Celesio setzt nach Übernahme auf Brasilien

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SãO PAULO (dpa). Nach Rückschlägen im Heimatland setzt der Pharmagroßhändler Celesio mit der Übernahme des Konkurrenten Panpharma auf den Wachstumsmarkt Brasilien. Celesio übernimmt 50,1 Prozent an dem brasilianischen Unternehmen, das im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund einer Milliarde Euro erwirtschaftet hatte.

Die Zahl der Mitarbeiter beläuft sich auf rund 3750. Mit einem Marktanteil von etwa 17 Prozent gilt das Pharmaunternehmen als führendes Unternehmen im brasilianischen Pharmagroßhandel. Das Wachstum des Pharmamarktes betrug nach Berechnungen von Celesio in Brasilien von 1998 bis 2007 durchschnittlich rund elf Prozent. Es gibt 52 000 Apotheken. Für Arzneimittel bestehe in der Regel eine Apotheken-, aber keine Verschreibungspflicht. Das südamerikanische Land habe seit Jahren stabile soziale und politische Verhältnisse und zeige sich in der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise äußerst robust, sagte Celesio-Chef Fritz Oesterle am Freitag auf einem Industrietag in São Paulo.

In Deutschland kann Celesio nicht mehr schnell wachsen. Der Großhandel ist bereits unter wenigen Unternehmen aufgeteilt und Übernahmen sind daher aus kartellrechtlich Gründen fast ausgeschlossen. Zudem hatte der Europäische Gerichtshof (EuGH) den Stuttgartern erst Mitte Mai nach jahrelangem Rechtsstreit mit den Apothekern den Einstieg in den deutschen Apothekenmarkt untersagt. Celesio treibt daher den Ausbau des internationalen Geschäfts voran und will mit der Erschließung neuer Märkte auch die Abhängigkeit vom britischen Pfund reduzieren.

Ein Einstieg ins Apothekengeschäft in Brasilien sei derzeit nicht geplant, erklärte Oesterle. Das Unternehmen sei gegenwärtig auf den Großhandel fokussiert. Der brasilianische Apothekenmarkt ist zwar liberalisiert, aber im Gegensatz zu Großbritannien befinden sich die Apotheken überwiegend in der Hand von Familien. In Deutschland hatte Celesio nach dem Kauf der niederländischen Online-Apotheke DocMorris im Jahr 2007 den Unmut der Apotheker zu spüren bekommen. Diese waren zu Konkurrenten gewechselt und bei Celesio ging der Umsatz zurück.

Vor der Übernahme des brasilianischen Pharmagroßhändlers hatte es zwischen Oesterle und dem Chef des Celesio-Großaktionärs Haniel, Eckhard Cordes, Differenzen über die Finanzierung des Projektes gegeben. Der Aufsichtsrat des Stuttgarter Unternehmens, dem Cordes vorsitzt, hatte deswegen zunächst seine Zustimmung verweigert. Celesio hat im ersten Halbjahr 2009 einen Umsatz von 10,38 Milliarden Euro und einen Konzerngewinn von 124,4 Millionen Euro erzielt. Ende Juni beschäftigte das Stuttgarter Unternehmen 38 566 Mitarbeiter und betrieb 2326 eigene Apotheken.

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