Online-Portal ViDiKi

Diabetes-Videosprechstunde ergänzt Therapie bei Kindern

Ein vom Innovationsfonds gefördertes Projekt demonstriert, wie ein diabetologisches Online-Betreuungsportal speziell die Versorgung betroffener Kinder optimiert. Die Ärzte müssen allerdings viel Zeit investieren.

Von Dirk Schnack Veröffentlicht: 18.12.2018, 05:53 Uhr
Diabetes-Videosprechstunde ergänzt Therapie bei Kindern

Telemedizin großgeschrieben: Kinderdiabetologin Dr. Simone von Sengbusch betreut gemeinsam mit Kollegen rund 240 betroffene Familien per Video-Sprechstunde.

© Dirk Schnack

LÜBECK. Telemedizin ist für Pädiaterin Dr. Simone von Sengbusch im medizinischen Alltag Normalität. Die Initiatorin der „Virtuellen Diabetesambulanz für Kinder und Jugendliche“ (ViDiKi) betreut gemeinsam mit Kollegen der Kinderdiabetologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) an den Standorten Lübeck und Kiel inzwischen rund 240 Familien, denen die Video-Sprechstunden aufwändige Fahrten an die Uni ersparen.

Das Online-Beratungs-Portal ViDiKi bietet betroffenen Familien einmal monatlich einen zusätzlichen Termin mit einem Kinderdiabetologen per Video-Sprechstunde.

Teilnehmende Kinder und ihre Eltern haben die Möglichkeit, mit dem Facharzt die Insulin- und weitere Therapiedaten zu besprechen und bei Bedarf Veränderungen an der Therapie vorzunehmen. Die Termine können von zu Hause aus – auch abends und am Wochenende – wahrgenommen werden. Neben dem UKSH ist das Städtische Krankenhaus Kiel in das Projekt eingebunden, Konsortialpartner ist die AOK Nordwest.

Auswertung Anfang nächsten Jahres

Evaluierte Ergebnisse des vom Innovationsfonds geförderten Projektes liegen zwar noch nicht vor – die Auswertungsphase startet erst zum Jahresbeginn 2019. Doch die bislang gesammelten, subjektiven Erfahrungen sind schon jetzt wertvoll.

Eine wichtige Einschätzung der Kinderdiabetologin lautet: „Telemedizin bietet eine interessante, persönliche Gesprächsatmosphäre, ersetzt Kontaktmedizin aber nicht.“ Den direkten Kontakt von Arzt und Patient bezeichnet sie als „Basis jeder ärztlichen Tätigkeit, da wir Ärzte den Patienten persönlich sehen, betrachten und untersuchen müssen.“

Von Sengbusch hat aber auch die Erfahrung gemacht, dass sich eine ergänzende Beratung per Telefon oder Video-Portal anbietet, wenn es primär um eine erste Einschätzung geht oder Befunde zu besprechen sind. Damit das funktioniert, sind ein stabiles und schnelles Internet genauso Voraussetzung wie eine gesicherte Verbindung.

Eine weitere Erfahrung, die von Sengbusch gesammelt hat und die sie kürzlich bei einem Termin des Förderkreises Qualitätssicherung Schleswig-Holstein (FKQS) in Kiel nannte: „Die Technologiekompetenz der Nutzer muss gesteigert werden.“

Denn die meisten Familien in der Studie hätten zwar weitreichende Kenntnisse in der Nutzung ihrer Smartphones, aber vielen fehlte anfangs noch Basiswissen am PC: Wie öffnet man einen Diabetes-Software-Account, wie werden Daten in eine Cloud geladen, wie lädt man einen anderen Browser, und was ist Browser-Cache?

Ärzte müssen erst Zeit investieren

Von Sengbusch musste auch erklären, wie man ein Arzt-Video-Portal nutzt – das hatten die meisten Familien noch nie gemacht. All dies erfordert Beratung und kostet den teilnehmenden Ärzten Zeit.

Hinzu kommen etwas ausgefallenere Fragen – etwa zu der im Projekt erforderlichen Verschlüsselung von E-Mails. Dies ist im Vorfeld zu klären. Die Beteiligten mussten sich außerdem darauf einstellen, dass sie vor der Kamera agieren – neben der Ausrichtung von Mikrophon und Kamera müssen dafür beispielsweise Blickkontakt gehalten und Ablenkungen außerhalb des Sichtfeldes ausgeschlossen werden.

Damit Telemedizin außerhalb von Studien künftig in Klinik und Praxis Realität werden kann, sollte diese nach Ansicht der Kinderdiabetologin in beiden Sektoren gleichberechtigt behandelt und Ärzten unabhängig von Ort und Zeit erlaubt und angemessen vergütet werden.

Weitere Forderungen der Pädiaterin:

  • Je nach Leistung, die telemedizinisch erbracht wird, muss dieser Kontakt adäquat vergütet werden.
  • Es sollte einen Technikzuschlag geben, um die Investitionen und laufende Betreuung durch die IT auszugleichen.
  • Chroniker- bzw. Versorgungspauschalen müssen auch bei Online-Kontakten abgerechnet werden dürfen.
  • Rezepte und Krankmeldungen müssen online ermöglicht werden.

Die Erfüllung der Forderungen ist aus Sicht der Lübecker Ärztin schon deshalb geboten, weil Telemedizin nach ihrer Ansicht aus dem medizinischen Alltag kaum noch wegzudenken ist: „Telemedizin ist zeitgemäß und wird von vielen Patienten und Ärzten gewünscht.“

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