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Hannover: Klinik schafft Honorarärzte ab

Ab November gibt es im Nordstadtkrankenhaus in Hannover keine Honorarärzte mehr. Die Klinik setzt stattdessen auf Mitarbeiterbindung - und zwar durch Team- Fortbildung im eigenen Haus.

Christian BenekerVon Christian Beneker Veröffentlicht:
Fest angestellte Ärzte rechnen sich für Kliniken.

Fest angestellte Ärzte rechnen sich für Kliniken.

© M. Chalou / fotolia.com

HANNOVER. Das Nordstadtkrankenhaus in Hannover wird bald auf teure Honorarärzte verzichten können.

Um die begehrten fest angestellten Kollegen langfristig zu binden, statt Honorarärzte beschäftigen zu müssen, schreibt das Klinikum familienfreundliche Dienstpläne, schafft Teilzeitstellen, wirbt um Wiedereinsteiger - und setzt auf Teamfortbildungen, erklärt Unternehmensentwickler im Nordstadtkrankenhaus, Dr. Hans-Georg Güse.

Im Laufe von anderthalb Jahren hat das Krankenhaus 150.000 Euro in drei Patientendummys investiert und eine alte Intensivstation für Übungszwecke in ein Simulationszentrum umfunktioniert.

Seither erhalten Notfallteams hier regelmäßig vor allem Reanimationstrainings. "Und zwar berufsübergreifend", wie der Leiter der Trainings, der Anästhesist Dr. Markus Flentje, betont.

Tunnelblick beim Kollegen erkennen

So üben Notfallteams aus Schwestern, Anästhesisten, Internisten und Anästhesie-Pflegern bei den Reanimatiostrainings vor allem ihre kommunikativen Fähigkeiten.

"Die Teammitglieder sollen natürlich die Abläufe sicher abarbeiten können", sagt Flentje, "uns geht es aber mehr um Teambildung als um Ausbildung. Die Mitglieder sollen es zum Beispiel merken, wenn der Kollege neben ihm den Tunnelblick bekommt und dann eingreifen."

Egal ob die Teilnehmer 15 Monate oder 15 Jahre Erfahrung haben, "die Kurse bringen sie weiter". Außerdem bietet das Klinikum zwei Mal im Jahr einen zweitägigen Kurs eigens für ärztliche Berufsanfänger an: "Nightmare - keine Angst vor dem ersten Nachtdienst".

Warteschleife erhöht den Stress beim Training

Auch in diesem Training geht es um Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen, Verantwortlichkeiten, Erwartungen und vor allem Kommunikationsprobleme.

Zum Beispiel lernen die Assistenten, wann allergische Reaktionen oder Nachblutungen gefährlich werden können - und was zu tun ist. Schnell vergessen die Teilnehmer, dass sie "nur" im Training sind.

Wenn sie gleichzeitig einen OP besorgen, mit der Blutbank telefonieren und einen Narkosearzt erreichen müssen, "bringen wir sie beim Telefonieren zunächst mal zehn Minuten in die Warteschleife, um den Stress zu erhöhen", sagt Flentje.

Keine freien Plätze: Kurs überbucht

Trotz oder gerade wegen der bewusst herbei geführten Probleme und hohen Ansprüche sei der Kurs dreifach überbucht, so Flentje.

In erster Linie beeinflussen die Arbeitsbedingungen die Arbeitsmotivation, meint Flentje. Um Kollegen im Haus halten zu können, sei neben dem Geld das Arbeitsklima entscheidend.

Viele Kliniken griffen unter dem wirtschaftlichen Druck dagegen zu zweifelhaften Mitteln: "Zum Beispiel stoppen sie im OP bei Narkosen und Überleitungen die Zeit. Dauern die Prozesse zu lang, bekommen die OP-Teams eins auf den Deckel."

Verzicht auf sechs bis acht Honorarärzte

Die Ärzte würden noch mehr zu Getriebenen. Sie brauchen aber die Möglichkeit, "in Ruhe vernünftige Arbeit abzuliefern", begründet Flentje das Verfahren. Der junge Anästhesist ist überzeugt, dass auch die Teamschulungen Ärzte ans Haus binden.

Das dürfte auch Unternehmensentwickler Dr. Hans-Georg Güse bestätigen: "Bisher haben wir sechs bis acht Honorarärzte beschäftigt, ab November haben wir keinen mehr."

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