Klinik-Management

Gehaltsgrenze für Schweizer Klinikärzte?

Ein Politiker der Schweizer Volkspartei will die Kosten des Schweizer Gesundheitssystems unter anderem mit sinkenden Arztgehältern reduzieren.

Veröffentlicht: 21.06.2011, 15:04 Uhr
Im Angesicht des Matterhorns: Die Klinikärzte in der Schweiz sollen nach einem Vorschlag aus der Politik Gehaltsgrenzen erhalten.

Im Angesicht des Matterhorns: Die Klinikärzte in der Schweiz sollen nach einem Vorschlag aus der Politik Gehaltsgrenzen erhalten.

© Michael Simon / fotolia.com

ZÜRICH (ine). Klinikärzte sollten pro Jahr nicht mehr als 500.000 Franken - das sind umgerechnet etwa 414.000 Euro - verdienen. Mit diesem Vorschlag hat Alex Kuprecht von der Schweizer Volkspartei (SVP) viele der über 30.000 Schweizer Ärzte gegen sich aufgebracht.

Seiner Ansicht nach verdienen manche Ärzte viel zu gut. Wenn ein Chefarzt oder ein Leitender Arzt eine dreiviertel Million oder mehr verdiene, müsse dies hinterfragt werden, so Kuprecht. Schließlich stünden die Prämienzahler und die öffentliche Hand für die Kosten gerade.

Der SVP-Politiker will Einschnitte beim Erstattungskatalog

Kuprecht ist seit sieben Jahren für die SVP in der Gesundheitskommission des Ständerats. Erst kürzlich hatte er in einem Interview für das Magazin des Krankenversicherers CSS in Luzern dafür plädiert, den Leistungskatalog der obligatorischen Grundversicherung abzuspecken.

Unter anderem könnten das Brustkrebs-Screening aus dem Katalog genommen werden oder auch Abtreibungen. Die Kassen könnten so fast 20 Millionen Franken sparen.

Kuprecht sprach sich zudem dafür aus, niedergelassenen Ärzten ab 70 Jahren die Kassenzulassung zu entziehen: "Sie sind wahrscheinlich auch nicht mehr unbedingt auf dem neuesten Stand der aktuellen medizinischen Kenntnisse."

In einem Interview mit der Schweizer Sonntagszeitung fordert er nun, die Verdienste von Spitalärzten zu kürzen. Um im Klinikbereich Kosten zu senken, will er sich für einen Basislohn für Ärzte einsetzen. Den könnten die kantonalen Finanz- und Gesundheitsdirektoren festlegen. Seiner Ansicht nach sollte die Höchstgrenze bei 500.000 Franken liegen.

Hausärzte sollen hingegen künftig mehr verdienen

Weiterer Vorschlag: Um den Beruf des Hausarztes attraktiver zu machen, sollten die Löhne von Allgemeinmedizinern erhöht werden -und zwar auf Kosten der Fachärzte. Deren Taxpunktwert im TarmedTarifsystem sei um einiges zu hoch, so Kuprecht.

Jacques de Haller, Präsident der Verbindung der Schweizer Ärzte (FMH, Féderation des Médicins Suisses) in Bern widerspricht dem SVP-Politiker.

Seine Behauptungen seien schlichtweg falsch: "Die höheren Einkünfte von Fach- und Chefärzten stammen nicht aus der Grundversicherung sondern aus der Privatversicherung und werden somit im Rahmen des freien Unternehmertums erzielt." Auch gebe es keine unterschiedlichen Taxpunktwerte im ärztlichen Tarifsystem.

Heftige Gegenwehr aus der Ärzteschaft

Für den FMH-Chef ist klar: "Eine pauschale, einseitige Begrenzung der Einkommen bestimmter Ärzte kann keine befriedigende Lösung sein." Vielmehr müsse der gesamte Sektor berücksichtigt werden.

Auch die Gehälter der Krankenkassen- und Spitaldirektoren lägen teilweise deutlich über 500.000 Franken. Viel wichtiger als populistische Erklärungen seien Lösungsansätze, die es der Schweiz auch weiterhin ermöglichen, trotz Konkurrenz aus dem Ausland, angehende Ärzte optimal auszubilden und so einem Fachkräftemangel vorzubeugen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Schwarzer Peter für Schweizer Ärzte

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