Sozialgericht Neuruppin

Fahrtkosten: Keine Erstattung für Eltern

Fahrtkosten zu einer ambulanten Behandlung wegen einer Fingerverletzung müssen nicht von der Krankenkasse übernommen werden, entscheidet ein Gericht. Geklagt hatte die Mutter eines verletzten Kindes.

Veröffentlicht:

Neuruppin. Kranke Kinder sind nicht mit Gehbehinderten vergleichbar. Einer Mutter, die ihren vierjährigen Sohn wegen einer Fingerverletzung zur ambulanten kinderchirurgischen Behandlung gefahren hat, muss die Krankenkasse daher nicht die Fahrtkosten erstatten, wie kürzlich das Sozialgericht Neuruppin entschied.

Im Streitfall hatte sich der vierjährige Sohn der Klägerin im September 2019 am Finger verletzt. Die Mutter fuhr mit ihm zur ambulanten Behandlung bei einem Kinderchirurgen. Die Fahrtkosten wollte sich die Frau von ihrer Krankenkasse erstatten lassen.

Ihr Sohn sei angesichts seines Alters ebenso in seiner Mobilität eingeschränkt wie gehbehinderte Menschen mit einem entsprechenden Merkzeichen, bei denen die Krankenkasse die Fahrtkosten übernimmt.

Klage erfolglos

Doch die Klage auf Kostenübernahme hatte vor dem Sozialgericht aus mehreren Gründen keinen Erfolg. Zum einen müssten Krankenkassen Fahrtkosten grundsätzlich nur als Sachleistung erbringen. Hier habe die Mutter aber die Fahrt bereits selbst durchgeführt; eine nachträgliche Kostenerstattung könne sie nicht verlangen.

Zudem sei der vierjährige Sohn mit gehbehinderten Menschen nicht vergleichbar. Die Krankentransport-Richtlinien würden vorschreiben, dass der Körper- und Gesundheitszustand des Versicherten von dem für sein Lebensalter typischen Zustand abweichen muss. Das sei bei dem Vierjährigen nicht der Fall gewesen.

Ohnehin würden Fahrtkosten zu einer ambulanten Behandlung nur in Ausnahmefällen erbracht, etwa bei einer ambulanten Therapie mit „hoher Behandlungsfrequenz“, wie bei einer Dialysebehandlung oder onkologischen Strahlentherapie. (fl/mwo)

Sozialgericht Neuruppin, Az.: S 20 KR 263/19

Mehr zum Thema

Paragraf 219a gestrichen

Bundestag kippt das Werbeverbot für Abruptio

Schlagworte
Kommentare
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden »Kostenlos registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Plenardiskussion beim Hauptstadtkongress 2022: „Frauen machen Gesundheit, Männer führen: Wo bleibt Female Empowerment?“ Es diskutierten (von links:) Dr. Christiane Stehle, Tanja Heiß, Emily Troche, Moderatorin Katharina Lutermann, Dr. Susan Niemeyer, Frederike Gramm, Oberin Doreen Fuhr.)

© Rolf Schulten

Wenige weibliche Führungskräfte

Wie kommt das Gesundheitswesen zu mehr Chefinnen?