Klinik-Management

England zweifelt an Kompetenz deutscher Ärzte

LONDON (dpa). Drei deutsche Ärzte, die vorübergehend in Großbritannien arbeiteten, haben dort schwere Fehler mit einem Schmerzmittel gemacht. Ein Fall führte sogar zum Tod einer Patientin.

Veröffentlicht:

Eine Untersuchung des staatlichen britischen Gesundheitswesens NHS ergab, dass deutsche Ärzte bei der Schmerzmitteldosierung Fehler gemacht hatten. Darüber berichtete unter anderem die Zeitung "The Guardian". Bei dem Mittel handelt es sich um Diamorphin, ein synthetisch hergestelltes Heroin, das in Deutschland nicht als Schmerzmittel eingesetzt wird.

In einem Fall führte die zehnfache Überdosierung von Diamorphin durch einen deutschen Arzt im Jahr 2008 zum Tod eines 70-jährigen Patienten. Der Arzt machte gerade seine erste Schicht in England, hatte vorher nur ein paar Stunden geschlafen und sprach offenbar schlecht Englisch. Nach einem Bericht der britischen Nachrichtenagentur PA gab er zu, sich mit dem Mittel nicht ausgekannt zu haben. In den beiden anderen Fällen, in denen es von deutschen Ärzten in zu hoher Dosis eingesetzt wurde, überlebten die Betroffenen. Die Fälle haben in Großbritannien Zweifel an der Kompetenz deutscher Ärzte aufkommen lassen. Derjenige, der den Todesfall verschuldet haben soll, praktiziert in Deutschland weiter. In Großbritannien arbeiten oft deutsche Ärzte, da sie dort besser bezahlt werden.

Mehr zum Thema

MB-Barometer offenbart

Ärztliche Weiterbildung in vielen deutschen Kliniken ein Fiasko!

Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Tom Jeffrey Lohmann

Kompetenz oder Mangel an Verantwortung?

An der Kompetenz der deutschen Ärzte würde ich nicht zweifeln oder dies damit gleich setzen wollen. Wohl aber eher mit der Verantwortung gegenüber dem Patienten und auch seinem eigenem Gewissen so gehandelt zu haben. Ein Medikament was man selbst nicht kennt, auch wenn es ein Ableger vom herkömmlichen Heroin ist, und nicht benutzt hat, einfach einzusetzen. Da sollte man sich doch mindestens vorher informiert haben bevor man es einem Patienten verabreicht und nicht so tun als sei man "Herr der Lage" und in allem kompetent.
Wenn es notwendig ist, dass das englische Gesundheitssystem ärztliche hilfe von außen bedarf, dann würde ich doch viel eher mal da ansetzen und die "Lücke" stopfen, dann minimiert man auch die Gefahr unerfahrenes Personal, was nicht eingearbeitet ist, so ins "kalte Wasser" zu werfen. Sie selber tragen auch einen Anteil mit dran!


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Gekommen, um zu bleiben: Videosprechstunden sind erst mit Beginn der Pandemie von Vertragsärzten häufiger genutzt worden. Seither hat sich die Anzahl abgerechneter Videosprechstunden auf niedrigem bis mittlerem sechsstelligem Niveau im Monat eingependelt.

© Monika Skolimowska / dpa / pictu

Aktuelle Zi-Zahlen

Videosprechstunden auch 2021 auf erhöhtem Niveau

In vielen Kliniken bleibt kaum Zeit für die Weiterbildung, beklagen die jungen Ärzte.

© fizkes / stock.adobe.com

MB-Barometer offenbart

Ärztliche Weiterbildung in vielen deutschen Kliniken ein Fiasko!

Die Preisfindung bei neuen Arzneien soll nach dem Willen der Krankenkassen reformiert werden.

© peterschreiber.media / stock.adobe.com

Forderung an Politik

AOK will veränderte Regeln für Preisfindung neuer Arzneimittel