Direkt zum Inhaltsbereich

Stellungnahme von Neuropädiatern

„Erhebliche Sicherheitsbedenken“ zum Einsatz neuer Genersatztherapie Zolgensma®

Die Evidenzlage fordert nach Ansicht der Gesellschaft für Neuropädiatrie zu einem kritischen Umgang mit der SMA-Therapie Zolgensma® auf.

Veröffentlicht:

München. DieGesellschaft für Neuropädiatrie hat anlässlich der europaweiten Zulassung der Genersatztherapie Zolgensma® (Onasemnogene Abeparvovec) gegen spinale Muskelatrophie eine kritische Stellungnahme zur Evidenz der bislang vorliegenden klinischen Daten sowie zu Anwendungsfragen veröffentlicht. Tenor: Man begrüße zwar einerseits die Freigabe in der EU, sehe aber in Anbetracht der „breite(n) Zulassung in Kombination mit der sehr begrenzten Evidenz zu Wirksamkeit und Sicherheit“ andererseits auch „erhebliche Herausforderungen für die betroffenen Patienten, deren Familien und die behandelnden Zentren“. Daraus leitet die Fachgesellschaft die Forderung ab, die Anwendung der neuartigen Therapie ausschließlich Neuropädiatern an Zentren mit entsprechender Indikationserfahrung vorzubehalten. Zudem sei es „zwingend geboten, Erfahrungen zu Wirksamkeit und Sicherheit von Zolgensma systematisch zu sammeln, damit für zukünftige Entscheidungen eine bessere Evidenzbasis zur Verfügung steht“.

EU-Label ohne Alters- und Gewichtsbegrenzung

Insbesondere monieren die Autoren, dass für die Gentherapie bisher nur Studiendaten zur Behandlung von Säuglingen bis zum 6. Lebensmonat vorliegen. Unterdessen erstrecke sich die US-Zulassung aber auf die Behandlung von Patienten bis zur Vollendung des 2. Lebensjahres, während die EU-Zulassung zwar auf fehlende Sicherheits- und Wirksamkeitsdaten bei älteren Patienten hinweise, jedoch in der Fachinformation gar keine Alters- oder Gewichtsgrenze aufführe. In den USA seien zwar bereits Anwendungserfahrungen bei Kleinkindern bis zum 2. Lebensjahr und 13,5 kg Körpergewicht gesammelt worden, allerdings lägen dazu bisher keine systematischen Analysen oder Veröffentlichungen vor, heißt es. Die EU-Zulassung ohne Alters- oder Gewichtsbegrenzung gebe deshalb Anlass „zu erheblichen Sicherheitsbedenken in der Fachgesellschaft“.

Darüber hinaus sei fraglich, ob die Wirksamkeit bei Säuglingen mit der bei älteren Patienten vergleichbar sei. Denkbar wäre, „dass bei älteren Patienten eine intrathekale Applikation der Genersatztherapie effektiver und im Vergleich zur systemischen Gabe mit weniger Nebenwirkungen verbunden ist“. Aufgrund der aktuellen Datenlage sehe man jedenfalls einen „möglichen unkritischen Einsatz der Therapie mit Sorge“.

Abwägung in jedem Einzelfall

Weil davon auszugehen sei, „dass die Therapie nicht für alle von der Zulassung erfassten Patienten sinnvoll ist“, müsse vor jeder Anwendung eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen. Dabei seien auch etwaige medikamentöse Alternativen zu berücksichtigen. (cw))

Quelle: „Zur Gentherapie der Spinalen Muskelatrophie mit Onasemnogene Abeparvovec. Stellungnahme der Gesellschaft für Neuropädiatrie“

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Digitale Helfer

KI im Alltags-Check: So urteilen zwei Kollegen

Das könnte Sie auch interessieren
Nationale Politik an Europas Gesundheitszielen ausrichten

© quantic69 | iStock

Politische Perspektive

Nationale Politik an Europas Gesundheitszielen ausrichten

Anzeige | CSL Behring GmbH
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

© Pinit / stock.adobe.com / generiert mit KI

Pädiatrische cholestatische Lebererkrankungen

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mirum Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Folgen einer Fehldiagnose bei Menschen mit einer Seltenen Erkrankung (SE), die angaben, dass ihre SE oder die SE einer von ihnen betreuten Person mindestens einmal falsch diagnostiziert wurde (n=4.756)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Neuromyelitis-Optica-Spektrum-Erkrankungen

Weshalb das rechtzeitige Erkennen und Behandeln wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Tab. 1: Stufentherapieschema zur verlaufsmodifizierenden Therapie der generalisierten Myasthenia gravis

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Generalisierte Myasthenia gravis

Krankheitssymptome und Therapielast wirksam lindern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Dissoziation

Umgang mit Trauma und PTBS: Was kann die Hausarztpraxis leisten?

Lesetipps
Die Wissenschaftler arbeiten mit der Annahme, dass die Zellen nach dem „Auftauen“ ihre normalen physiologischen Prozesse wieder aufnehmen.

© Tomorrow.bio

Start-up

Kryokonservierung: Der Traum vom ewigen Leben

Eine ältere Frau fässt sich mit den Händen ins Gesicht

© Miriam Kunz

Interview

Schmerzen bei Demenz-Patienten: Welche Fallstricke lauern in der Diagnostik?

Eine Frau geht Walken im Park. Man sieht nur ihre Beine.

© Robert Kneschke / AdobeStock

Cochrane-Update

Körperliches Training hilft wohl doch kaum bei Hüftarthrose