Innovation

Bonner Uniklinikum will digitaler und sicherer werden

Das Uniklinikum Bonn arbeitet an einem voll digitalisierten, schnellen und sicheren Campus. Ein erster Schritt wurde jetzt mit der 5G-Installation gemacht.

Kathrin HandschuhVon Kathrin Handschuh Veröffentlicht:
(v.l.) Professor Wolfgang Holzgreve, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender am UKB, und Professor Ulrike Attenberger, Direktorin der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, besprechen die Bilder einer MRT-Untersuchung auf dem Tablet.

(v.l.) Professor Wolfgang Holzgreve, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender am UKB, und Professor Ulrike Attenberger, Direktorin der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, besprechen die Bilder einer MRT-Untersuchung auf dem Tablet.

© Uniklinik Bonn

Bonn. Ein Klinikgelände, auf dem fahrerlose Fahrzeuge die Patienten zu ihren Behandlungen bringen? Bilddaten, die in Echtzeit auf das Tablet gespielt werden und das alles möglichst sicher vor Angriffen von außen? Am Universitätsklinikum Bonn (UKB) soll das Konzept des „Secure UKB Medical Campus“ keine Zukunftsmusik, sondern schon bald Realität sein. Das UKB will ein digitalisiertes und gleichzeitig sicheres Krankenhaus werden.

Laut Wolfgang Holzgreve, ärztlicher Direktor des UKB, ist mit der 5G-Installation auf dem Campus nun ein großer Schritt gemacht. „Wir haben mit der Telekom, dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und dem Cyber-Cluster schlagkräftige Partner vor Ort, die uns tatkräftig unterstützen.“

Gegen Viren hilft vor allem Prävention

Das Mammut-Projekt war Thema eines zweitägigen Symposiums zu Digitalisierung und Sicherheit im Gesundheitswesen. Dabei ging es um technische Hürden und die Frage, ob die IT-Systeme den aktuellen Bedrohungen gewachsen sind und wie sich IT-Krisen bewältigen lassen. „Die virtuelle und die reelle Welt haben eines gemeinsam – gegen Viren hilft schließlich vor allem Prävention“, so Wolfgang Holzgreve.

Der Secure UKB Medical Campus setze daher voraus, dass die informationstechnischen Systeme klug entwickelt, verlässlich, vertrauenswürdig und anpassungsfähig seien. Hackerangriffe müssten bereits zu einem frühen Stadium verhindert werden. In den meisten Fällen „erfolgreicher“ Cyber-Attacken gelingt es Hackern, die Kliniksysteme mit Schadsoftware zu infizieren, die beispielsweise in manipulierten E-Mails versteck sei. So wie bei dem Angriff auf die Düsseldorfer Uniklinik im September. Nach einer groß angelegten Attacke auf die digitale Infrastruktur war das Krankenhaus tagelang nicht richtig funktionsfähig. Angeblich hatten die Täter eine Lücke in der Krankenhaus-Software Citrix ausgenutzt.

Lückenloser und schneller Austausch über Tablets

Sicher und digital – das sind nach Angaben der Bonner die Leitplanken der Strategie „UKB 2025“. Professor Ulrike Attenberger, Leiterin der Radiologie, verspricht sich von dem Projekt eine deutliche Erleichterung für Ärzte, Mitarbeiter und Patienten. Beispiel Radiologie: Die Räumlichkeiten sind über den gesamten Campus verteilt. Um die vielen und langen Wege zu verringern, sollen in Zukunft fahrerlose Fahrzeuge den Patienten zu seiner Behandlung bringen. „Bei unserer Campus-Architektur macht das auf jeden Fall Sinn“, betont die Professorin.

Weiteres Ziel: Ein lückenloser und schneller Austausch über Tablets all derer, die an der Therapieentscheidung beteiligt sind. Bilddaten können somit schon während ihrer Entstehung mit den Experten diskutiert werden, beispielsweise auf der Kinderintensivstation.

Plattform für Patientendaten

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit ermögliche somit eine schnellere Therapieentscheidung und komme direkt dem Patienten zugute, so Attenberger. Geplant ist außerdem, eine Plattform zu schaffen, mit der sich Patientendaten unkompliziert und schnell abrufen lassen. Attenberger: „Auf diese Weise sind beispielsweise Informationen zu einem Notfall bereits im Schockraum vorhanden, bevor der Patient dort eintrifft.“ Eingriffe erleichtern könnte auch eine virtuelle OP-Umgebung: Damit hätten Ärzte während einer Operation 5G-gestützt die Möglichkeit, Bilddaten und Op-Situs unmittelbar abzugleichen. Generell ersparten schnelle, digitale Daten lästige und teure Doppel-Untersuchungen.

Möglich macht die Innovationen das Krankenhaus-Zukunftsgesetz, nach dem bis zu 4,3 Milliarden Euro für die Digitalisierung in Kliniken fließen sollen. Mindestens 15 Prozent der beantragten Fördermittel müssen bekanntlich für Maßnahmen zur Verbesserung der Informationssicherheit eingesetzt werden müssen.

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