Vermögensverwaltung

Auch in Geldfragen schlägt David den Goliath

Im neuen Anlageberatungsranking der Fuchs / Richter Prüfinstanz schneiden kleinere Vermögensverwalter besser ab als Großbanken. Nur acht von 65 geprüften Instituten erhalten die Auszeichnung „Sehr gut“.

Von Richard Haimann Veröffentlicht:
Wer nimmt die Krisenängste der Anleger ernst? Vermögensverwalter, die auf Sorgen eingingen, schnitten im Ranking am besten ab.

Wer nimmt die Krisenängste der Anleger ernst? Vermögensverwalter, die auf Sorgen eingingen, schnitten im Ranking am besten ab.

© imageteam / stock.adobe.com

Neu-Isenburg. Das österreichische Bankhaus Carl Spängler bietet Privatanlegern das beste Vermögensmanagement im deutschsprachigen Raum. Das ist jedenfalls das Ergebnis des neuen Markttests Tops 2022 der Fuchs / Richter Prüfinstanz.

Das Resultat beruht auf der Analyse der Anlageberatungen von 65 Banken, Vermögensverwaltern und Family Offices aus Deutschland, Liechtenstein, Österreich und der Schweiz. Die Ergebnisse der Analyse wurden am Montagabend in Berlin vorgestellt.

Unter dem Strich sei das Ergebnis eher enttäuschend. „Wer sich aufgrund aktueller wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Entwicklungen um sein Vermögen sorgt, findet nur selten ein offenes, verständnisvolles Ohr bei den professionellen Vermögensmanagern“, sagt Ralf Vielhaber, Geschäftsführer der Fuchsbriefe und Initiator des Tests. Die Fuchsbriefe gehören wie die „Ärzte Zeitung“ zur Verlagsgruppe SpringerNature. Zu viele von ihnen würden „Zukunftssorgen ihrer Kunden oftmals nicht ernst nehmen“.

Große Banken schnitten eher schlecht ab

Lediglich acht der 65 Geldhäuser erhielten die Auszeichnung „Sehr gut“. Sechs Institute wurden mit „Gut“ bewertet. Ein Vermögensmanager kam noch auf ein „Befriedigend“. Große Banken schnitten dabei vergleichsweise schlecht ab. Die Commerzbank landete im Ranking auf Platz 29, die Schweizer UBS auf Rang 33. Geradezu „desaströs ist die Leistung der Deutsche Bank mit Platz 57“, sagt Vielhaber.

Die Fuchs / Richter Prüfinstanz wurde 2003 von dem auf Wirtschafts- und Anlegerinformationen spezialisierten Berliner Verlag Fuchsbriefe und dem Institut für Qualitätssicherung und Prüfung von Finanzdienstleistungen, Dr. Richter, in Hannover gegründet. Ziel des Zusammenschlusses ist es, die Qualitätsleistungen im Vermögensmanagement zu analysieren und transparent zu machen.

Anleger-Sorgen: Alles halb so wild?

Für das Ranking wurden die Vermögensverwalter von einem „Test-Anleger“ aufgesucht. Der spielte ihnen folgendes Szenario vor: Nach einer Erbschaft über 3,5 Millionen Euro wolle er das neue Vermögen langfristig sicher anlegen, geschützt vor steigender Staatsverschuldung, anziehender Inflation sowie politischen und ökologischen Krisen.

„Die meisten Anbieter spielten die Sorgen des Kunden herunter und beschwichtigten“, sagt der Geschäftsführer. „Ihr Mantra lautete: Alles halb so wild.“ Der Euro sei sicher, die Inflation gebe nur ein kurzes Gastspiel, die Klimakrise spüle viel Geld in die Märkte und treibe diese an und die Geldpolitik hätten die Notenbanken im Griff.

Nur jene Vermögensverwalter, die mit „Sehr gut“ und „Gut“ im Ranking abschnitten, hätten sich auf eine „detaillierte Krisendiskussion eingelassen“ – selbst wenn sie die Ansicht des Test-Kunden nicht teilten, sagt Vielhaber. „In diesen wenigen Fällen warteten die Berater mit einem breiten Register an Kenntnissen, Erfahrungen und Argumenten auf.“

Um die Qualität im Vermögensmanagement transparent zu machen, erfolgte die Bewertung im Ranking in mehreren Stufen. Dabei seien sowohl das Beratungsgespräch, der Anlagevorschlag, die Investmentkompetenz und die Transparenz der Anbieter untersucht worden, sagt Vielhaber.

Zudem mussten alle Anbieter, die in der Vorauswahl überzeugen konnten, auch diesmal in einer finalen Runde gegeneinander antreten. „Dabei stellen die besten Anbieter ihre Konzepte einer Fachjury vor und unterziehen sich einer Fragerunde“, sagt der Geschäftsführer.

Österreicher gut bewertet

Neben dem österreichischen Bankhaus Carl Spängler als Testsieger mit einer Bewertung von 100 Prozent erhielten folgende Vermögensverwalter die Note „Sehr Gut“: Die deutsche Bethmann Bank und die Schweizer Globalance Bank mit Bewertungen von jeweils 96 Prozent, die österreichischen Häuser Schelhammer Capital (95 Prozent) und Walser Privatbank (94 Prozent), die Liechtensteiner LGT Bank (93 Prozent), die Baden-Württembergische Bank und die Liechtensteinische Landesbank mit jeweils 91 Prozent. Auf den Rängen Neun und Zehn mit der Note „Gut“ folgen Hauck & Aufhäuser Privatbankiers aus Frankfurt am Main (89 Prozent) sowie Donner & Reuschel aus Hamburg (87 Prozent.)

Im Ländervergleich hatten österreichische Banken am besten abgeschnitten. Von nur zwölf analysierten Geldhäusern haben es gleich drei unter die ersten fünf geschafft. „Die besten österreichischen Banken sind äußerst stark, wenn es um Anlagevorschläge geht“, sagt Vielhaber. „Im Unterschied zu vielen Mitbewerbern sind sie auf die Inflationsängste des Kunden eingegangen und seiner Euro-Skepsis mit Investments in Fremdwährungen begegnet.“

Bei den deutschen Vermögensverwaltern habe sich gegenüber den Vorjahren kaum etwas verändert. Erneut habe der Test ein „generelles Versagen der Großbanken“ gezeigt, sagt Vielhaber. Viel zu häufig sei es ihnen nur darum gegangen, eigene Anlageprodukte abzusetzen. Hingegen hätten eine „Handvoll Privatbanken Qualität geliefert“, sagt der Geschäftsführer. „Die Top 3 des deutschen Private Bankings – die Bethmann Bank, die Baden-Württembergische Bank sowie Hauck & Aufhäuser – sind mehrfach bewährte Häuser.“

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