Jahreszahlen 2018

Fresenius leidet unter Schwächen bei Kliniken

Der erfolgsverwöhnte Gesundheitskonzern Fresenius bekam 2018 Gegenwind zu spüren. Im Klinikgeschäft gingen „erstmals seit Jahren“ die Fallzahlen zurück. Der Fresenius-Chef kündigt dennoch eine Investitionsoffensive an.

Von Christoph WinnatChristoph Winnat Veröffentlicht:

BAD HOMBURG. Der Healthcarekonzern Fresenius verzeichnete 2018 zum 15. Mal in Folge einen neuen Umsatzrekord. Überschattet wurde das Geschäftsjahr allerdings vom Rechtsstreit mit dem US-Generikahersteller Akorn, der eine von Fresenius aufgekündigte Übernahmevereinbarung gerichtlich durchsetzen wollte. Am Ende zwar ohne Erfolg. Doch übers Jahr trat die Fresenius-Aktie auf der Stelle.

Dann kassierte das Management erst im Oktober allzu hochgesteckte Gewinnerwartungen und kurze Zeit später, im Dezember, auch noch die ehrgeizige Mittelfristplanung. Woraufhin die Aktie in den Keller rauschte.

„Ich bedauere das sehr, es ist über viele Jahre aufgebautes Vertrauen verspielt worden“, kommentierte Vorstandschef Stephan Sturm die Kursentwicklung anlässlich der Bekanntgabe der Bilanzzahlen am Mittwoch in Bad Homburg. Er glaube aber „fest an das Unternehmen und seinen anhaltenden Erfolg“. Er werde deshalb seine gesamte variable Vergütung aus 2018 in Fresenius-Aktien investieren, rund eine Million Euro.

An einem Aktienrückkaufprogramm über bis zu einer Milliarde Euro in den Jahren 2019 und 2020, das die Konzerntochter Fresenius Medical Care (FMC) gleichfalls am Mittwoch ankündigte, werde sich die Konzernmutter jedoch nicht beteiligen, so Sturm.

Sonderertrag aus Desinvestition

Die Dialysesparte FMC und die Kliniksparte Helios mussten 2018 abspecken. Der FMC-Umsatz verringerte sich – laut CEO Rice Powell hauptsächlich wegen Desinvestitionen im Geschäft mit Versorgungsmanagement-Leistungen – um währungsbereinigt 2,0 Prozent auf 16,5 Milliarden Euro. Dafür bescherte der hohe Sonderertrag aus dieser Veräußerung dem Dax-Unternehmen 55 Prozent Nettogwinnzuwachs (auf 1,98 Milliarden Euro).

Helios gab zwei Prozentpunkte Umsatz an die Schwester-Sparte Vamed ab, die seit Mitte 2018 für das Reha-Geschäft der Freseniusgruppe zuständig ist. Danach nahmen die Helios-Erlöse nurmehr um 4,0 Prozent auf 8,99 Milliarden Euro zu.

Schwerer ins Gewicht fielen allerdings strukturelle Maßnahmen, die bei den Helios-Kliniken für Fallzahlrückgang sorgten – laut Sturm „erstmals seit Jahren“. Um den Mindestmengenanforderungen bei komplexen Operationen zu genügen, habe man in einzelnen Helios-Häusern Op- Schwerpunkte gebildet.

Der damit einhergehende Reiseaufwand für Ärzte und Patienten sei nicht gut angekommen, räumt Konzernchef Sturm ein. Unter den Medizinern habe daraufhin eine, wie es vornehm heißt, „unerwartet hohe Fluktuation“ eingesetzt.

Man wolle den Sinn der Spezialisierung jetzt intern besser kommunizieren und die Klinikärzte stärker dazu ermutigen, Patienten an Schwerpunkthäuser weiterzuleiten. Als weitere Gründe für die schwächere Nachfrage nach stationären Helios-Leistungen werden Personalknappheit in der Pflege sowie ein „genereller Trend zur ambulanten Behandlung“ genannt. Der Nettogewinn des Klinikgeschäfts Helios ging 2018 um 6,0 Prozent auf 686 Millionen Euro zurück.

Für 2019 kündigte Konzernchef Sturm eine Investitionsoffensive an. Würden in üblichen Jahren fünf bis sechs Prozent des Umsatzes investiert, so diesmal etwa sieben Prozent, absolut um die 2,5 Milliarden Euro. Unter anderem sollen 1000 zusätzliche Pflegekräfte eingestellt werden – nicht, wie Sturm versichert, um den neuen Personaluntergrenzen zu genügen, damit habe man keine Probleme, sondern vielmehr um die Versorgungs-Attraktivität der Helios-Häuser zu erhöhen.

Darüber hinaus seien Investitionen unter anderem in den Ausbau der Heimdialyse bei FMC geplant oder auch Zukäufe, um das Portfolio intravenös zu verabreichender Generika der Sparte Kabi aufzustocken.

Magere Gewinnerwartung

Diese Mehrkosten werden gewinnseitig Spuren hinterlassen. Bei voraussichtlich drei bis sechs Prozent mehr Umsatz stellt Sturm deshalb für 2019 nach Steuern – aber vor Währungseffekten und Sondereinflüssen sowie bereinigt um Vergleichseffekte – bestenfalls stagnierende Erträge in Aussicht, mit dem Zusatz, „vorsichtig optimistisch“ zu sein, dass es nicht sogar zu einem Gewinnrückgang kommt. Die Aktionäre, verspricht Sturm, dürften gleichwohl mit der Fortsetzung der expansiven Dividendenpolitik rechnen.

Für das abgelaufene Geschäftsjahr sollen die Fresenius-Eigner mit 0,80 Euro je Aktie (in Summe 445 Millionen Euro) eine um 7,0 Prozent höhere Gewinnbeteiligung als im Vorjahr erhalten; das wäre die 26. Dividendenanhebung in Folge.

Die Fresenius SE 2018: Der Umsatz verbesserte sich um 2,0 Prozent auf 33,5 Milliarden Euro; zu konstanten Wechselkursen hätte der Zuwachs 6,0 Prozent betragen. Das um Sondereinflüsse und Vergleichseffekte bereinigte Betriebsergebnis (EBIT) ging um 4,0 Prozent auf knapp 4,6 Milliarden Euro zurück. Der Überschuss verbesserte sich um 12 Prozent auf 2,0 Milliarden Euro – Sondereffekte herausgerechnet jedoch nur um 4,0 Prozent auf knapp 1,9 Milliarden Euro.

Wir haben diesen Beitrag aktualisiert und ergänzt am 20.2.2019 um 16.30 h.

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