Praxisführung

Gynäkologe will Praxis verschenken

Dr. Hans-Joachim Kaiser, Frauenarzt in Nordhessen, sucht seit längerem nach einem Praxisnachfolger – vergeblich. Letztes Mittel: Er will die Praxis jetzt verschenken.

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Von 50 000 auf 35 000 Euro und jetzt auf 0: Dr. Hans Joachim Kaiser ist mit seinen Erlösvorstellungen immer weiter nach unten gegangen.

Von 50 000 auf 35 000 Euro und jetzt auf 0: Dr. Hans Joachim Kaiser ist mit seinen Erlösvorstellungen immer weiter nach unten gegangen.

© Hans Joachim Kaiser

ESCHWEGE (ine). Ein Gynäkologe verschenkt seine Praxis. Nein, das ist kein Scherz, sondern vielmehr der "letzte Joker" von Dr. Hans-Joachim Kaiser aus Eschwege, einer 20.000-Einwohner-Stadt im Werra-Meißner-Kreis im Nordosten Hessens.

"Ich habe alles unternommen, was ich konnte", erzählt er im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Seit anderthalb Jahren sucht er einen Nachfolger.

Er hat Inserate geschaltet, 500 selbst gedruckte Flyer verteilt, auf Praxisbörsen in Frankfurt am Main und Kassel nach einem Nachfolger gesucht - alles ohne Erfolg.

Für junge Kollegen sei eine Niederlassung als Einzelkämpfer nicht attraktiv genug, so seine Erfahrung. "Viele von ihnen arbeiten lieber im Team in einer Klinik."

Container oder verschenken

50.000 Euro wollte er ursprünglich für seine Praxis haben, doch auch für 35.000 Euro fand sich kein Interessent. "Mir blieben nur zwei Möglichkeiten", so Kaiser: "Den Container holen oder die Praxis verschenken."

Für ihn ein trauriger Schritt. 40 Jahre hat er als niedergelassener Gynäkologe gearbeitet, etwa 10.000 Karteikarten hat er in seinen Schränken. Die Praxis im Zentrum der Eschweger Innenstadt ist sein Lebenswerk, und nach Rentenversicherung und privater Vorsorge auch das dritte Bein seiner Altersversorgung.

"Diese Entwicklung hat mich bestürzt", erzählt der 64 Jahre alte Arzt. Er habe sich vor allem für seine beiden Angestellten, die seit vielen Jahren für ihn arbeiten, zu diesem Schritt entschlossen: "Ich bin als Arzt ja auch Kleinunternehmer und trage Verantwortung."

Ein Trauerspiel

Auch seine Patienten liegen ihm am Herzen. "Viele fragen mich, wohin sie denn gehen sollen, wenn ich die Praxis schließe." Ende Februar will er aufhören. Dann gibt es nur noch zwei Gynäkologen in der Kreisstadt.

Nach einem Bericht im Hessenfernsehen am Mittwochabend hat er bereits erste Rückmeldungen bekommen, darunter sind auch viele Kollegen, die ihm ihren Respekt zeigen und Erfolg wünschen: "Egal, wie es ausgeht", sagt Kaiser, es sei ein Trauerspiel.

Er hofft, mit dieser Aktion zumindest die Menschen und die Politiker aufzurütteln, damit "endlich etwas für den Ärztenachwuchs getan wird".

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