Kommentar zum Ärztenachwuchs

Für die Allgemeinmedizin drängt jetzt die Zeit

Von Raimund SchmidRaimund Schmid Veröffentlicht:

Gut 20 Jahre ist es her, seit sich ganze sieben wissenschaftliche Mitarbeiter auf den Weg gemacht haben, das Fach Allgemeinmedizin in Deutschland universitär hoffähig zu machen. Mit dabei war damals auch der heutige DEGAM-Präsident Ferdinand M. Gerlach gewesen.

Seine Bilanz und die seiner damaligen Mitstreiter kann sich sehen lasen: Denn bis heute sind daraus 25 allgemeinmedizinische Lehrstühle entstanden, sechs weitere stehen vor der Gründung oder sind ausgeschrieben.

In wenigen Jahren wird es sich keine der 37 Universitäten in Deutschland mehr leisten können, auf einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin zu verzichten.

Dieser Schritt war längst überfällig gewesen, weil sowohl die wissenschaftlichen Fachgesellschaften der Inneren Medizin wie auch der Pädiatrie der universitären Allgemeinmedizin um Längen voraus waren.

 Doch heute verfügt das Fach mit der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) mit inzwischen beachtlichen 5600 Mitgliedern sowie mit dem Institut für die hausärztliche Fortbildung (IHF) über ein Angebot, das jedem Vergleich standhalten kann.

Diesen frischen Schwung spürte man auch deutlich beim diesjährigen DEGAM-Jahreskongress in Hamburg, der teilnehmer- und themenmäßig alle Rekorde sprengte.

Überzeugungsarbeit noch nicht erfolgreich genug

Wie wichtig eine solch starke wissenschaftliche Gesellschaft auch für den Hausarzt in der Praxis ist, zeigte sich in Hamburg zum Beispiel beim Thema Multimorbidität und Polypharmazie.

So hat die DEGAM gemeinsam mit der Leitliniengruppe Hessen eine Leitlinie "Multimedikation" und eine S1-Handlungsempfehlung "Medikamentenmonitoring" herauszugeben, die für den Hausarzt in der Praxis ausgesprochen hilfreich sind.

Zudem unterstützt auch die DEGAM mehr und mehr die politische Arbeit des Hausärzteverbandes. Denn an fast allen Evaluationen, die in jüngster Zeit über die Vorteile der hausarztzentrierten Versorgung für die beteiligten Ärzte wie für die Patienten veröffentlicht worden sind, sind Lehrstühle für Allgemeinmedizin beteiligt.

Trotz dieser Erfolge herrschte beim Hamburger Kongress dennoch nicht eitel Sonnenschein. Denn bislang ist es nicht gelungen, genügend Medizinstudenten davon zu überzeugen, dass die Allgemeinmedizin tatsächlich ein "cooles Fach" ist.

Zukunftsfähige und auch praktikable Handlungsvorschläge liegen zwar von der DEGAM selbst wie auch vom Sachverständigenrat auf dem Tisch. Doch dafür müssen nun neben der Hamburger Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks weitere politische Mitstreiter gefunden werden.

20 Jahre Zeit verbleiben der DEGAM und damit der Allgemeinmedizin dafür diesmal aber nicht mehr.

Lesen Sie dazu auch: DEGAM stellt fest: Mehr Interesse für die Allgemeinmedizin

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