Kommentar – Nocebo-Effekt

Cave Beipackzettel!

Von Elke Oberhofer Veröffentlicht: 06.12.2017, 07:05 Uhr

Stellen Sie sich vor, Sie wollen einem Patienten eine Spritze verabreichen und kündigen dies mit den Worten an: "Sie werden gleich einen Schmerz verspüren, der so stark ist wie ein Bienenstich!" Was so ein Satz bewirkt, hat eine Studie gezeigt: Bei drastischer Wortwahl wurde die Injektion deutlich unangenehmer empfunden, als wenn der Piks von ermutigenden Aussagen begleitet war.

Der Nocebo-Effekt ist ein bekanntes und vielfach untersuchtes Phänomen, welches auch im Zusammenhang mit Medikamenten funktioniert: Wie die Neurologin Professor Ulrike Bingel aus Essen zeigen konnte, führte eine negative Erwartungshaltung gegenüber einem Analgetikum paradoxerweise zur Verschlimmerung der Schmerzen. Umgekehrt hatte gutes Zureden einen deutlich unterstützenden Effekt.

Auch die Schadwirkung von Beipackzetteln sollte man nicht unterschätzen. Einer aktuellen Studie zufolge wirken die darin enthaltenen Warnhinweise auf viele Patienten abschreckend. Darunter leiden Compliance und Wirkung, denn wer schluckt schon mit Zuversicht ein Präparat, das laut Packungsbeilage zu gruseligen Symptomen führen kann?

Hier gilt: Worte können schaden, aber sie können auch wohltun. Durch ein vertrauensvolles Arztgespräch lässt sich das Nocebo Beipackzettel entschärfen.

Lesen Sie dazu auch: Patientenschreck Beipackzettel: Mehr Schaden als Nutzen?

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