hoppe-Tichy.

Das habe es in diesem Ausmaß noch nicht gegeben. Ähnliche Erfahrungen machen auch viele andere Krankenhausapotheker.

"Wir beobachten das Problem verstärkt seit etwa eineinhalb Jahren", so Professor Wolfgang Kämmerer, Leiter der Krankenhausapotheke der Wiesbadener Horst-Schmidt-Kliniken.

Gerade in hochsensiblen Indikationsgruppen wie Antibiotika und Zytostatika komme es immer wieder zu Lieferengpässen.

Ein Beispiel aus jüngster Zeit sei der Ausfall von Caelyx, einem Präparat mit Monopolstellung, durch Probleme im Produktionsbetrieb.

Problem "Just in time"

"Das hat uns gerade im Bereich der gynäkologischen Onkologie vor echte Versorgungsprobleme gestellt, die wir gerade so noch lösen konnten".

Kämmerer kritisiert, dass in dem hochkompetitiven Arzneimittelmarkt die Produktion immer mehr "just in time" erfolge. Die marktwirtschaftlichen Aspekte drängten zunehmend Versorgungserfordernisse in den Hintergrund.

Auch Hoppe-Tichy sieht einen wesentlichen Grund für die zunehmenden Lieferengpässe in der Marktkonzentrierung bei Herstellern und Rohstoffhändlern.

"Wenn hier einer in die Knie geht, wirkt sich das inzwischen direkt auf die Versorgungssituation aus - und zwar weltweit."

In Deutschland und den USA sei man dabei sogar noch recht gut aufgestellt. "Wir sind meistens die letzten, die nicht mehr beliefert werden", so seine Erfahrung.

Um die Situation besser belegen zu können, soll nun gezielt Datenmaterial zusammengetragen werden. Geplant sind außerdem Gespräche mit der pharmazeutischen Industrie.

Außerdem will der Verband Handlungsleitlinien erstellen, wie bei Lieferengpässen am besten vorzugehen ist.

Denn Lieferengpässe werden inzwischen auch von ärztlicher Seite wahrgenommen - wenn auch noch nicht als gravierend.

So haben Mediziner an der Universitätsklinik Frankfurt den Produktionsengpass bei dem Reserveantibiotikum Fosfomycin wie auch bei dem Antimykotikum Voriconazol gespürt. Beide Substanzen gab es zeitweilig nur noch auf spezielle Anforderung hin.

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