Betriebs-Zusatzpolice

Fällt das Steuerprivileg bald weg?

Der Freibetrag von 44 Euro monatlich für die privaten Zusatzpolicen, die Arbeitgeber ihren Mitarbeitern kaufen, soll laut Finanzministerium zum Jahreswechsel wegfallen. Die PKV läuft dagegen Sturm.

Von Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht: 28.10.2013, 07:22 Uhr
Fällt das Steuerprivileg bald weg?

Schönes Geschenk: Bisher können Arbeitgeber Mitarbeitern monatliche Zusatzpolicen bis zum Wert von 44 Euro steuerfrei zukommen lassen.

© detailblick/fotolia.com

KÖLN. Die privaten Krankenversicherer (PKV) fürchten um das Steuerprivileg in der betrieblichen Krankenversicherung.

Geht es nach dem Bundesfinanzministerium, entfällt ab 1. Januar 2014 der Freibetrag von 44 Euro monatlich für die Zusatzpolicen, die Arbeitgeber ihren Mitarbeitern kaufen. Die Branche hofft, die Politik noch von dem Vorhaben abbringen zu können.

Die betriebliche Krankenversicherung gewinnt als Mittel der Mitarbeitergewinnung und -bindung an Bedeutung, immer mehr PKV-Unternehmen engagieren sich in diesem Feld. Der Freibetrag ist für viele ein wichtiges Verkaufsargument.

Bei arbeitgeberfinanzierten Policen werden zurzeit die Beiträge bis zu 44 Euro im Monat als Sachlohn eingestuft, es werden weder Steuern noch Sozialabgaben fällig. Das soll sich jetzt ändern. Das Bundesfinanzministerium hat die Landesfinanzbehörden angewiesen, die Arbeitgeberbeiträge ab Anfang nächsten Jahres als Barlohn zu behandeln.

Die Entscheidung sei völlig überraschend gekommen und nicht nachvollziehbar, sagt der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenversicherung (DKV) Dr. Clemens Muth. "Wir werden jetzt das Gespräch mit der Politik suchen.”

Deutschland brauche generell mehr betriebliche Gesundheitsvorsorge, dabei sei die betriebliche Krankenversicherung ein gutes Instrument. "Wir müssen herausfinden, ob es wirklich gewollt ist, die weitere Entwicklung der betrieblichen Krankenversicherung zu erschweren”, sagt Muth.

Plan konterkariert Präventionsidee

Auch der PKV-Verband kritisiert die aktuelle Entwicklung. "Die Finanzverwaltung verkennt den Charakter und die sozialpolitische Bedeutung der betrieblichen Krankenversicherung”, kritisiert Sprecher Stefan Reker. "Eine Korrektur ist daher dringend erforderlich.”

Für Uwe Jüttner, Krankenversicherungsexperte beim Versicherungsmakler Aon sind die Pläne des Bundesfinanzministeriums ein "völlig falsches Signal”. Sie liefen nicht zuletzt den ernsthaften Bestrebungen des Bundesgesundheitsministeriums entgegen, das eine Förderung der betrieblichen Gesundheitsvorsorge für sinnvoll hält.

Bleibt es bei der Entscheidung des Finanzministeriums, bekommen manche private Krankenversicherer allerdings auch die Quittung für eine falsche Strategie, meint Jüttner. Viele hätten den Verkauf der betrieblichen Zusatzpolicen zu sehr auf das Steuerargument ausgerichtet. "Wir alle wissen, wie kurzlebig Steuerzusagen sind.”

Die inhaltlichen Gründe für die Produkte, insbesondere die bessere Gesundheitsversorgung der Mitarbeiter, seien dabei ins Hintertreffen geraten, kritisiert Jüttner.

Die Policen seien auch ohne Steuervorteil noch günstig, zudem könnten auch die Familienangehörigen abgesichert werden. "Die Versicherer müssen jetzt andere Punkte in den Fokus rücken”, fordert er.

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