Direkt zum Inhaltsbereich

Nocebo-Effekt

Patientenschreck Beipackzettel: Mehr Schaden als Nutzen?

Ein Blick auf den Beipackzettel soll informieren, wirkt auf einige Patienten aber auch abschreckend. Wichtig ist dann ein vertrauensvolles Arzt-Patienten-Gespräch.

Von Dr. Elke Oberhofer Veröffentlicht:
Negatives bleibt beim Beipackzettel-Lesen eher im Gedächtnis.

Negatives bleibt beim Beipackzettel-Lesen eher im Gedächtnis.

© Kzenon / Fotolia

HAMBURG. Warnhinweise in Beipackzetteln können abschreckend wirken. Immer wieder verzichten wohl Patienten nach Studium des Beipackzettels lieber ganz auf das Präparat, bevor sie sich möglichen unerwünschten Effekte aussetzen.

Zumindest für die Verschreibung, Kauf und Einnahme von Analgetika trifft dies zu, wie es jetzt Forscher um Julia Schmitz vom Uniklinikum Hamburg-Eppendorf festgestellt haben (Pain Rep 2017; online 29. September). Von 18 aktuell beschwerdefreien, aber rückenschmerzerfahrenen Probanden, die sich den Beipackzettel zu dem Nicht-Opioid-Analgetikum Diclofenac aufmerksam durchgelesen hatten, gaben 61 Prozent danach an, das Medikament im Falle von Schmerzen gar nicht erst aus der Apotheke besorgen zu wollen. Ebenso wenig hätten sie sich vom Apotheker ein vergleichbares Präparat empfehlen lassen. Einer Vergleichsgruppe, bestehend aus 18 nach Alter und Geschlecht abgestimmten Teilnehmern (ebenfalls mit Rückenschmerzerfahrung), hatte man statt der Packungsbeilage die kleingefaltete Bedienungsanleitung eines Staubsaugers zu lesen gegeben.

Aus dieser Gruppe hätten nur knapp sechs Prozent trotz Schmerzen vom Kauf des NSAR Abstand genommen. Bei der Frage nach dem Einnahmeverhalten war die Diskrepanz zwischen den Gruppen ebenso signifikant: Gut drei Viertel der Teilnehmer, die sich die echte Packungsbeilage zu Gemüte geführt hatten, lehnten die Einnahme des Medikaments strikt ab. In der Gruppe mit der neutralen Information traf dies dagegen nur für ein Drittel zu.

Um herauszufinden, inwieweit der Inhalt des echten Beipackzettels die Entscheidung beeinflusst hatte, wurden die entsprechenden Teilnehmer aufgefordert, sich möglichst viele der angegebenen Wirkungen und Nebenwirkungen zu merken. Ergebnis: Von acht erwähnten positiven Effekten des Medikaments erinnerten sich die Teilnehmer im Mittel an knapp 20 Prozent, von den 23 negativen dagegen an gut 34 Prozent.

Die Forscher weisen ausdrücklich darauf hin, dass für die Wirksamkeit von NSAR bei Rückenschmerzen relativ geringe Evidenz besteht. Umso wichtiger sei es, "die Effekte des Medikaments in einem positiven Setting zu kommunizieren". Der Arzt sei gefordert, die Wirkmechanismen zu erklären, ohne die Nebenwirkungen zu sehr in den Vordergrund zu stellen. Negative und positive Eigenschaften müssten in einem vertrauensvollen Gespräch abgewogen werden.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Cave Beipackzettel!

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: WAYPOINT-Studie: schnelle und signifikante Reduktion des SNOT-22-Scores über 52 Wochen

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [6]

Schwere, unkontrollierte CRSwNP

Wirkansatz an epithelialen Alarminen

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Abb. 1: Signalkaskade der kardiovaskulären Inflammation

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [9]

Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt

Therapie der kardiovaskulären Inflammation senkt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APONTIS PHARMA Deutschland GmbH & Co. KG
Podcast Dr. Nele Frerksen-Kirschner

© Porträt: Dr. Nele Freerksen-Kirschner, Universitätsklinik Aachen | Hirn: grandeduc / stock.adobe.com

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Wechseljahresbeschwerden individuell behandeln

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gedeon Richter Pharma GmbH, Köln
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Tipps

Sommerhitze: Das ist wichtig bei älteren Patienten

Kürzer ist oft besser

Wann ein Antibiotikum früher abgesetzt werden kann

Virushepatitis im Urlaub

Hepatitis auf Reisen: Wie schützen und wen?

Lesetipps
Mehrere Menschen im Gespräch

© Jacob Lund / stock.adobe.com

Wohlbefinden stärken

Wie sich psychische Erkrankungen im Praxisteam vorbeugen lassen

Frau mit Restless-Legs-Syndrom liegt im Bett und wackelt mit den Beinen.

© Andrey Popov / stock.adobe.com

Achtung vor RLS-Mimics

Restless-Legs-Syndrom: Mit 5 Kriterien zur Diagnose