Klinikum St. Georg in Leipzig

Entlassungen im großen Stil?

Am Leipziger Klinikum St. Georg stehen offenbar mehr als 100 Stellen vor dem Aus. Das könnte die Privatisierungskampagne wieder anheizen.

Veröffentlicht:
Das Verwaltungsgebäude des Klinikums St. Georg am Standort Eutritzsch in Leipzig.

Das Verwaltungsgebäude des Klinikums St. Georg am Standort Eutritzsch in Leipzig.

© St. Georg Unternehmensgruppe

LEIPZIG. An der Klinikum St. Georg GmbH und dem Städtischen Klinikum "St. Georg" wird offenbar über Entlassungen diskutiert. Wie Vertreter der Gewerkschaft ver.di der "Ärzte Zeitung" mitteilten, geht es dabei um den Abbau von 118 Vollzeitstellen.

Das Klinikum ist ein Eigenbetrieb der Stadt, hier arbeiten 270 Angestellte. Auf Anfrage dementierte eine Sprecherin der St. Georg Unternehmensgruppe zunächst, dass es Entlassungen geben soll. Später hieß es dazu: "Derzeit ist ein Stellenabbau nicht spruchreif."

Bürgermeister schweigt

Gabriele Meyer, für das St. Georg zuständige "Betreuungssekretärin" beim Leipziger ver.di-Bereich Gesundheit, erklärte auf Anfrage, dass der eventuelle Stellenabbau im aktuellen Geschäftsbericht erwähnt werde. "Das ist kein Geheimnis", so Meyer.

Wie viele Angestellte den 118 Vollzeit-Äquivalenten entsprechen, sei noch unklar, auch, über welchen Zeitraum die Entlassungen erfolgen könnten und in welchen Klinikbereichen. Weitere Auskünfte gab es seitens der Stadt Leipzig nicht.

Prof. Thomas Fabian (SPD), Leipziger Bürgermeister für Gesundheit und in dieser Funktion Aufsichtsratsvorsitzender der gGmbH, äußert sich nicht.

Eine Sprecherin verwies auf das Klinik-Statement. Seit 2006 gibt es die Unternehmensgruppe in ihrer heutigen Struktur, aufgrund eines Beschlusses des Leipziger Stadtrats.

Meyer fürchtet, dass die Diskussion über Entlassungen auch eine Privatisierung des Hauses auf die Tagesordnung rufen könnte. "Das St. Georg ist eine Schwerpunktklinik und damit sicher attraktiv für private Betreiber."

Dabei ist nach ihrer Meinung von einer wirtschaftlichen Schieflage im Haus nicht zu reden. "Das Problem ist, dass vom Land weniger Geld kommt."

Investitionslücke droht

Ab dem kommenden Jahr droht in Sachsen und ganz Ostdeutschland eine massive Investitionslücke. Dies könnte die Stadt Leipzig veranlassen, das St. Georg zu privatisieren, so Meyers Befürchtung.

Zwar bekannte sich 2008 der Leipziger Stadtrat nach einem entsprechenden Bürgerentscheid dazu, kommunales Eigentum nicht zu privatisieren.

Einer der Initiatoren des damaligen Entscheids, Mike Nagler vom "April-Netzwerk", meint, dass die Debatte nach der kommenden Oberbürgermeisterwahl am 17. Februar wieder aufkommen könnte.

Dann wird der amtierende OB Burkhard Jung (SPD) gegen Horst Wawrzynski (CDU) in einer Stichwahl antreten. "Im Wahlkampf haben sich da alle zurückgehalten." Das April-Netzwerk startet derzeit ein neues Bürgerbegehren mit dem Titel "Privatisierungsbremse". (tt)

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