Unikliniken klagen

Es fehlt an Geld und guter IT-Ausstattung

Für Universitätskliniken sieht die Lage düster aus - und es mangelt ihnen nicht nur an Finanzmitteln. Die IT-Ausstattung sei im EU-Vergleich unterdurchschnittlich, kritisierte deren Verband auf dem Innovationskongress der deutschen Hochschulmedizin.

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Ausbildung von Studenten an der Medizinischen Hochschule Hannover. Viele Unikliniken klagen über Finanznot.

Ausbildung von Studenten an der Medizinischen Hochschule Hannover. Viele Unikliniken klagen über Finanznot.

© Lübke / dpa

BERLIN. Nach Angaben des Verbandes der Universitätsklinika Deutschlands (VUD) werden 61 Prozent der deutschen Universitätsklinika - 19 Häuser - das laufende Geschäftsjahr voraussichtlich mit einem Minus abschließen.

"Das ist eine Unterfinanzierung, für die sich keiner verantwortlich fühlt", kritisierte Professor Michael Albrecht auf dem 10. Innovationskongress Hochschulmedizin in Berlin.

Wenn 2014 nichts weiter passiere, könnten die Kliniken den Spagat zwischen ihrem Versorgungsauftrag auf hohem Niveau sowie exzellenter Forschung und Lehre nicht länger nachkommen, so der Erste Vorsitzende des VUD und medizinische Vorstand des Universitätsklinikums, Carl Gustav Carus, in Dresden.

Systemzuschlag gefordert - Gröhe winkt ab

Im Koalitionsvertrag kündige die Bundesregierung zwar eine bessere Vergütung der besonderen Aufgaben der Universitätskliniken, beispielsweise bei der Notfallversorgung oder den Hochschulambulanzen, an.

Diese Maßnahmen alleine reichen laut VUD aber nicht aus, um die wirtschaftliche Situation der angeschlagenen Häuser nachhaltig zu verbessern. Wichtig ist Albrecht zufolge eine eigenständige Finanzierungssäule in Form eines Systemzuschlags.

Einem solchen Systemzuschlag erteilte Hermann Gröhe auf dem Innovationskongress jedoch eine klare Absage. "Wir setzen an einzelnen, klar identifizierbaren Problemen an und suchen nach Lösungen", so der Bundesgesundheitsminister im Hinblick auf die Fortentwicklung des Fallpauschalensystems oder die Finanzierung der Behandlung von Menschen mit besonderen Erkrankungen. Abstrakten Systemzuschlägen ohne Leistungsbezug stehe er kritisch gegenüber.

Gröhe unterstrich noch einmal die Absicht der Bundesregierung, Leistungen der Hochschulambulanzen künftig angemessen vergüten zu wollen. Erst vor wenigen Tagen hat sich die Bund-Länder-Arbeitsgruppe, die bis zum Jahreswechsel Eckpunkte für eine Krankenhausreform vorlegen wird, auch mit diesem Thema beschäftigt.

Ausstattung auf "mittlerem Entwicklungshilfeniveau"

Ein weiteres Sorgenkind des VUD ist die Ausstattung der Uniklinika mit Informationstechnologie. "Deutschland befindet sich in diesem Bereich auf einem mittleren Entwicklungshilfeniveau," sagt Professor Heyo K. Kroemer, Präsident des Medizinischen Fakultätentages.

Im Vergleich zu anderen Mitgliedsländern der EU seien deutsche Unikliniken unterdurchschnittlich ausgestattet, ergänzte Professor Christoph Reiners, Vorstand des Universitätsklinikums Würzburg. Lediglich bei den Themen Datenschutz und Sicherheit befinde sich Deutschland auf den vorderen Plätzen.

Der VUD schätzt, dass jede deutsche Uniklinik derzeit zusätzliche fünf bis zehn Millionen Euro jährlich für ihre IT-Ausstattung benötigt. Die Grundausstattung für IT-Infrastruktur müsse dauerhaft auf mindestens vier Prozent des Umsatzes erhöht werden, so der VUD. (mam)

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