Forderung

Fokus auf Wissenschaft im Medizinstudium

Um die künftige Ausrichtung des Medizinstudiums wird heftig gerungen. Vertreter der Medizinfakultäten werben dafür, den Fokus auf die Wissenschaftlichkeit zu legen.

Von Florian StaeckFlorian Staeck Veröffentlicht:
Mehr und bessere Promotionen – ein Plädoyer des Medizinischen Fakultätentags.

Mehr und bessere Promotionen – ein Plädoyer des Medizinischen Fakultätentags.

© M. Begsteiger / dpa

BERLIN. Der Medizinische Fakultätentag (MFT) und die Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften – werben für die wissenschaftliche Ausrichtung des Medizinstudiums. In einem am Dienstag erschienenen Papier wird Wissenschaftlichkeit als „ärztliche Kernkompetenz“ definiert, die „über den gesamten Bildungsverlauf vermittelt werden muss“.

Ziel sei es, „deutlich mehr Mediziner für die Forschung zu gewinnen“. Dafür müsse der interessierte Nachwuchs frühzeitig identifiziert werden.

Nötig seien passende Förderinstrumente und Mentoringsysteme, heißt es in dem Papier von 14 Autoren, darunter MFT-Vizepräsident Professor Matthias Frosch: Eine wissenschaftliche Medizinerausbildung gebe „es nur im Dreiklang von Lehre, Forschung und Krankenversorgung, das heißt innerhalb der Hochschulmedizin“.

DEGAM: "Außeruniversitäre Ausbildungsanteile ebenso essenziell"

Die Stellungnahme erscheint in Zeiten heftiger Debatten über die künftige Ausrichtung des Medizinstudiums. Im Masterplan Medizinstudium sind Elemente aufgenommen worden, die den politischen Wunsch nach der Stärkung der Allgemeinmedizin in Studium und Forschung aufgreifen. Auch im Koalitionsvertrag von Union und SPD wird die „bessere flächendeckende hausärztliche Versorgung gerade in ländlichen Regionen“ als Ziel des Masterplans betont.

Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) fordert, den Fokus über die Wissenschaftlichkeit hinaus zu weiten. Zwar sei die „Fähigkeit, neue Erkenntnisse kritisch bewerten zu können, für künftige Ärzte unabdingbar“, sagte DEGAM-Präsidentin Professor Erika Baum der „Ärzte Zeitung“.

Neben der Universität als Ort der Ausbildung seien aber auch „außeruniversitäre Ausbildungsanteile ebenso essenziell, denn nur so kann eine hinreichende Kenntnis und Kompetenz über alle Versorgungsebenen hinweg erreicht werden“, betont Baum.

Forschungsquartal für Baum denkbar

In den ersten Ausbildungsjahren Kompetenzen des Wissensmanagements zu vermitteln, sei völlig richtig. Auch spezielle Studien-Tracks für an eigener Forschungstätigkeit Interessierte seien zu begrüßen, so Baum.

Ein Forschungsquartal als Wahltertial im PJ, wie in dem Papier vorgeschlagen, bezeichnet sie als denkbar, „wenn die Studierenden dennoch die erforderlichen Kompetenzen für die M3-Prüfung erwerben und vor allem das Pflichtquartal im ambulanten vertragsärztlichen Bereich ableisten“.

Den Vorschlag, die klinische Famulaturzeit durch eine wissenschaftliche Famulatur zu verkürzen, bindet Baum an Vorgaben: Das sei „nur möglich, wenn der Pflichtunterricht ansonsten sehr stark praktisch ausgerichtet ist und den ambulanten Bereich außerhalb der Klinika adäquat abbildet“.

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