Kapitalanlage

Bei Börsen-Talfahrten: Nerven behalten!

Die von Donald Trump entfachten Handelskriege lassen die Börsen taumeln. Anleger sollten dennoch nicht in Panik gute Aktien verkaufen, raten Experten. Denn die bevorstehende Präsidentschaftswahl in den USA lässt eine Kurserholung erwarten.

Von Richard Haimann Veröffentlicht:
Wie sich die Börse entwickelt, bleibt ungewiss – doch ein Blick in die Geschichte lässt hoffen.

Wie sich die Börse entwickelt, bleibt ungewiss – doch ein Blick in die Geschichte lässt hoffen.

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NEU-ISENBURG. An der Börse brauchen Anleger derzeit Nerven so stark wie Stahlseile. Der deutsche Leitindex Dax hat von Mitte Juli bis Mitte August mehr als vier Prozent verloren. Sein US-Pendant Dow Jones fiel in dieser Zeit an manchen Tagen um mehr als 200 Basispunkte. „Investoren sind nervös geworden“, sagt Tom Elliott, Chefstratege der britischen Kapitalanlagegesellschaft deVere Group, die ein Anlagevermögen von mehr als zehn Milliarden Euro managt.

Dafür gibt es gute Gründe: Die von US-Präsident Donald Trump zuletzt wieder forcierten Handelskonflikte mit China und der Europäischen Union bremsen die Weltwirtschaft. In Europa streut der noch immer nicht geregelte, jedoch nun für Oktober vorgesehene Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union, der Brexit, zusätzlich Sand ins Konjunkturgetriebe.

Nach dem Internationalen Währungsfonds (IWF) hat deshalb nun auch die Weltbank ihre Prognose für die globale Wirtschaftsentwicklung gesenkt. Ihre Ökonomen erwarten nun für dieses Jahr nur noch einem Zuwachs der weltweiten Konjunkturleistung von 2,6 Prozent. Vor acht Monaten hatten die Analysten von IWF und Weltbank noch ein Plus von 3,9 Prozent vorhergesagt.

Schreckgespenst Rezession

Die Exportnation Deutschland bekommt die Abkühlung besonders stark zu spüren: Das Bruttoinlandsprodukt ist im zweiten Quartal dieses Jahres um 0,1 Prozent gegenüber dem vorangegangenen Dreimonatszeitraum geschrumpft. Der Klebstoffgigant Henkel warnte jüngst ebenso vor schrumpfenden Erträgen wie der Autoproduzent Daimler und der Chemiekonzern BASF. Dies lässt Anleger nun in Scharen aus Aktien flüchten.

„Investoren fürchten eine Rezession“, sagt Elliott. Allerdings lastete die Angst vor einem globalen Konjunktureinbruch, ausgelöst durch Brexit und Handelskriege, auch im vergangenen Jahr zeitweise auf den Börsen.

Der Dax fiel von Juni bis Dezember um 18 Prozent, nur um anschließend um 19 Prozent zu steigen. Auch in diesem Jahr könnte es wieder zu einem Aufschwung an den Aktienmärkten kommen. Denn US-Präsident Trump will im kommenden Jahr wiedergewählt werden – und dürfte deshalb kein Interesse daran haben, die Wirtschaft abzuwürgen und seine Wähler um ihre Jobs zu bringen.

Wirtschaftsmotor US-Wahl

„Amerikanische Vorwahljahre sind die stärksten Börsenphasen überhaupt“, sagt Stephan Albrech, Vorstand der Kölner Vermögensverwaltung Albrech & Cie. Sämtliche US-Präsidenten haben in der Vergangenheit mit Macht dafür gesorgt, dass die Konjunktur rundläuft, um sich oder ihrer Partei den Wahlerfolg zu sichern. „Seit 1949 hat der breite US-Börsenmarkt in Vorwahljahren im Mittel um beachtliche 17,1 Prozent zugelegt“, sagt Albrech.

Dabei sei es in der ersten Jahreshälfte immer wieder zunächst zu deutlichen Einbrüchen an der Börse gekommen. „1998, unter Präsident Bill Clinton, fielen die Aktienkurse zunächst sogar um 25 Prozent, nur um anschließend um 50 Prozent zu steigen“, sagt Albrech. In der Folge erholten sich jeweils auch die Börsen in Europa.

Ob dies auch in diesem Jahr der Fall sein wird, kann niemand vorhersagen. Experten raten Anlegern jedoch, sich von den gegenwärtigen Turbulenzen nicht verunsichern zu lassen. Denn die Gefahr ist groß, dass entnervte Anleger sich gerade dann von ihren Aktien trennen, wenn die Märkte wieder nach oben drehen – und so Verluste einfahren, statt langfristig Renditen zu erzielen.

Investstrategien dauerhaft umsetzen

„Eine solide Investmentstrategie bringt nur dann etwas, wenn sie dauerhaft umgesetzt wird“, sagt Lothar Koch, Leiter Portfoliomanagement beim Düsseldorfer Vermögensverwalter GSAM + Spee. Wer gute Werte in seinem Depot hat, sollte an ihnen festhalten, auch wenn die Kurse vorübergehend fallen. Anleger müssten deshalb „psychisch so robust sein, dass sie Schwächephasen hinnehmen und nicht das Handtuch werfen“, sagt Koch.

Am einfachsten lässt sich dies erreichen, in dem das Kapital langfristig investiert und der tägliche Blick auf den Börsenticker vermieden wird. „Am besten eignen sich für eine solche Strategie Indexfonds“, sagt Koch. Weil sie Indizes passiv nachbilden, fallen kaum Managementgebühren an, zudem müssen Anleger bei ihnen nicht den Ausgabeaufschlag von bis zu fünf Prozent zahlen, der bei aktiv gemanagten Fonds fällig ist.

Eine solide Investmentstrategie bringt nur dann etwas, wenn sie dauerhaft umgesetzt wird.

Lothar Koch Leiter Portfoliomanagement des Vermögensverwalters GSAM + Spee

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