AOK-Check

Große Qualitätsspanne bei Hamburgs Kliniken

Von sehr guter bis schlechter Qualität ist unter den Hamburger Kliniken alles vertreten, zeigen Daten der AOK. Die Kasse hat untersucht, wie häufig in Krankenhäusern nach ausgewählten Operationen Komplikationen auftreten.

Dirk SchnackVon Dirk Schnack Veröffentlicht:

HAMBURG. Kliniken in Hamburg operieren mit starken Qualitätsunterschieden. Zu diesem Ergebnis kommt die AOK Rheinland/Hamburg nach Auswertung von rund 6800 Eingriffen, die zwischen 2009 und 2011 in Hamburger Krankenhäusern vorgenommen wurden.

Analysiert hat die Kasse Operationsfälle nach dem QSR-Verfahren (Qualitätssicherung mit Routinedaten). Dabei wurde überprüft, wie hoch der Anteil an Komplikationen in einem Zeitraum von einem Jahr nach einem Eingriff ausfällt.

Starke Unterschiede erkennt die AOK insbesondere bei künstlichen Kniegelenken. In schlechter abschneidenden Kliniken treten bis zu sieben Mal häufiger Komplikationen auf als bei den besten Krankenhäusern.

Insgesamt wurden 17 Häuser, die diese Op zusammen 1800 Mal in der Hansestadt vorgenommen haben, unter die Lupe genommen.

Drei von ihnen, nämlich das Asklepios Westklinikum, die Endo-Klinik und die Schön Klinik Eilbek erreichen laut AOK eine überdurchschnittliche Qualität und zählen damit zu den besten 20 Prozent im Bundesgebiet.

Auffällig ist, dass diese Kliniken bei diesem Eingriff auch die höchsten Fallzahlen aufweisen. Zwei der 17 Kliniken zählen bei diesem Eingriff laut AOK zu den schlechtesten 20 Prozent im Bundesgebiet.

Viele Kliniken mit geringer Fallzahl erreichen eine durchschnittliche Qualität. Allerdings kommt eine Klinik erst mit mindestens 30 Behandlungsfällen in die Auswertung.

Anzahl der Eingriffe pro Klinik nicht allein aussagekräftig

Der Hüftgelenkersatz nach Hüftfraktur zeigt, dass Fallzahlen (1500 im Untersuchungszeitraum in Hamburg) nicht allein ausschlaggebend sind für Qualität. Einzig das Uniklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) schafft es hier in das beste Fünftel bundesweit mit überdurchschnittlicher Qualität.

Drei Kliniken mit höherer Fallzahl kommen dagegen nur auf eine durchschnittliche Qualität, eine Klinik mit gleicher Fallzahl wie das UKE schafft nur unterdurchschnittliche Qualität.

Bei Hüftgelenkersatz nach Arthrose wurden Ergebnisse von 16 Kliniken (1800 Fälle insgesamt) untersucht. Das Asklepios Westklinikum und die Endo-Klinik zählen auch hier zum besten Fünftel bundesweit, keinem Krankenhaus wird unterdurchschnittliche Qualität attestiert.

Bei der Gallenblasenentfernung nach Gallenstein (1700 Fälle in Hamburg) dagegen zählen gleich fünf von 18 Hamburger Krankenhäusern zu den schlechtesten 20 Prozent im Bundesgebiet. Hier schafft es keine Hamburger Klinik in das beste Fünftel.

Die AOK hofft, dass Versicherte von den Qualitätsaussagen künftig stärker profitieren, sprich: sich bei einer anstehenden Operation vermehrt für die gut abschneidenden Kliniken entscheiden.

Matthias Mohrmann, Vorstandsmitglied der AOK Rheinland/Hamburg, sieht durch solche Auswertungen die Qualitätsunterschiede belegt und darin eine Voraussetzung für Qualitätswettbewerb. Er erwartet eine positive Wirkung auf das Versorgungsniveau.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Augen auf bei der Klinikwahl!

Mehr zum Thema
Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Charlotte Kleen

© Babett Ehrt/ Lichtbildwerkstatt

Porträt

Wie Charlotte Kleen Medizin in ihrer ganzen Breite kennenlernt

Mit 71 Patienten und Patientinnen konnte eine Per-Protokoll-Analyse durchgeführt werden. Diese zeigte, dass ASS den Leberfettanteil absolut um 5,9 Prozent reduziert hatte, nach Scheinbehandlung war er dagegen um 4,7 Prozent gestiegen.

© monticellllo / stock.adobe.com

Phase-II-Studie

Taugt ASS zur Behandlung der metabolischen Fettleber?

Mädchen geht chemischen Experimenten in einem Klassenzimmer nach, die Haare stehen ihr zu Berge.

© Andrey Kiselev / stock.adobe.com

Inkretinmimetika

GLP-1: Wie aus dem kleinen Hormon ein Rockstar wird