Sinnstiftende Arbeit

Gestiegenes Interesse an Pflege-Jobs

Arbeitnehmer halten Tätigkeiten in Pflegeeinrichtungen laut einer Studie für besonders sinnstiftend. Pflegende Angehörige klagen dagegen über starke Belastungen in der Coronavirus-Pandemie.

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Pflegende Angehörige fühlen sich durch Corona emotional und finanziell stark belastet.

Pflegende Angehörige fühlen sich durch Corona emotional und finanziell stark belastet.

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Darmstadt/Stuttgart. Jeder fünfte Deutsche zwischen 18 und 29 Jahren interessiert sich für einen Arbeitgeber aus der Pflege. Das geht aus einer aktuellen Untersuchung des Unternehmensverbunds Königsteiner Gruppe hervor.

Die Studie, bei der 1036 Arbeitnehmer befragt wurden, kommt zu dem Ergebnis, dass das Interesse an sinnstiftenden Tätigkeiten gestiegen ist. Laut Studie sind 28 Prozent aller Teilnehmer nun deutlich mehr an einer sinnstiftenden Arbeit interessiert als noch vor der Coronavirus-Pandemie, heißt es in einer aktuellen Mitteilung.

73 Prozent finden Jobs in Krankenhäusern erfüllend, 72 Prozent die in Pflegeeinrichtungen. Vor allem jungen Menschen unter 30 Jahren werde der Sinn der Arbeit im Vergleich zum Zeitraum vor der Pandemie immer wichtiger. 41 Prozent von ihnen interessierten sich heute mehr dafür als zu Beginn des Corona-Jahres 2020, so die Studie.

19 Prozent würden sich sofort bewerben

Insgesamt würden sich derzeit 19 Prozent der befragten Arbeitnehmer sofort bei einer Pflegeeinrichtung bewerben, wenn sie eine passende Stelle sehen – noch höher sei der Anteil diesbezüglich bei jüngeren Bewerbern, von denen sich jeder Vierte (26 Prozent) für eine Bewerbung entscheiden würde, heißt es. Allerdings bemängelten auch 58 Prozent aller Befragten, dass Pflegeeinrichtungen aus ihrer Sicht nicht genügend auf sich als Arbeitgeber aufmerksam machten.

Wenn es darum geht, in welchen Arbeitskriterien Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäuser besser aufgestellt sind, betonten die Befragten vor allem die Systemrelevanz der Tätigkeit, die hohe Jobsicherheit, den stärkeren Kollegenzusammenhalt sowie die besser umgesetzte Gleichberechtigung von Mann und Frau. Schwächen sähen sie dagegen in der schwachen Bezahlung, den unattraktiven Arbeitszeiten sowie der fehlenden Work-Life-Balance.

Pflegende Angehörige durch Corona stark belastet

Wie es dagegen mit der physischen, emotionale und finanziellen Gesundheit von unentgeltlich Pflegenden weltweit aussieht, hat das Pharmaunternehmen Merck in einer globalen Studie ermittelt. Das Ergebnis ist eindeutig: Ein Großteil von ihnen fühlt sich durch die Pandemie stark beeinträchtigt. Für die Studie „Carer Well-Being Index“ wurden mehr als 9000 pflegende Angehörige aus 12 Ländern Asiens, Europas und Nord- und Südamerikas befragt.

Die durchschnittliche Pflegezeit der Pflegenden sei laut Studie um 7,6 Stunden pro Woche im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie gestiegen, dies entspricht einer Steigerung von 46 Prozent. Pflegende Angehörige leisteten im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie in Deutschland einen zusätzlichen Pflegeaufwand von 3,7 Stunden, und Pflegepersonen in China von 15,4 Stunden pro Woche.

Mehr als die Hälfte der pflegenden Angehörigen (65 Prozent) gaben an, vorrangig emotionale Unterstützung leisten zu müssen. Für 61 Prozent der Befragten habe die COVID-19-Pandemie ihre eigene psychische und emotionale Gesundheit verschlechtert.

Finanzielle Situation hat sich verschlechtert

Doch nicht nur das emotionale Befinden, auch die finanzielle Situation der Befragten (64 Prozent) habe sich in der Corona-Pandemie verschlechtert. 71 Prozent seien besorgt, es sich zukünftig nicht mehr leisten zu können, Pflegeaufgaben adäquat auszuüben.

Fast alle weltweit Befragten (96 Prozent) stimmten zu, dass ein besserer Zugang zu Gesundheitsleistungen wichtig sei, damit die erforderlichen Pflegeaufgaben durchgeführt werden können. Dies unterstreiche die wichtige Rolle, die sowohl der öffentliche als auch der private Sektor bei der besseren Unterstützung privater Pflegepersonen spielen kann. (kaha)

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