Gesundheitswirtschaft

Apotheker bekräftigen Protestbereitschaft

Der Beruf sei durchaus erfüllend, betont die Apothekerpräsidentin. Wäre da nicht ein Gesundheitsminister, der den Offizinbetreibern schlankere Betriebsmodelle ans Herz legt – statt einfach mal das Honorar zu erhöhen.

Veröffentlicht:

Berlin. Die Apotheker sind des Protests noch lange nicht müde: Nach Wochen wiederholter Betriebsschließungen und Demonstrationen in mehreren Städten will die Branche ihrer Forderung nach mehr Geld „in den kommenden Wochen und Monaten“ unvermindert Nachdruck verleihen, wie Gabriele Regina Overwiening, Präsidentin der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), im Anschluss an die Mitgliederversammlung der Spitzenorganisation am Mittwoch ankündigte. Vor allem wolle man das „Wahlkreisbotschafter-Netzwerk“ – Kollegen vor Ort – reaktivieren und „mit möglichst vielen Politikerinnen und Politikern in den Wahlkreisen persönliche Gespräche führen“.

Bei einer abendlichen Pressekonferenz beklagte Overwiening, dass sich das Bundesgesundheitsministerium den wirtschaftlichen Sorgen des Berufsstandes gegenüber taub stelle. „Wir haben versucht, mit dem BMG in Kontakt zu treten, kommen da aber nicht weiter“. Nach Aussage der Präsidentin mussten die öffentlichen Offizinen im Laufe der zurückliegenden Dekade Kostensteigerungen von 60 Prozent verkraften. Allein die Gehälter hätten um 38 Prozent zugelegt. Nun sei eine, so Overwiening wörtlich, „wirtschaftliche Stabilisierung“ überfällig. Seit längerem fordert die Branche, etwa das Packungsfixum von 8,35 Euro (brutto) auf 12 Euro anzuheben.

Angestellte fordern 10,5 Prozent mehr

Dieses Jahr würden schätzungsweise 600 Apotheken für immer schließen, ein Drittel aller Betriebe kämpfe ums wirtschaftliche Überleben, versicherte Overwiening. Und von Licht am Ende des Tunnels könne auch keine Rede sein. Die Gewerkschaft Adexa geht in die Tarifrunde 2024 mit der Forderung nach 10,5 Prozent mehr für alle Berufsgruppen und Berufsjahresgruppen einschließlich der Ausbildungsvergütungen. Auf Inhaberseite wird der ABDA-Präsidentin zufolge damit gerechnet, dass am Ende Gehaltssteigerungen um sechs Prozent stehen. „Das würde eine immense Belastung bedeuten, die für viele nicht mehr zu leisten ist“.

Vorschlägen aus dem BMG, Filialen mit abgespeckter Kostenstruktur zu ermöglichen – ohne Rezeptur- und Notdienstverpflichtungen sowie nurmehr digitaler Chefpräsenz –, erteilte Overwiening erneut eine Absage. Dabei handele es sich um eine „Entwertung der Apotheke“ und eine „Reduktion der Versorgungsqualität“, die man nicht mitzutragen bereit sei. (cw)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Herzchirurg mit Installateurfirma

Das Doppelleben des Dr. Jean-Philippe Grimaud: Arzt und Klempner

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Detailansicht eines Windrades: Bringt eine ökologisch nachhaltige Geldanlage auch gute Rendite? Anleger sollten auf jeden Fall genau hinschauen.

© Himmelssturm / stock.adobe.com

Verantwortungsbewusstes Investment

„Nachhaltig – das heißt nicht, weniger Rendite bei der Geldanlage!“

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank)
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

DGKN-Kongress in Augsburg

Neue Technik für die Therapie zerebraler Erkrankungen

Treat-to-Target-Strategie

Gicht: Mit der Harnsäure sinkt auch das kardiovaskuläre Risiko

Lesetipps
Eine Frau steht vor einer schwarzen Wolke.

© 1STunningART / stock.aodbe.com

Keine Modeerscheinung

ADHS im Erwachsenenalter: Das gilt für Diagnostik und Therapie

 Shabnam Fahimi-Weber

© Jochen Tack

Einsatz im Kriegsgebiet

Essener HNO-Ärztin hilft Menschen im Iran via Telemedizin