Aktien

„Hidden Champions“ – die wahren Renditehelden

Die Aktienkurse mittelständischer deutscher Unternehmen steigen seit Jahren stärker als die großer Konzerne. Aus gutem Grund: Viele kleinere Gesellschaften sind hochqualifizierte Spezialisten oder sogar Weltmarktführer in ihrer jeweiligen Nische. Das sollte ihnen auch Schutz im Handelskrieg bieten.

Von Richard Haimann Veröffentlicht: 11.10.2019, 17:11 Uhr
„Hidden Champions“ – die wahren Renditehelden

Technikgetrieben, innovativ und hoch spezialisiert – Merkmale der deutschen Kleinbetriebe, die in ihrer Nische Weltmarktführer sind.

© Poobest / stock.adobe.com

Neu-Isenburg. Der Dax gilt zwar als deutscher Leitindex, spiegelt er doch die Kursentwicklung der 30 größten börsennotierten Konzerne dieses Landes wider. Doch die höchsten Renditen hierzulande bieten andere Aktien: die von mittelständischen Unternehmen. Eindrucksvoll zeigt dies ein Performance-Vergleich mit dem MDax, dem Index der 60 Werte, die in der Marktkapitalisierung auf die 30 Top-Konzerne folgen, sowie dem SDax, dem Index der 70 nochmals kleineren Unternehmen. Während der Dax in den vergangenen fünf Jahren 33 Prozent gewann, legten der MDax um 64,7 Prozent und der SDax um 66 Prozent zu.

Noch deutlicher wird der Unterschied beim Blick auf die vergangenen zehn Jahre. Seit Oktober 2009 liegt der Dax 114 Prozent im Plus. Der SDax jedoch hat seither 210 Prozent gewonnen und der MDax sogar 249 Prozent. „Die kleineren Indizes laufen regelmäßig dem großen Bruder Dax den Rang ab“, sagt Klaus Hinkel, Vorstand der Düsseldorfer Vermögensverwaltung Hinkel & Cie.

Unbändige Innovatoren

Ein wesentlicher Grund dafür: Mittelständische Unternehmen sind häufig hochqualifizierte Spezialisten, deren Produkte rund um den Globus benötigt werden. „In Deutschland gibt es mehr als 1300 mehr oder weniger unbekannte Weltmarktführer“, so Norbert Weber, Partner bei der Vermögensverwaltung Rhein Asset Management in Düsseldorf und Luxemburg. Viele dieser sogenannten „Hidden Champions“, dieser verborgenen Spitzenreiter, seien „wahre Innovationsmotoren. Manch einer meldet im Jahr mehr Patente an, als sämtliche Unternehmen einiger europäischer Staaten zusammen.“ Tatsächlich bestehen M- und SDax, entgegen der landläufigen Meinung, nicht nur aus Zulieferunternehmen der großen Konzerne.

Im Gegenteil: In den beiden Indizes sind zahlreiche Technologiewerte zu finden. Etwa die Berliner Hypoport, die eine digitale Plattform für den Handel mit Hypothekenkrediten betreibt. Oder die Münchner Nemetschek, die Architekten- und Planungssoftware produziert. Die Aktienkurse beider Gesellschaften sind in den vergangenen drei Jahren um mehr als 140 Prozent gestiegen.

Digitalisierung sorgt für Aufträge

„Es ist eine Fehlannahme, dass es in Deutschland keine Technologiewerte gibt“, stellt Ingo Koczwara, Fondsmanager bei der Münchner Privatbank Merck Finck, klar. Zwar gebe es hierzulande nicht so große Akteure wie Apple oder Microsoft. „Dafür aber viele Nischenspieler in der zweiten und dritten Reihe“, weiß Koczwara, der den auf Aktien börsennotierter deutscher mittelständischer Unternehmen fokussierten Fonds Richelieu Equities Small & Mid Cap Germany managt.

Die kleineren Indizes laufen regelmäßig dem großen Bruder Dax den Rang ab.

Klaus Hinkel, Vorstand der Düsseldorfer Vermögensverwaltung Hinkel & Cie

Dass gerade die Aktienkurse der Technologiewerte im MDax und SDax in den vergangenen Jahren stark angezogen haben, liege an der fortschreitenden Digitalisierung. Weltweit setzen immer mehr Unternehmen auf neueste Internetanwendungen und modernste Software, um ihre Produkte immer weiter zu verbessern und ihre Fertigung effizienter zu gestalten. Davon profitieren die kleinen deutschen Spezialisten, die diese Entwicklungssprünge erst möglich machen.

Ein Beispiel dafür sei Aixtron, so der Fondsmanager. Der nordrhein-westfälische Maschinenbauer fertigt Anlagen, mit denen VCSEL-Sensoren produziert werden können, die eine Gesichtserkennung ermöglichen. „Solche Lichtsensoren werden unter anderem in Smartphones wie dem iPhone X genutzt“, berichtet Koczwara. Ein weiteres Beispiel sei Jungheinrich. Das Hamburger Unternehmen, einst als Gabelstapler-Produzent gestartet, bietet heute auch Technik zum Betrieb automatisierter Hochregallager an. „Es liefert damit eine wichtige Grundlage für das Wachstum im Online-Handel“.

Spezialisierung schützt vor Zöllen

Die Spezialisierung dürfte diese mittelständischen Firmen auch vor den von US-Präsident Donald Trump entfachten Handelskriegen schützen. „Viele dieser Unternehmen produzieren Spezialanlagen oder spezielle Technologien, die in der ganzen Welt, auch in den USA, genutzt werden, um die Produktivität zu steigern“, sagt Koczwara. Deshalb sei es wenig wahrscheinlich, dass die USA die Zollgebühren auf solche Produkte erhöhen werden.

Anleger können breit gestreut in börsennotierte mittelständische Unternehmen über aktiv gemanagten Fonds investieren, die auf diese Werte fokussiert sind. Um den Ausgabeaufschlag von bis zu fünf Prozent zu sparen, können Fondsanteile direkt an der Börse geordert werden.

Als Alternative bieten sich börsennotierte Indexfonds auf den MDax oder den SDax an. Diese bilden rein passiv den jeweiligen Index nach und haben daher nur minimale Verwaltungskosten. Zudem werden ihre Anteile ausschließlich an der Börse gehandelt.

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