Jahresbilanz

Corona-Diagnostik beschert Roche Deutschland zweistelligen Zuwachs

Im Pharma-Tagesgeschäft, mehr noch aber als Testanbieter auf SARS-CoV-2 konnte sich Roche Deutschland im vergangenen Jahr außerordentlich gut behaupten.

Von Christoph WinnatChristoph Winnat Veröffentlicht:
PCR-Test für die Cobas®-Automaten. Die Mannheimer Diagnostika-Tochter profitierte erwartungsgemäß von der Nachfrage nach Corona-Analytik.

PCR-Test für die Cobas®-Automaten. Die Mannheimer Diagnostika-Tochter profitierte erwartungsgemäß von der Nachfrage nach Corona-Analytik.

© Roche

Mannheim/Grenzach-Wyhlen. Roches Deutschlandgeschäft konnte 2020 erwartungsgemäß vom breiten Corona-Testangebot der Diagnostikasparte profitieren. Zehn Testprodukte, von der Labor-PCR bis zum Antigen-Schnelltest, brachte die Sparte im Jahresverlauf in den Markt – um am Ende außergewöhnliche 60 Prozent Mehrumsatz (auf 947 Millionen Euro) gegenüber Vorjahr melden zu können.

Zu Wochenbeginn erhielt Roche vom BfArM eine Sonderzulassung für sein 11. SARS-CoV-2-Diagnostikum, einen Antigen-Schnelltest zur Selbstanwendung. Wie Christian Paetzke, Geschäftsführer der Roche Diagnostics Deutschland GmbH, bei einem Pressetermin am Montag versicherte, würden erste Chargen noch diese Woche an Großhändler ausgeliefert und seien ab nächster Woche in Apotheken erhältlich. Was der OTC-Test kostet, wollte Paetzke noch nicht sagen.

Trotz Terminverschiebungen in Praxen und Kliniken verbuchte aber auch die hiesige Pharmalinie im Coronajahr Zuwachs, was Professor Hagen Pfundner, Vorstand der Roche Pharma AG, nicht zuletzt auf das spezialfachärztliche Versorgungsangebot zurückführt. Das habe auch während der heißen Pandemiephasen nicht nachgelassen.

Auch konzernintern gefragt

Mit neuen und neuesten Produkten seien Umsatzeinbußen durch Biosimilarkonkurrenz für die Longseller Avastin® (Bevacizumab), Herceptin® (Trastuzumab) und Mabthera® (Rituximab) besser als erwartet ausgeglichen worden; rund 60 Prozent der Arzneimittel-Erlöse gingen demnach auf das Konto des jüngeren Portfolios.

Roche Deutschland 2020

  • Marktumsatz: 3,06 Mrd. Euro
  • Pharma: 1,93 Mrd. Euro
  • Diagnostika: 947 Mio. Euro
  • Investitionen: 490 Mio. Euro
  • Mitarbeiter: 17.200

Insbesondere das MS-Mittel Ocrevus® (Ocrelizumab) und das Bluterpräparat Hemlibra® (Emicizumab) hätten sich deutlich über Plan verkauft. In Summe brachte die Pharmasparte mit 1,9 Milliarden Euro im bundesweiten Drittgeschäft drei Prozent mehr auf die Waage.

Einschließlich „Diabetes-Care“ (180 Millionen Euro, -23 Prozent) verbesserten sich Roches Gesamteinnahmen im Inland um 13 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro. Die konzerninternen Lieferungen, Beleg für die Bedeutung der Landesgesellschaften im globalen Produktionsnetzwerk des Konzerns, stiegen 2020 um 17,5 Prozent auf 4,6 Milliarden Euro.

80 Prozent der Pharma-Erlöse mit neuen Produkten erwirtschaftet

Dieses Jahr sollen bereits rund 80 Prozent der Pharma-Erlöse mit neuen Produkten erwirtschaftet werden, kündigt Pfundner an. Als wichtigste anstehende Neueinführungen in Deutschland nennt er die Ende Januar in der EU zugelassene Grippe-Pille Xofluza® (Baloxavir marboxil) sowie vor allem die erste orale Behandlungsoption gegen spinale Muskelatrophie Evrysdi® (Risdiplam), die erst vor wenigen Tagen eine positive Zulassungsempfehlung der EU-Arzneimittelagentur EMA erhielt.

Auch in Sachen Corona-Forschung ist von Roche demnächst einiges zu erwarten: Nachdem unlängst die EMA bereits Hinweise zum Notfalleinsatz des Antikörper-Cocktails Casirivimab/Imdevimab gegeben hat, rechne man damit, „in den nächsten Wochen“ einen formellen Zulassungsantrag stellen zu können und dann auch schnell einen positiven Bescheid zu erhalten, so Pfundner.

Phase-3-Daten zu Tocilizumab

Das Kombipräparat stammt von Regeneron, Roche stieg vergangenen August in das Projekt mit ein. In den USA hat der Antikörper-Cocktail eine Notfallzulassung erhalten. Auch in Deutschland wird die Kombi nach einer Kontingentbestellung des Bundesgesundheitsministeriums bereits in einigen Kliniken versuchsweise eingesetzt.

Darüber hinaus stellt Pfundner noch diesen Monat Phase-3-Daten zur Anwendung des Rheuma-Antikörpers Tocilizumab (Actemra®) in Verbindung mit Gileads Virenhemmer Remdesivir in Aussicht. Zudem habe jetzt die Phase-3 mit der experimentellen Covid-Tablette „AT-527“ begonnen, die Roche in Allianz mit dem US-Startup Atea entwickelt. An der Studie beteiligten sich auch deutsche Zentren, heißt es.

Quelle: Jahresgespräch Roche Deutschland

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