Zyto-Zubereitung

Apotheker mühen sich um Transparenz

Die Zytostatika herstellenden Apotheken in NRW wollen mit neuen Qualitätsstandards Patienten und Ärzte davon überzeugen, dass in der Fertigung alles mit rechten Dingen zugeht.

Veröffentlicht: 26.04.2018, 15:10 Uhr

MÜNSTER. Mit einer Selbstverpflichtung wollen die Zytostatika herstellenden Apotheken in Nordrhein-Westfalen das durch den Bottroper Apothekenskandal verloren gegangene Vertrauen wiedergewinnen. Die verbindliche Erklärung soll Patienten als Orientierung dienen, Onkologen sollen möglichst nur mit Apothekern zusammenarbeiten, die sie unterschrieben haben.

Die Erklärung ist von einer Arbeitsgruppe erarbeitet worden, die die Apotheker- und Ärztekammern aus NRW, der Verband Zytostatika herstellender Apothekerinnen und Apotheker und die Deutsche Gesellschaft für Onkologische Pharmazie nach dem Skandal um gepanschte Zytostatika gebildet hatten. Dem Bottroper Apotheker S. wird vorgeworfen, aus Gier in mehr als 60.000 Fällen Krebsmedikamente gestreckt zu haben. Ihm wird zurzeit vor dem Landgericht Essen der Prozess gemacht. Bei Kontrollen war S. nicht aufgefallen, die Machenschaften waren durch einen Mitarbeiter publik gemacht worden.

"Das Papier hat die Funktion, für Transparenz zu sorgen", sagte der Hauptgeschäftsführer der Apothekerkammer Westfalen-Lippe Dr. Andreas Walter bei den 5. Münsteraner Gesundheitsgesprächen. In der Erklärung verpflichten sich die Apotheker zur Einhaltung hoher Qualitätsstandards und vor allem zur Beachtung von drei Punkten.

Das sind die drei Verpflichtungen

  1. die konsequente Einhaltung des Vier-Augen-Prinzips bei der Herstellung von Zytostatika,
  2. die Weitergabe einer Kopie der Herstellungsdokumentation an den verordnenden Arzt,
  3. die Gewährleistung eines transparenten und plausiblen Überblicks über bezogene und verwendete Ausgangsstoffe.

Kritik aus dem Publikum, dieses Vorgehen sollte in Apotheken ohnehin Standard sein, ließ Walter nicht gelten. Die Tatsache, dass die Herstellungsdokumentation künftig auch bei den Ärzten liege und Teil der Patientenakte werden könne, mache die Prozesse nachvollziehbarer. Besonders wichtig ist ihm, dass die Apotheken das Verhältnis von gekauften und abgegebenen Wirkstoffen offenlegen wollen. "Ich denke, was in Bottrop passiert ist, würden wir mit dem dritten Punkt unserer Erklärung in den Griff bekommen können", sagte er.

Die Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe Gabriele Regina Overwiening sprach von einem "sehr guten Schritt". Die Kammer werde auf ihrer Homepage eine Liste aller teilnehmenden Apotheken veröffentlichen. "Die Ärztekammer Westfalen-Lippe will die Onkologen darauf hinweisen, dass sie nur noch mit solchen Apotheken zusammenarbeiten, die eine solche Verpflichtung abgegeben haben."

Was nicht jeden überzeugt:Auch die Arbeit der Amtsapotheker könne das Dokument unterstützen. Ein weiterer Punkt ist Overwiening wichtig: "Eine Petition der Selbsthilfe-Gruppe aus Bottrop hat genau auf diese Punkte abgehoben."

"Herr S. wäre doch der erste gewesen, der das Papier unterschrieben hätte", kritisiert eine Journalistin des Recherchenetzwerks Correctiv. Es hatte die Vorgänge in Bottrop einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht. (iss)

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