Pharma-Marketing

FSA will über Wert von CME-Vielfalt aufklären

Jeder fünfte Arzt macht über den Verein Freiwillige Selbstkontrolle in der Arzneimittelindustrie transparent, wie hoch die Zuwendungen an ihn sind, die sie von der Industrie bekommen. Der Verein wünscht sich eine höhere Quote.

Von Helmut Laschet Veröffentlicht: 18.11.2019, 15:49 Uhr
FSA will über Wert von CME-Vielfalt aufklären

Fortbildung: Auch von der Industrie finanzierte Veranstaltungen bilden den Stand der Wissenschaft richtig ab, sagt der FSA.

© kasto / Stock.Adobe.com

Berlin. Die Sicherung der Pluralität in der Fortbildung und eine höhere Quote individueller Transparenz bei den Veröffentlichungen über Zuwendungen der Pharmaindustrie an Angehörige der Fachkreise sieht der Verein Freiwillige Selbstkontrolle in der Arzneimittelindustrie e. V. (FSA) als vorrangige Herausforderungen in der nahen Zukunft.

Wie der FSA-Vorsitzende Peter Solberg der Ärzte Zeitung anlässlich des 15-jährigen Bestehens des Vereins sagte, besteht bei den Ärztekammern, ausgehend von Bayern, eine zunehmende Tendenz, industrieorganisierte Fortbildungsveranstaltungen nicht mehr zu zertifizieren. Für die Ärzte hat dies die Folge, dass die Teilnahme an solchen Symposien keine CME-Punkte mehr bringt und daher auch als Nachweis der Erfüllung von Fortbildungsverpflichtungen nicht mehr anerkannt wird.

Hohes wissenschaftliches Niveau

Der FSA werde den Kontakt zu den Landesärztekammern und den Fachgesellschaften suchen, um deutlich zu machen, dass Forschungs- und Entwicklungsprozesse für Ärzte in Wissenschaft und medizinischer Praxis relevante Erkenntnisse für die Arzneimitteltherapie bringen. Auch von der Industrie organisierte Fortbildung finde auf einem hohen wissenschaftlichen Niveau statt. Im Unterschied zu früher spielten touristisch-kulturelle Aspekte heute keine Rolle mehr bei der Ausgestaltung solcher Fortbildungen, betonte Solberg.

Ein weiteres Anliegen des FSA ist ein stärkeres Bekenntnis der Ärzte zur Kooperation. Die Zuwendungen der Industrie an Fachkreise und Einrichtungen des Gesundheitswesens werden seit vier Jahren auf der Basis des Transparenzkodexes jeweils zur Jahresmitte publiziert. Dabei haben Ärzte ein Wahlrecht, ob sie Zuwendungen von Firmen, insbesondere für die Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen, individualisiert oder nur anonym/aggregiert veröffentlicht sehen wollen. Der Anteil der individualisierten Transparenz lag zuletzt bei 22 Prozent. Das sei zwar ein leichter Zuwachs, der Anteil liege aber deutlich unter dem anderer Länder, in denen sich Ärzte zu mehr als 50 Prozent individuell zu einer Kooperation mit der Industrie bekennen.

Kritische Analyse

Vor dem Hintergrund einer im Oktober veröffentlichten kritischen Analyse der Bundesvertretung der Medizinstudierenden über Einflussnahme der Pharmaindustrie an Universitäten mit Blick auf die Zielgruppe der Medizinstudenten habe der FSA versucht, Kontakt aufzunehmen. Bislang habe man aber keine Rückmeldung erhalten, so Solberg. Der FSA sei dringend an einem Austausch mit dem ärztlichen Nachwuchs interessiert. Das könne auch dazu dienen, den Kenntnisstand der Studenten über die Zusammenarbeit mit der Industrie und dazu geltende Complianceregelungen zu verbessern.

Während seines 15-jährigen Bestehen hat der FSA, der von über 50 forschenden Unternehmen getragen wird, etliche sanktionsbewehrte Kodices zur Zusammenarbeit mit den Fachkreisen und mit Patienten-Selbsthilfegruppen sowie den Transparenzkodex geschaffen. Sie ergänzen die Strafrechtsbestimmungen zur Korruption im Gesundheitswesen und sollen auch präventive Wirkung entfalten.

Freiwillig Selbstkontrolle

  • FSA steht für den Verein Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie e. V.
  • Sitz/Gründungsdatum: Der Verein wurde 2004 von Pharmaunternehmen in Berlin gegründet.
  • Ziele: Der FSA stellt verbindliche Regeln für ethisches Pharmamarketing auf und setzt sie durch. Dafür hat er mehrere sanktionsbewehrte Kodices geschaffen, etwa zur Zusammenarbeit zwischen Fachkreisen und Pharmaindustrie.

Weitere Informationen: www.fsa-pharma.de

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