Die Falle der Staatsanwaltschaft schnappte zu

Haben Ärzte in Traunstein nicht erbrachte Leistungen bei Privatpatienten abgerechnet? Haben sie außerdem gegen das Verbot der Zuweisung gegen Entgelt verstoßen? Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Es geht um eine Radiologen-Praxis und um ihre zuweisenden Ärzte.

Von Jürgen Stoschek Veröffentlicht:
Wurde Traunsteiner Ärzten ein überambitioniertes Gewinnstreben zum Verhängnis? Die Ermittlungen laufen. © Feng Yu / www.fotolia.com

Wurde Traunsteiner Ärzten ein überambitioniertes Gewinnstreben zum Verhängnis? Die Ermittlungen laufen. © Feng Yu / www.fotolia.com

© Feng Yu / www.fotolia.com

MÜNCHEN. Nach der Durchsuchung mehrerer Arztpraxen und Wohnungen im Raum Traunstein durch Staatsanwaltschaft und örtliche Polizei dauern die Ermittlungen an. Ein Ende der umfangreichen Untersuchungen sei derzeit noch nicht absehbar, erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Traunstein auf Anfrage der "Ärzte Zeitung".

In einer Großaktion hatten Staatsanwälte und Kriminalbeamte in der vergangenen Woche in Traunstein und Umgebung die Praxen und Wohnungen mehrerer niedergelassener Ärzte wegen des Verdachts des Abrechnungsbetrugs durchsucht und Beweismaterial sichergestellt (wir berichteten kurz).

Nach Angaben der Polizei sollen die Verdächtigen bei Privatpatienten über mehr als fünf Jahre hinweg zu hohe Rechnungen gestellt haben. Zum Teil seien auch Untersuchungen in Rechnung gestellt worden, die überhaupt nicht erbracht worden sein sollen.

Der Schaden wird von den Behörden insgesamt auf mindestens 650 000 Euro beziffert. Die Ermittlungen laufen den Angaben zufolge schon seit mehreren Monaten.

Im Mittelpunkt der Nachforschungen der Staatsanwaltschaft steht offenbar eine große radiologische Praxis, die von niedergelassenen Ärzten - keine Radiologen - gegründet und an einen Radiologen verpachtet worden ist. Die Pacht für die Praxis, die die Gesellschafter einstrichen, habe sich nach der Höhe der Praxiseinnahmen des Radiologen gerichtet.

Um die Einkünfte des Pächters der radiologischen Praxis zu steigern, sollen die beteiligten niedergelassenen Ärzte daher ihre Patienten vor allem überwiegend in diese Praxis überwiesen haben. Dies sei vor allem dann verstärkt geschehen, so die Staatsanwaltschaft, wenn es sich um Privatpatienten gehandelt habe.

Nach Angaben der Strafverfolgungsbehörden wird das bei der Durchsuchungsaktion sichergestellte Beweismaterial jetzt umfassend ausgewertet. Wann die Untersuchungen abgeschlossen sein werden, sei noch unklar. Weitere Details will die Staatsanwaltschaft derzeit nicht bekanntgeben.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Interview zum Vertragsarztrecht

Regress-Prävention: Wie Ärzte Formfehlern aus dem Weg gehen

Das könnte Sie auch interessieren
Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

© KVNO

Schnell und sicher

Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

Anzeige | Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Dr. med. Gerhard M. Sontheimer (ANregiomed, Region Ansbach) und Holger Baumann (Kliniken der Stadt Köln, v.l.) haben in der Praxis gute Erfahrungen mit Systempartnerschaften gemacht.

© Philips

Mehr Spielraum für moderne Prozesse in der Klinik

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Philips GmbH Market DACH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Off-Label-Use möglich

Long-COVID-Therapie: So schätzt Hausarzt Maibaum den G-BA-Beschluss ein

Lesetipps
Ei Spiegelei in einer Pfanne

© Kevsan / stock.adobe.com

Gastbeitrag

Sind Eier wirklich so gefährlich für Herz und Gefäße?