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E-Health: Flucht aus der Insellösung angepeilt

E-Health-Lösungen in Klinik und Praxis sind vielerorts bereits Realität. Prüfsteine der Kooperation sind für die Akteure oft die mangelnde Kompatibilität der Systeme.

Christian BenekerVon Christian Beneker Veröffentlicht:
Die Vernetzung im Gesundheitswesen ist noch nicht optimal ausgestaltet. © Stefan Rajewski / fotolia.com [M] sth

Die Vernetzung im Gesundheitswesen ist noch nicht optimal ausgestaltet. © Stefan Rajewski / fotolia.com [M] sth

© Stefan Rajewski / fotolia.com [M] sth

HANNOVER. Top in Wissenschaft und Wirtschaft aber in der Versorgung Flop? "Jedenfalls haben wir im internationalen Vergleich bei den IT-Anwendungen im Gesundheitssektor mächtig aufzuholen." Das sagte Professor Reinhold Haux von der TU Braunschweig vor Kurzem auf der Veranstaltung "eHealth Niedersachsen" in Hannover.

Beirat soll E-Health-Optionen im Land optimieren helfen

Auf der Veranstaltung des Niedersächsischen Wirtschaftsministeriums stellten die Referenten die politischen Rahmenbedingung vor und einzelne beispielhafte Anwendungen. Um der schleppenden Entwicklung wenigstens in Niedersachsen auf die Sprünge zu helfen, hat das Land im Januar einen entsprechenden Beirat ins Leben gerufen. Er soll die Bedingungen für Industrie, Praxen und Krankenhäuser verbessern. Strukturelle Probleme gibt es genug. So seien Praxen, Firmen und Kliniken in sich elektronisch sehr gut aufgestellt, hieß es. "Aber bei der Zusammenarbeit harmonieren die Einrichtungen schon wegen der unterschiedlichen Haustechnik nicht", sagte Haux. Der Ausschuss will unter anderem Best-Practice-Beispiele veröffentlichen. Ein "Newcomer"-Forum und ein E-Health-Service-Zentrum könnten ebenfalls über die politischen Ebene mitorganisiert werden. Elementar schließlich sei die nachhaltige Finanzierung der Forschung, "um Strohfeuer zu vermeiden." Der Beirat hat sich ein strammes Programm vorgenommen, aber er hat noch eine lange Strecke zu gehen.

"Im internationalen Vergleich haben wir mächtig aufzuholen." (Professor Reinhold Haux, TU Braunschweig)

Beispiele gelingender IT-Nutzung im Gesundheitssektor präsentierte unter anderen Mark Winter, Geschäftsführer bei der auric Hörsysteme GmbH in Rheine. Die Firma kooperiert bei der Tele-Nachsorge von Cochlea-Implantat-Patienten mit der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Die MHH operiert als weltgrößtes Zentrum für Chochlea-Implantate Patienten aus ganz Deutschland. Sie können die Nachsorge beim heimischen HNO-Arzt, machen lassen, der per Datenleitung mit Experten der MHH verbunden ist. Vor dem Bildschirm geschieht die Geräte-Einstellung aus der Ferne - "für alle Beteiligten billiger, besser und bequemer", so Winter.

Sportmediziner Professor Uwe Tegtbur von der MHH warb für das Monitoring von Patienten mit transplantierten Lungen. Dabei habe man erstmals "Telemedizin und Training verbunden", hieß es. Per Smart Card haben Patienten Trainingseinheiten mitbekommen. Wenn die Ärzte die Karte auslesen, können sie erkennen, ob das Training absolviert wurde.

Gerd Dreske, Geschäftsführer der Magrathea Informatik GmbH, stellte das "IT-Dashboard" seiner Firma vor, ein großer, flacher Touchscreen, der die Informationsfülle einer Klinik schnell und sinnfällig in leicht konsumierbare Häppchen aufteilt. So ist jedes Krankenzimmer per "Tipp" auf einem Klinik-Grundriss auswählbar, ebenso die Patienten, ihre Diagnosen und Medikationen. Daneben bietet das Programm ein "Google"-Funktion für das klinikeigene Fachwissen, Kapazitätsanzeigen für Betten oder Mailprogramme für Ärzte - ein leicht lesbares Cockpit für Klinikpersonal, so Dreske. Das Wesentliche daran: "Kliniken können das System ständig selber verändern und ausbauen."

Moralische Leitplanken stecken Spielraum für IT ab

Grenzenlose Computerwelt? Haux wusste die Zukunftsträume auch zu relativieren. "Natürlich ist die IT ein gewichtiger Treiber, um die Medizin wirtschaftlicher und besser zu machen", erklärte er am Schluss seines Vortrages, "aber wir müssen darauf achten, dass die beiden großen Quellen der Medizin, die christliche Barmherzigkeit und die Naturwissenschaft, nicht von der Frage der Wirtschaftlichkeit in den Hintergrund gedrängt wird."

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