Regeneration

Gesunde Pausen sind eine Frage der Praxisorganisation

Ein gesundheitlich fittes Team ist neben der medizinischen Kompetenz das Rückgrat für den Praxiserfolg. Der Pausenkultur kommt eine Schlüsselfunktion bei der Regeneration im Arbeitsalltag zu. Hier sind Praxischefs gefragt, den nötigen Rahmen für gesunde Pausen zu bieten.

Von Matthias WallenfelsMatthias Wallenfels Veröffentlicht:
Kurze Auszeiten dienen der gesunden Arbeit.

Kurze Auszeiten dienen der gesunden Arbeit.

© Dmitriy Shironosov/Getty Images/iStock

BERLIN. Viele Beschäftigte in Deutschland erleben ihre Pausen am Arbeitsplatz als wenig erholsam. Das legen Ergebnisse einer aktuellen, nicht-repräsentativen Online-Umfrage der Initiative Gesundheit und Arbeit (iga) unter 323 Erwerbstätigen nahe. Die Ergebnisse wurden jetzt in Form des Reports "Regeneration, Erholung, Pausengestaltung – alte Rezepte für moderne Arbeitswelten?" veröffentlicht.

Zwar sind demnach 79 Prozent der Befragten nach eigener Einschätzung grundsätzlich mit den Pausen zufrieden. Allerdings erholt sich rund die Hälfte dabei nie, selten oder nur manchmal, so die iga, unter deren Dach gesetzliche Kranken- und Unfallversicherung zusammenarbeiten.

Flexibilität fördert Erholung

Die Ursachen für die unzureichend empfundene Erholung dürften laut iga in einer konventionellen Pausengestaltung mit unflexiblen Pausenzeiten begründet liegen. An der Spitze der Pausenaktivitäten stünden Essen und Trinken oder Unterhaltungen mit den Kollegen. Zwar nutzen die Befragten die Mittagspause hin und wieder für einen Spaziergang an der frischen Luft, regelmäßig machen das aber nur rund 17 Prozent – obwohl diese Art der Pausengestaltung am erholsamsten eingestuft wird.

Bezogen auf den Erholungsfaktor werden der Pausensnack oder das Gespräch mit den Kollegen deutlich schwächer bewertet. Nur ein Bruchteil schaltet in der Pause beim Sport ab. Etwa jeder Zehnte nimmt private Erledigungen vor, allerdings trägt dies laut Umfrage gar nicht zur Erholung bei.

Gefragt nach ihren Wünschen, spricht sich ein Drittel der Befragten für mehr Flexibilität und Autonomie bei der Wahl des Pausenzeitpunktes aus. Interessant: Mit durchschnittlich 27 Minuten würden sich die Beschäftigten sogar mit kürzeren Pausenzeiten zufrieden geben als sie im Schnitt mit 33 Minuten tatsächlich haben.

Wie die Umfrage – wenig überraschend – ergeben hat, lässt etwa ein Viertel häufig oder sogar immer die Pause ganz ausfallen. Die Ursache hierfür liege in den meisten Fällen am Termin- und Zeitdruck. Manche seien aber auch so vertieft in ihre Aufgaben, dass sie ihre Pause schlichtweg vergessen.

Störfaktor Termin- und Zeitdruck

Termin- und Zeitdruck kann auch gerade in Haus- und Facharztpraxen ein großes Problem darstellen, wenn es für das Praxisteam um die Ermöglichung von Pausen geht. Exemplarisch kann hier die Grippesaison aufgeführt werden, die für ein hohes Patientenaufkommen in der Praxis sorgt.

"Die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung bestätigen noch einmal die Bedeutung des Themas Pause für die Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit", heißt es in dem iga-Bericht.

In einer zunehmend digitalisierten Arbeitswelt müsse über die positiven Effekte von Pausen auf Leistungsfähigkeit, Gesundheit und Erholungsfähigkeit sowie Zufriedenheit neu nachgedacht werden, raten die iga-Experten.

"Ein explizites Nachdenken über eine gemeinsame Pausenkultur sollte Bestandteil von Prävention und betrieblicher Gesundheitsförderung sein", heißt es. Aufseiten des Unternehmens sollten daher Führungskräfte und Beschäftigte über die Notwendigkeit, Sinnhaftigkeit und bewusste Gestaltung von Pausen und Regenerationsmöglichkeiten regelmäßig informiert sein und nach Optimierungspotenzial suchen. Auf die Arztpraxis heruntergebrochen heißt das, dass vor allem Teambesprechungen genutzt werden können, um potenzielle Defizite im Pausenmanagement zu identifizieren und Gegenmaßnahmen wie eine Reorganisation von Arbeitsprozessen zu definieren.

"Dabei sollte nicht nur die Tatsache, dass Pausen genommen werden müssen, also die gesetzlichen Vorgaben vermittelt werden, sondern auch die inhaltliche Gestaltung thematisiert und Fähigkeiten des Selbstmanagements gefördert werden", lautet ein Ratschlag.

Entspannungsinseln helfen

Gerade in einem Praxisteam, das tagtäglich auf engem Raum zusammenarbeitet, wünschen sich Medizinische Fachangestellte (MFA) geeignete Räume, um ihre Pause zu verbringen. Allerdings reicht es nicht, wie die Experten betonen, in einen leeren Raum Tische und Stühle zu stellen, sondern die Räume sollten so freundlich und einladend gestaltet werden, dass sie auch tatsächlich genutzt werden. Um das auch sicherzustellen, sollten Praxischefs unbedingt auf die Methode des Deus ex machina verzichten und aktiv auf das Praxisteam zugehen, damit die Beschäftigten an der Gestaltung des Raums partizipieren können. "Falls die räumliche Situation keine Möglichkeit bietet, einen eigenen Raum zur Verfügung zu stellen, könnten alternativ Entspannungsinseln oder kleinere Kommunikationsecken eingerichtet werden", so der Rat. Dazu könnten auch in vorhandenen Besprechungsräumen Sitz- wie auch Stehgelegenheiten eingebracht werden.

Die iga empfiehlt, die mobiliare Ausstattung solcher Pausenorte komplementär zur Arbeitsaufgabe vorzunehmen, so dass etwa MFA, die überwiegend sitzende Tätigkeiten ausüben, die Möglichkeit erhalten, an Stehtischen ihre Pause zu verbringen. MFA, die viel stehen, sollten hingegen die Möglichkeit haben, sich hinzusetzen, vielleicht sogar die Beine dabei hoch zu lagern.

2,3 Pausen je Arbeitstag wünschen sich die Teilnehmer einer Umfrage der Initiative Gesundheit und Arbeit. Die Spannbreite reichte bei den 323 befragten Erwerbstätigen von einer bis acht Pausen je Arbeitstag. Im Schnitt wünschten sich die Befragten eine Pausendauer von 27,2 Minuten. Tatsächlich haben sie im Schnitt 32,6 Minuten Pause je Arbeitstag.

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