Wissenschaftsrat

Die Probleme der Unimedizin Oldenburg

Wissenschaftsrat sieht erhebliche Defizite bei personeller und materieller Ausstattung. Gerade auch, weil die Uni die Zahl der Studierenden erhöhen will.

Von Christian BenekerChristian Beneker Veröffentlicht:
Klinikum Oldenburg. Wird es in absehbarer Zeit Uniklinik?

Klinikum Oldenburg. Wird es in absehbarer Zeit Uniklinik?

© 2019 Meyer/Klinikum

OLDENBURG. Der Wissenschaftsrat hat die junge Universitätsmedizin Oldenburg in seiner Stellungnahme am Montag kritisiert und gelobt.

Zwar bezeichnet der Rat das Oldenburger Projekt als „beeindruckendes Studienangebot“, das „überzeugend umgesetzt“ sei. Aber er bringt auch deutliche Kritik an der Organisation der Universitätsklinik sowie ihrer personellen und materiellen Ausstattung an.

Man nehme die Kritik sehr ernst, hieß es. Schließlich sei das positive Votum des Rates „das Ticket für den weiteren Aufbau der Uni-Medizin Oldenburg“, sagt der Arzt und Präsident der Universität, Dr. Hans Michael Piper, der „Ärzte Zeitung“.

Kritik an Kooperationsmodell

Schon in seiner ersten Beurteilung 2010 bemängelte der Wissenschaftsrat, dass man in Oldenburg kein ausreichendes Kooperationsmodell mit den verschiedenen Klinikpartnern für eine tragfähige Unimedizin vorlegen konnte. „Mit Sorge“ sehe der Rat, dass diese Kritikpunkte bis heute nicht ausgeräumt wurden, heißt es nun.

Die Unimedizin Oldenburg kooperiert mit vier rechtlich selbstständigen Krankenhausträgern: mit dem Pius-Hospital, dem Evangelischen Krankenhaus, dem Klinikum Oldenburg und der Karl-Jaspers-Klinik in Bad Zwischenahn.

Das Vertragswerk zwischen Land, Universität und den Krankenhäusern hält der Rat für „nicht zukunftsfähig.“ Besser wäre es, eines der Häuser zu einem Uniklinikum auszubauen, „das durch ausgewählte Leistungen der anderen Häuser ergänzt würde“. Nach Lage der Dinge würde die Wahl wohl auf das größte Oldenburger Krankenhaus fallen – das Klinikum.

Zudem bestünden in der Lehre nach wie vor „erhebliche Vakanzen“. Die Umwandlung von Verwaltungsprofessuren in reguläre nebenberufliche Professuren werfe „Fragen bezüglich der wissenschaftlichen Qualitätssicherung auf“, so der Wissenschaftsrat.

Außerdem mahnt er die Qualität von Forschung und Lehre an. Die Empfehlungen seien umso nachdrücklicher, als dass Oldenburg die Zahl der Studienplätze zum kommenden Wintersemester von 40 auf 80 verdoppeln wird und perspektivisch auf 200 Studierende erhöhen will.

Zum Stichtag 2017 arbeiteten an der Unimedizin 43 Professoren, 20 Professorenstellen waren vakant, so der Rat. Uni-Präsident Piper bestätigt das Problem: „Wir haben derzeit drei Viertel der finanzierten Professuren besetzt.“ Besonders in der Forschung gebe es aber noch Lücken in der Qualität der Unimedizin.

Was die Umorganisation der Uni-Klinik angeht, verwies Piper auf das Land Niedersachsen. „Das muss das Land gestalten und mit dem entsprechenden Krankenhaus Schritte vereinbaren.“

Sehr schlanker Finanzrahmen

Im Übrigen verweist der Präsident auf das Ende der Erprobungsphase des Oldenburger Projekts, das nun durch das Rats-Gutachten markiert werde.

„In dieser Phase waren wir finanziell sehr schlank aufgestellt“, sagt Piper. „Aber für 200 Studierende im Jahr 2024 brauchen wir rund 50 Millionen Euro jährlich, in 2020 kommen wir gerade mal auf die Hälfte.“

Außerdem brauche man einen Neubau, der an die 145 Millionen Euro kosten dürfte. Eine gut ausgestattete Infrastruktur würde dann auch leichter Professoren nach Oldenburg locken.

Schließlich habe die European Medical School Oldenburg-Groningen mit dem Modellstudiengang Humanmedizin „ein beeindruckendes Studienangebot etabliert, das heute schon viele Aspekte des Masterplans Medizinstudium 2020 berücksichtigt“, erklärt der Wissenschaftsrat.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Welpenschutz ist vorbei

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