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Schleswig-Holstein

Forschung trotz Weiterbildung? Im Norden kein Problem

In Schleswig-Holstein können junge Ärzte über das Clinician-Scientist-Programm ohne große Zeitverluste bereits während der Facharztausbildung wissenschaftlich arbeiten.

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KIEL. Jungen Ärzten mit Interesse an der Forschung werden in den kommenden Jahren insgesamt 70 Stellen als Clinician Scientists (CS) in Schleswig-Holstein angeboten. Das interdisziplinäre Programm mit dem Titel „Darm-Gehirn-Achse: Relevanz für die Entzündungsmedizin und Neurodegeneration“ eröffnet den Ärzten neben der Facharztausbildung eine fachübergreifende klinische und wissenschaftliche Tätigkeit.

Sprecherin des CS-Programms ist Professor Daniela Berg. Die Direktorin der Kieler Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) sagt: „Die jungen Kolleginnen und Kollegen werden mit modernsten Methoden Einblicke in Struktur und Funktion von Darm und Gehirn gewinnen und durch ein besseres Verständnis der komplexen Beziehung zwischen Darm und Gehirn zu neuen Therapieoptionen beitragen. Gleichzeitig erlangen sie die nötigen Kompetenzen, um nach Abschluss des Programms selbst wissenschaftliche Arbeitsgruppen führen zu können.“

In sechs geplanten Projekten erhalten junge Ärzte die Möglichkeit, in eigenständiger Forschungsarbeit krankheitsübergreifende Entstehungsmechanismen zu untersuchen. Ermöglicht wird dies durch klinische, bildgebende und grundlagenorientierte Forschung, für die die Clinician Scientists von der Krankenversorgung freigestellt werden.

Diese „geschützten Forschungszeiten“ sind in einem modular aufgebauten Curriculum festgehalten, das durch ein Mentoringkonzept und durch die Vermittlung von Schlüsselkompetenzen flankiert wird. Über sechs Jahre alternieren die Clinician Scientists zwischen Forschungs- und klinischen Modulen. Am Ende des CS-Curriculums steht die Zulassung zur Facharztprüfung und idealerweise die Habilitation.

Die CS-Programme im Norden folgen einem mit der Ärztekammer Schleswig-Holstein abgestimmten, modularen Curriculum, in dem die klinische Weiterbildung durch privilegierte Rotationen so komprimiert wird, dass während der Facharztweiterbildung fast 40 Prozent Forschungszeit entsteht. Mit einer 12- bis 18-monatigen Verlängerung können junge Ärzte die Mindestweiterbildung abschließen und zugleich ein eigenständiges Forschungsprojekt verfolgen.

„Die Planbarkeit der Medizinischen Weiterbildung nach dem Medizinstudium in Verbindung mit geschützter Forschungstätigkeit ist eine gute Grundlage, Medizin-Absolventen der Forschung wieder näher zu bringen“, betont der Dekan der Medizinischen Fakultät, Professor Ulrich Stephani. (di)

Weitere Informationen: www.uksh.de/clinician_scientists

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