Hasch-Prognose

Cannabis-Prohibition kostet Staat Milliarden

Über Pro und Contra der Cannabisfreigabe lässt sich lange streiten. Bei ökonomisch nüchternem Kalkül wäre die Sache jedenfalls von Vorteil.

Von Christoph WinnatChristoph Winnat Veröffentlicht:
Am Morgen ein Joint und der Tag ist Dein Freund? Von der alten Hippie-Devise könnte sogar Vater Staat noch profitieren.

Am Morgen ein Joint und der Tag ist Dein Freund? Von der alten Hippie-Devise könnte sogar Vater Staat noch profitieren.

© brazzo / Getty Images / iStock

BERLIN. Die THC-Freigabe zum kontrollierten medizinischen Gebrauch hat die Debatte um eine generelle Cannabis-Legalisierung in Deutschland wieder aufleben lassen. Die Kosten der Marihuana-Prohibition hat jetzt im Auftrag des Deutschen Hanfverbandes ein Autorenkollektiv unter Leitung des Wirtschaftswissenschaftlers Professor Justus Haucap von der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität untersucht.

Und das weitestgehend emotionslos, wie die Autoren betonen. „In der Studie wurde davon abgesehen, die Vor- und Nachteile einer Legalisierung zu analysieren. Ziel war es alleine, vor dem Hintergrund der weltweit zu beobachtenden Legalisierungstendenzen aufzuzeigen, welche Einnahmen und Kostenersparnisse mit einer alternativen Politikoption realisiert werden könnten.“

46 Prozent pro Legalisierung

Und die fallen in Haucaps Modellrechnung beträchtlich aus: 2,66 Milliarden Euro könnte die Staatskasse bei legalem Cannabis-Status jährlich auf der Habenseite verbuchen. Exemplarisch legen die Autoren ihrer Rechnung einen bundesweiten Cannabis-Gesamtbedarf von 250 Tonnen zugrunde. Danach wären im Modelljahr 2016 allein bei der Polizei Strafverfolgungskosten über rund eine Milliarde Euro obsolet gewesen.

Dem addieren die Autoren 650 Millionen Euro Cannabis-Steuer und 404 Millionen Euro Umsatzsteuer hinzu. Bei schätzungsweise 20.000 Arbeitsplätzen, die in einer heimischen Hanfindustrie entstehen könnten, sei außerdem mit 145 Millionen Euro Lohnsteuer und knapp 280 Millionen Euro Sozialversicherungsbeiträgen zu rechnen.

Weitere 100 Millionen Euro könnten über Gewerbe- und Körperschaftsteuern zusammenkommen. Auch müssten Einsparungen bei Gerichten, Staatsanwaltschaften sowie im Justizvollzug berücksichtigt werden, heißt es. Die ließen sich wegen fehlender Daten aber nicht genauer beziffern.

Anlässlich seiner jüngsten Legalisierungskonferenz berichtete der Hanfverband kürzlich von einer im Oktober dieses Jahres aktualisierten Infratest-Dimap-Umfrage zur Akzeptanz einer Cannabis-Legalisierung in der Bevölkerung. Inzwischen seien 46 Prozent dafür, Erwachsenen den Cannabiskonsum zu erlauben. Im Rahmen dieser regelmäßigen Umfrage sei das ein neuer Rekordwert; im Vorjahr hätten sich erst 39 Prozent der Freigabe zugestimmt.

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