Private Krankenversicherung 2019

Honorare für ambulante private Arztbehandlungen legen zu

Das Jahr 2019 hat den privaten Krankenversicherern Wachstum bei Beitragseinnahmen und Leistungsausgaben beschert. Besonders sticht die Entwicklung bei der privaten Pflegeversicherung heraus.

Von Ilse SchlingensiepenIlse Schlingensiepen Veröffentlicht:
6,8 Milliarden Euro hat die PKV für die ambulante Arztbehandlung ihrer Versicherten 2019 ausgegeben – eine Steigerung um 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

6,8 Milliarden Euro hat die PKV für die ambulante Arztbehandlung ihrer Versicherten 2019 ausgegeben – eine Steigerung um 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

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Köln. Die privaten Krankenversicherer (PKV) haben im Jahr 2019 insgesamt 6,8 Milliarden Euro für die ambulante Arztbehandlung ihrer Versicherten ausgegeben, das war eine Steigerung um 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Versorgung durch niedergelassene Ärzte ist der größte Einzelposten bei den Leistungsausgaben der PKV-Unternehmen.

Nach dem gerade veröffentlichten „Zahlenbericht 2019“ des PKV-Verbands stiegen die Leistungsausgaben der Branche im vergangenen Jahr insgesamt um 5,2 Prozent auf 30,1 Milliarden Euro. „Den größten Einfluss auf die Gesamthöhe der Leistungen hat die Entwicklung im ambulanten Bereich“, heißt es in dem Bericht. Pro Kopf haben die Ausgaben dort um 6,1 Prozent zugelegt, bei der ambulanten Arztbehandlung waren es 3,8 Prozent. Den stärksten Ausgabenzuwachs registrierten die Versicherer bei Heilmitteln (plus 12,8 Prozent) und Arznei- und Verbandmitteln (8,0 Prozent).

Insgesamt beliefen sich die Leistungsausgaben für die ambulante Behandlung auf 13,1 Milliarden Euro, das ist ein Plus von 6,0 Prozent. Für stationäre Leistungen gab die Branche mit 8,4 Milliarden Euro 3,8 Prozent mehr aus als 2019, bei den zahnmedizinischen Leistungen waren es 4,5 Milliarden Euro oder 4,2 Prozent mehr.

Einnahmen der Pflegeversicherung wachsen um ein Viertel

Die Beitragseinnahmen nahmen mit 3,1 Prozent auf 41 Milliarden Euro weniger stark als die Leistungsausgaben zu. 37,8 Milliarden Euro stammten aus der Krankenversicherung, davon wiederum 27,8 Milliarden Euro aus der Vollversicherung. Die Beitragseinnahmen in der Pflegeversicherung schossen in die Höhe, und zwar um stolze 25,6 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro.

Im Kerngeschäftsfeld der Branche hat sich der Rückgang bei der Zahl der Vollversicherten im vergangenen Jahr verlangsamt. Ende 2019 zählten die 36 PKV-Anbieter mit Vollversicherung zusammen gut 8,7 Millionen Vollversicherte, das waren 3900 weniger als 2018. In dem Jahr hatte der Bestandsabrieb noch 17.100 betragen. Seit 2011 konnte die PKV damit in ihrem Kerngeschäftsfeld bei der Zahl der Versicherten nicht mehr zulegen.

Alles in allem sieht der Direktor des PKV-Verbands Dr. Florian Reuther einen „positiven Trend“ für die Vollversicherung. Der Grund: 2019 sind ebenso wie 2018 mehr Menschen von der gesetzlichen Krankenversicherung in die PKV gewechselt als in die umgekehrte Richtung. Der sogenannte Wechselsaldo betrug 17.400 zugunsten der PKV, ein Jahr zuvor waren es 800 gewesen. Das sah auch schon mal ganz anders aus. 2015 fiel der Saldo mit minus 19.800 klar zu Lasten der Privaten aus.

82,7 Prozent rechnen zum Regelhöchstsatz ab

Einen leichten Rückgang musste die Branche 2019 auch bei der Zahl der Pflegeversicherten hinnehmen, sie sank um 0,24 Prozent auf 9,3 Millionen. Einen Zuwachs gab es dagegen bei den Zusatzversicherungen, bei denen der Bestand um 2,5 Prozent auf 26,7 Millionen zulegte.

Der PKV-Verband wertet regelmäßig anonymisierte Arzt- und Zahnarztrechnungen mit Blick auf die Abrechnungssätze aus. Danach rechnen die niedergelassenen Ärzte in 82,7 Prozent der Fälle genau zum Regelhöchstsatz ab.

Die höchsten Steigerungssätze finden sich nach der Auswertung nicht im ambulanten Bereich, sondern bei stationären und Zahnbehandlungen. „Hier griffen Ärzte in jeweils rund 30 Prozent der Fälle auf den Höchstsatz der jeweiligen Gebührenordnung zurück – im ambulanten Bereich waren es knapp zehn Prozent“, führen die Autoren des Berichts aus.

Rückstellungen mit 2,8 Prozent verzinst

Die Alterungsrückstellungen, die zur Abfederung von Beitragssteigerungen durch höhere Krankheitskosten im Alter gebildet werden, legten 2019 branchenweit um 5,4 Prozent auf 274 Milliarden Euro zu.

Die Branche hatte Kapitalanlagen in Höhe von 302,7 Milliarden Euro in ihren Büchern, das waren 5,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Kapitalerträge nahmen um 11,7 Prozent auf 9,5 Milliarden Euro zu. „Die private Krankenversicherung hat 2019 für ihre Versicherten im Schnitt eine Durchschnittsverzinsung von 2,8 Prozent erwirtschaftet“, berichtet Verbandschef Reuther.

Die Abschlussaufwendungen der PKV-Unternehmen – vor allem Provisionen – erhöhten sich um 4,7 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro, bei den Verwaltungskosten gab es einen Anstieg um 1,8 Prozent auf 918 Millionen Euro.

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