Entschädigung?

Contergan: Kein Geld für Opfer in Spanien

Ende der 1950er Jahre löste Contergan einen der weltweit größten Arzneimittelskandale aus. Mehr als ein halbes Jahrhundert später sind die Chancen auf Entschädigung in Spanien gering.

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MADRID. Die spanischen Opfer des Contergan-Arzneimittel-Skandals müssen ihre Hoffnung auf finanzielle Entschädigung wohl endgültig begraben. Das Verfassungsgericht in Madrid hat einen Einspruch der Opfer-Vereinigung Avite gegen ein negatives Urteil des Obersten Gerichtshofs Spaniens nicht zugelassen.

Das sagte Avite-Vizepräsident Rafael Basterrechea. Nach Avite-Angaben gab es in Spanien rund 3000 Betroffene.

Geringe Chancen: Fall wird an Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte weitergeleitet

Man erwäge zwar noch eine Anrufung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in Straßburg, sagte Basterrechea – selbst ein Opfer – der Nachrichtenagentur efe. Die Hoffnung ist allerdings allem Anschein nach mehr als gering. "Das ist das Ende", sagte nämlich der 51-jährige Bauingenieur¨ resignierend.

Dabei hatte ein Madrider Bezirksgericht den Betroffenen 2013 noch Recht gegeben: Die rund 180 Kläger bekamen für jeden Prozentpunkt der Behinderung damals eine Entschädigung von jeweils 20.000 Euro zugesprochen.

Richterin Gemma Fernández Díaz hatte dem Unternehmen damals "nachlässiges Verhalten" zur Last gelegt, weil es in Spanien Medikamente mit dem Contergan-Wirkstoff Thalidomid vertrieben habe, obwohl es bereits von der Schädlichkeit gewusst habe.

Berufung änderte Ersturteil

Der zur Zahlung verurteilte deutsche Pharma-Konzern Grünenthal ging allerdings in die Berufung. Und sowohl das Madrider Landgericht und als auch im vorigen Herbst das Oberste Gericht urteilten im Sinne des heute in Aachen ansässigen Unternehmens.

Unter anderem hieß es, die Verjährungsfrist sei zum Zeitpunkt der Anklageerhebung im Jahr 2012 bereits lange abgelaufen gewesen.

Grünenthal behauptet, einige spanische Betroffene hätten schon seit 1973 Leistungen von der Conterganstiftung bekommen. Zudem erhielten viele der Kläger finanzielle Unterstützung von der spanischen Regierung oder von anderen Stellen.

 Basterrechea, der einen verkürzten linken Arm mit deformierter Hand hat, sieht das anders: "Spanien ist das einzige Land der Welt, in dem der erwiesenermaßen Schuldige sich nicht verantworten muss.

"Das Schlaf- und Beruhigungsmittel Contergan hatte Ende der 1950er Jahre einen der größten Arzneimittelskandale ausgelöst. Weltweit kamen 10.000 Kinder mit schweren körperlichen Missbildungen zur Welt, davon 5000 in Deutschland. (dpa)

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