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ANLAGEN-KOLUMNE

Die Präzision eines Uhrwerks ist Vorbild für die kluge Anlagestrategie

Veröffentlicht:

Gottfried Urban

Das Innenleben einer Uhr besteht aus hunderten Einzelteilen. Jedes einzelne Teil muss für sich betrachtet tadellos sein. Zudem müssen alle Teile perfekt ineinander greifen. Nur dann entfaltet sich die Präzision des Uhrwerks. Ähnlich verhält es sich mit der Geldanlage: Alle Vermögensbausteine müssen optimal aufeinander abgestimmt sein, um das bestmögliche Ergebnis für den Anleger zu erzielen.

Dabei gilt es, das gewünschte Risiko nicht zu überschreiten. "Wer das Risiko scheut, der streut", lautet eine Anlegerweisheit. Es ist zwar aufregend zu spekulieren und damit Erfolg zu haben. Dabei stellt sich jedoch die Frage, ob es richtig ist, auf diese Weise an der Börse zu handeln.

Der Schlüssel zu nachhaltigem Anlageerfolg liegt eindeutig in der Gestaltung der Vermögensstruktur. Brinson, Hood und Beebower haben bereits 1986 nachgewiesen, dass der Anlageerfolg zu 90 Prozent von der Zusammensetzung eines Portfolios, der "strategischen Asset Allocation", abhängt. Verblüffend gering ist dagegen der Einfluss der Wahl des richtigen Anlagezeitpunktes (zwei Prozent) und der Einzeltitelauswahl (fünf Prozent).

Was vielfach übersehen wird: Viel wichtiger als das Rendite-Risiko-Profil sind die vielschichtigen Wechselbeziehungen zwischen den Vermögensbausteinen. Je geringer der Gleichlauf zwischen den Anlageklassen ist, desto robuster ist ein Depot gegenüber dem Auf und Ab in den einzelnen Segmenten des Kapitalmarkts.

Doch obwohl die Überlegenheit strategisch strukturierter Wertpapierdepots nicht von der Hand zu weisen ist, weigern sich selbst gestandene Vermögensverwalter, die Erkenntnisse der modernen Kapitalmarkttheorie konsequent anzuwenden. Allzu groß ist offenbar die Verlockung, dem Drängen der Anleger nach kurzfristiger Rendite nachzugeben. Das hat freilich seinen Preis: extreme Wertschwankungen.

Gewiss: Die Entscheidung, sein Vermögen strategisch aufzuteilen, erfordert Mut. Mut, die vermeintliche Langeweile eines über weite Strecken unveränderten Depots hinzunehmen und nicht der Verführung des Neuen zu erliegen. Indes, in der Ruhe liegt die Kraft. Der Lohn für das Ausharren ist eine nachhaltige Mehrung des Vermögens.

Wer ein Depot zusammenstellen möchte, dass so präzise wie ein Schweizer Uhrwerk arbeitet, kommt an einem strategisch ausgerichteten Multi-Anlageklassen-Depot nicht vorbei. Das bedeutet: Jedes Depot sollte auf mindestens fünf Anlageklassen aufgeteilt werden: Aktien, Anleihen, offene Immobilienfonds, Immobilienaktien und Rohstoffe. Seit Jahrzehnten wechseln sich die Jahressieger ständig ab. Bisher lagen aber mindestens zwei, meist sogar drei oder vier von fünf Anlageklassen im Plus.

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