Mobile Health

DGIM-Filter für medizinische Apps im Aufbau

Großes Potenzial, aber wenig Evidenz. Das Problem von medizinischen Apps ist bekannt. Die DGIM arbeitet daran, Ärzten bei der Lösung zu helfen.

Veröffentlicht: 07.05.2019, 17:41 Uhr

WIESBADEN. Ein Smartphone für viele Anwendungen: Die Kitteltaschen von Ärzten werden durch nützliche Apps für den Praxis- und Klinikalltag entlastet. Denn in das Handy passen mehr als Arzneimittelpocket, Ada Health zur Unterstützung der Diagnostik und die DGIM-Leitlinien-App, wie Dr. Sebastian Kuhn und Professor Achim Viktor bei einem Symposium beim Internistenkongress aus eigener Erfahrung berichteten. EBM und „Ärzte Zeitung“ im App-Format nehmen vielleicht Speicherplatz auf dem Handy weg – aber der Kittel wird dadurch nicht schwerer.

Ärzte können für sich natürlich entscheiden, welche Anwendungen genügend validiert und nützlich für den Alltag sind. Schwerer fällt dagegen die Auswahl aus mehr als 100.000 Gesundheits-Apps für Patienten: Sind die genutzten Sensoren zuverlässig? Ist die App für die Indikation zweckmäßig? Gibt es besondere Risiken bei der Nutzung? „Das ist sehr relevant. Eine App muss funktionieren. Wenn es Probleme gibt, trägt der Arzt die Verantwortung“, so Privatdozent Dr. Urs Vito Albrecht von der Medizinischen Hochschule Hannover bei der „Mobile Health“-Sitzung auf dem Internistenkongress.

Gesundheits-Apps hätten großes Potenzial, aber es gebe wenig Evidenz, kaum Transparenz, und die Qualität sei daher nur schwer zu beurteilen, eine valide Risiko-Nutzen-Abwägung ebensowenig, sagte Albrecht. Strategie der DGIM in dieser Frage sei es, die Mitglieder zu sensibilisieren und dazu zu bewegen, sich an der Meinungsbildung zu den Apps zu beteiligen. Ziel der vor zwei Jahren gegründeten Taskforce „Mobile Health“ sei es, Orientierungshilfen und Checklisten zu entwickeln, die dabei helfen, Apps konkret zu bewerten, eine Art „DGIM-Filter“.

Den Wunsch aus dem Publikum, die DGIM möge doch die Apps als Service für Mitglieder selbst bewerten, konterte Albrecht: „Eine Überprüfung auf Herz und Nieren kostet 60.000 Euro, und was machen Sie dann nach dem nächsten Update?“ Die DGIM Arbeitsgruppe verfolge daher das Ziel, in einem Konsentierungsprozess Voraussetzungen herauszuarbeiten, an denen sich die Hersteller orientieren können. „Von unten nach oben hilft eher als von oben nach unten.“ Mit dieser Strategie stehe die DGIM aber „noch am Anfang“. (ger)

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