Anlagen-Kolumne

Aussichten für Schwellenländer-Aktien verschlechtern sich

2011 müssen sich die Aktienmärkte auf Gegenwind einstellen, vor allem in Schwellenländern. Ein kleines Plus könnte am Ende dennoch unterm Strich stehen.

Von Jens Ehrhardt Veröffentlicht:

2010 war ein Jahr, das im Grunde erst im vierten Quartal gute Möglichkeiten für Aktiengewinne brachte. Der Welt-Aktienindex tendierte zuvor per Saldo seitwärts.

Vor allen Dingen als Reaktion auf den Kurs der US-Notenbank im März ging es zunächst deutlich abwärts, wobei viele Aktien rund ein Viertel ihres Wertes verloren. Erst als die US-Notenbank am Ende des Sommers einen neuen Gelddruck-Prozess in Aussicht stellte, zogen die Kurse kräftig an.

Auf längere Sicht erscheinen die Aussichten an den Aktienmärkten kaum gut. Trotz Finanzkrise hat bisher keinerlei Bereinigung der Verschuldungsprobleme stattgefunden. Die "Lösung" insbesondere der USA liegt darin, noch mehr Schulden aufzunehmen.

Allein in Europa scheint man bestrebt, die Probleme vorsichtig in den Griff zu bekommen. Die Peripherieländer versuchen, ihre Neuverschuldung zu senken, und die Europäische Zentralbank testete bereits zweimal einen maßvollen Liquiditätsentzug.

Alles in allem werden die internationalen Notenbanken aber weiterhin alles tun, um die Verschuldungsblasen nicht platzen zu lassen. Es ist also denkbar, dass die Probleme sowohl in den USA als auch in Europa und Japan weiterhin in die Zukunft verschoben werden und sich das Börsenjahr 2011 ähnlich entwickelt wie das vergangene Jahr.

Man muss sich aber immer wieder vor Augen halten, dass alles auf sehr dünnem Eis passiert und man gegebenenfalls mit schnellen Verkäufen zu reagieren hat.

Verschlechtert haben sich die Aussichten für Schwellenländer-Aktien. Einerseits zwingt die aufkommende Inflation die Notenbanken dort zu restriktiverer Geldpolitik, was den Aktienmärkten schadet. Andererseits wandert ein Großteil des in den USA neu gedruckten Geldes in die Schwellenländer und treibt dort die Währungen nach oben.

Deutschland profitiert in der Binnenkonjunktur, da der deutsche Realzins erstmals nicht deutlich höher liegt als in der restlichen Euro-Zone.

Allerdings könnte hierzulande der Zins wieder steigen, wenn Deutschland die wirtschaftlich schwachen europäischen Länder künftig mit hohen Milliardenbeträgen unterstützt.

Die Konsumbelebung wird dann wahrscheinlich nur vorübergehender Art sein. Vorerst dürften solche Probleme aber keine Rolle spielen. Generell kann man sogar weltweit sagen, dass die ungelösten Wirtschaftsprobleme 2011 verdrängt werden könnten und die Märkte sich noch einmal vor dem Hintergrund stimulativer Notenbank-Politik leicht positiv entwickeln.

Zur Person: Dr. Jens Ehrhardt ist unabhängiger Fondsmanager. Mit seinen Fonds erreicht er immer wieder Spitzenplätze unter den Vermögensverwaltern.

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