Diskussionspapier

Wissenschaftskompetenz von angehenden Ärzten stärken

Den Ärzten von morgen muss im Rahmen ihrer Ausbildung eine umfassende wissenschaftliche Kompetenz vermittelt werden, betonen die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der Medizinische Fakultätentag. Wie das klappen soll, haben sie in einem Diskussionspapier zusammengetragen.

Veröffentlicht: 06.03.2019, 12:55 Uhr
Wissenschaftskompetenz von angehenden Ärzten stärken

Wissenschaftliches Arbeiten ist eine ärztliche Kernkompetenz und muss im Medizinstudium vermittelt werden, finden die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der Medizinische Fakultätentag.

© Michael Ihle / Universität Bremen (Symbolbild)

HALLE (SAALE). Ein Arzt muss fähig sein, mit wissenschaftlichen Arbeiten richtig umzugehen und diese einordnen zu können – egal ob er in der Patientenversorgung tätig ist oder in der Forschung.

Diese Wissenschaftskompetenz muss im Medizinstudium erworben und im gesamten Bildungsverlauf mit Promotion und Weiterbildung gestärkt werden, betonen die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der Medizinische Fakultätentag (MFT) in einer Mitteilung.

In einem gemeinsamen Diskussionspapier haben sie zusammengetragen, wie diese Fähigkeit den angehenden Ärzten vermittelt werden kann. Es trägt den Titel „Die Bedeutung von Wissenschaftlichkeit für das Medizinstudium und die Promotion“.

Wissenschaftliche Medizinausbildung im Dreiklang

„Praktische Forschungserfahrungen und die kritische Reflexion von wissenschaftlichen Ergebnissen muss jeder Arzt vorweisen, gerade auch in der alltäglichen Versorgungspraxis. Eine solche wissenschaftliche Medizinausbildung gibt es nur im Dreiklang von Lehre, Forschung und Krankenversorgung, das heißt innerhalb der Hochschulmedizin“, sagt Professor Matthias Frosch, Mitautor und MFT-Vizepräsident.

Die Beratung, Diagnose und Therapie von Patienten basierten entscheidend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, und daher müsse allen angehenden Ärzten schon im Medizinstudium umfassende wissenschaftliche Kompetenz vermittelt werden, heißt es darin.

Veränderungen in der Medizin

Dies sei auch wichtig im Hinblick auf die Veränderungen in der Medizin. „Die Digitalisierung ist ein besonders gutes Beispiel für die Notwendigkeit von Wissenschaftlichkeit in der medizinischen Ausbildung“, unterstreichen die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der Medizinische Fakultätentag in der Mitteilung.

Die Digitalisierung eröffne neue wissenschaftliche Dimensionen etwa im Bereich der Datenintegration und -analyse. Die Ärzte von morgen müssten diese Informationen einordnen und ihre Einschätzungen überzeugend im Dialog mit den Patienten weitergeben können. „Ohne ein grundsätzliches Verständnis von Wissenschaftlichkeit ist dies nicht möglich“, lautet das Fazit.

Forschungsinteressierte Medizinstudierende fördern

Darüber hinaus müssten wissenschaftlich interessierte Mediziner frühzeitig für eine Tätigkeit in der Forschung identifiziert und dauerhaft dafür gewonnen werden. Dafür seien ausfinanzierte, strukturierte Programme und klare berufliche Perspektiven in allen Bildungsabschnitten notwendig, heißt es. Wichtig seien entsprechende Zielpositionen, Förderinstrumente und ein Mentoringsystem.

„Diese Voraussetzungen müssen teilweise neu geschaffen werden. Damit Deutschland weiterhin den medizinischen Fortschritt mitgestalten kann, müssen wir deutlich mehr junge Menschen für die Forschung gewinnen und geeigneten Nachwuchs frühzeitig dafür begeistern und fördern“, sagt Martin Lohse, Mitautor und Vizepräsident der Leopoldina. (ths)

Lesen Sie dazu auch: Forderung: Fokus auf Wissenschaft im Medizinstudium

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