Arzneibedarf

Allianz rechnet mit Apotheken ab

Adieu Vorleistung: Der Privatversicherer Allianz hat mit den deutschen Apotheken eine Kooperation geschlossen, damit Kunden für teure Arzneien nicht mehr in Vorkasse treten müssen. Allerdings kommt es auf den Arzneibedarf an.

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Allianz: Direkte Kostenübernahme für Arzneimittel.

Allianz: Direkte Kostenübernahme für Arzneimittel.

© dpa

KÖLN (iss). Kunden der Allianz Private Krankenversicherung (APKV) müssen die Kosten für teure Medikamente in der Apotheke nicht mehr vorstrecken.

Der Versicherer bietet Kunden mit hohem Arzneimittelbedarf jetzt bundesweit die Direktabrechnung mit örtlichen Apotheken an. Basis ist eine Kooperationsvereinbarung mit dem Deutschen Apothekerverband (DAV).

"Viele Privatpatienten schätzen einen solchen Service", sagt Dr. Olaf Karitzki, Leiter ambulante Medizin bei der APKV, der "Ärzte Zeitung".

Nicht alle Versicherten seien in der Lage, in der Apotheke hohe Beträge für Arzneimittel zu bezahlen - auch wenn der Versicherer sie später erstattet.

Zwar hat das Unternehmen in Einzelfällen auch früher schon die Direktabrechnung mit der Apotheke angeboten. "Jetzt gibt es klare Regeln, und der Kunde muss nicht mehr nachfragen", sagt er.

Die Direktabrechnung ist in allen Apotheken möglich, die sich an der Vereinbarung von APKV und DAV beteiligen. Wer das ist, erfahren die Versicherten bei einem der beiden Vertragspartner.

Erfolgreicher Pilotversuch

Im vergangenen Jahr hatten der DAV und die APKV die Direktabrechnung in Bayern getestet. Das Projekt war erfolgreich, mehr als 300 Apotheken nahmen daran teil. Von ihnen sprachen sich 70 Prozent für eine Fortführung aus.

Inzwischen beteiligen sich 650. Das seien mehr als ein Viertel aller bayerischen Apotheken, sagt Karitzki. "Die Resonanz hat unsere Erwartungen übertroffen." In den anderen Regionen beginne das Ausrollen des Projekts jetzt langsam.

Im Modellprojekt griff der "Allianz Arzneimittelservice" bei Fällen, in denen die Versicherten gleichzeitig Rezepte im Wert von mindestens 1000 Euro einreichten.

Diese Grenze ist auf 750 Euro gesenkt worden. "Die Erfahrung hat gezeigt, dass diese Summe sinnvoller ist", sagt Karitzki.

Das Angebot richtet sich vor allem an chronisch Kranke mit einem regelmäßigen Bedarf an teuren Arzneimitteln.

Nach einer Auswertung während des Modellprojekts nehmen gerade ältere, schwer kranke Patienten das Angebot an. Die Krankheitsbilder reichen von Krebs über Rheuma bis zu HIV/Aids.

Schutz vor Forderungsausfällen

Die Direktabrechnung ist Teil des Gesundheitsmanagement-Programms der Allianz, das unter dem Namen "Gesundheitslotse" läuft. Bei der Arzneimittelversorgung könne sich der Versicherer noch weitere Angebote für die Versicherten vorstellen, sagt Karitzki.

"Der Arzneimittel-Service ist der erste Schritt einer guten und vertrauensvollen Kooperation mit dem DAV."

Auch der Apotheker-Verband setzt auf den Ausbau der Zusammenarbeit. "Als Apotheker wollen wir noch mehr zukunftsweisende und patientenorientierte Projekte und Kooperationen anstreben, auch wenn es manchmal nur wenige Menschen betrifft", sagt der DAV-Vorsitzende Fritz Becker.

Von dem Arzneimittel-Service der APKV profitierten auch die Apotheker, sagt er. "Sie können Patienten, die viele oder besonders teure Arzneimittel benötigen, eine besondere Dienstleistung bieten und so ihre Kundenbindung verstärken", so Becker.

Ein weiterer Vorteil: Die Direktabrechnung schützt sie weitestgehend vor Forderungsausfällen. Diese Risiko haben die Apotheken heute, wenn sie teure Arzneimittel gegen Rechnung abgeben.

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